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Prêt-à-porter in Paris: Galliano in Pastelllaune

Foto: Pascal Le Segretain/ Getty Images

Prêt-à-porter-Schauen in Paris Schleier und Seide

Skandalist John Galliano zeigt Ganzkörperschleider, ein Anti-Apartheids-Kämpfer bringt politisch korrekte Mode auf den Laufsteg, und Stella McCartney zeigt die moderne Frau als unkomplizierte Verführerin. Nur die Badelatschen störten bei den Pariser Prêt-à-Porter-Schauen.

Paris - Hochsommerliche Temperaturen in Frankreichs Hauptstadt Anfang Oktober sind ebenso ungewöhnlich wie ein Anwalt, der in Mode macht. Doch sowohl die Sonne als auch der Südafrikaner Paul Van Zyl hatten am Sonntag große Auftritte in der Mode-Metropole.

Bei den aktuellen Prêt-à-Porter-Schauen präsentierte Van Zyl die erste Kollektion des frisch gegründeten Label Maiyet: Trenchcoats mit Glamour-Faktor, seidige Röcke und luxuriös-urbane Kleider. Farbtupfer in grellem Orange setzten die Akzente, die Maiyets ansonsten etwas farblose geratene Mode für das Frühjahr und den Sommer 2012 braucht.

Doch hinter den Khaki-Klamotten steckt mehr als nur der Gedanke an schöne und tragbare Kleidung: Van Zyl kämpfte einst gegen die Apartheid in Südafrika und will mit seinem neuen Label nun Schneider und Kunsthandwerker aus Entwicklungs- und Schwellenländern fördern. Seine Textilien bezieht er aus ausgewählten Betrieben, die viel Liebe ins Detail stecken: Eigens bedruckte Seidenstoffe für hüfthoch geschnittene Shorts kommen aus Indonesien, die handgewebte Baumwolle für ein in Paris präsentiertes Kleid stammte aus Indien.

"Wir sagen unseren Mitarbeitern nicht: Mach dies schneller und das billiger", sagte Van Zyl vor seiner Schau am Sonntag. "Wir sagen: Mach's langsam und sorgfältig und besser - und wir hängen es an eine Kleiderstange bei Barneys".

McCartney-Pyjamas mit Punkten

Möglicherweise hängen die Maiyet-Teile also bald in dem New Yorker Luxuskaufhaus direkt neben einem Stella-McCartney-Negligé. Bei den Schauen in Paris stellte die Stardesignerin am Montag ihre Frühjahrs- und Sommerkollektion 2012 vor. Im Mittelpunkt stand verführerische, weitgeschnittene Nachtwäsche aus Seide. Verziert waren die Nachthemden und Pyjamas mit auffälligen Aufdrucken wie kleinen Kreuzen, Punkten oder Kreisen in Dunkelblau und Kastanienbraun.

Die Modenschau besuchten auch der Vater der Designerin, Ex-Beatle Paul McCartney, zusammen mit seiner Verlobten Nancy Shevell und weitere Prominente wie Schauspielerin Salma Hayek. Mit ihrer Damenkollektion macht McCartney Lust auf den nächsten Sommer. Ihre Entwürfe sind sportlich und chic: Minikurze Trägerkleider aus Seide in Cremeweiß mit zarter cremefarbener Ornamentstickerei am Saum, fließende Overalls mit kastigen Schultern und lockere Hosenanzüge mit Tunika-Oberteilen gehörten dazu.

Klare, gut gesetzte Schnitte und fließende Stoffe ließen die Entwürfe beweglich und vollkommen alltagstauglich erscheinen. Die Drucke in Rotbraun oder Blaugrau erinnerte an Krawatten- oder Porzellanmuster. Einziger Ausreißer: Hässliche Badelatschen mit blauer Sohle, die einen seltsamen Kontrast zu den hübschen Sandaletten, die auch zu sehen war, bildeten. Doch wie auch immer: McCartneys ideale Kundin bleibt eine moderne Frau in Bewegung.

Galliano in Pastelltönen

Flexibel muss sich seit kurzem auch John Galliano zeigen, dessen Label an diesem Wochenende in Paris die erste Prêt-à-porter-Kollektion unter dem neuen Kreativdirektor Briton Bill Gaytten präsentierte. Nach 14 Jahren als Chefdesigner bei Dior war Galliano wegen antisemitischer Äußerungen im Frühjahr entlassen und dann zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Offenbar haben dem Label die öffentlichen Rügen etwas zugesetzt: Die neuesten Kreationen haben nichts von dem skandalösen Exzess, für den der Paradiesvogel berühmt war. Eher verträumt wirken die aus flatternden Stoffen genähten Röcke und die federleichten Kleider in Pastelltönen. Und anstelle von Kopfbedeckungen im ausgeflippten Galliano-Stil gab es Strohhüte mit abgeflachter Spitze. Aufsehenerregender waren da schon die transparenten Ganzkörperschleier, die Blick auf Bauchnabel, Brust und Pobacken der Modells zuließen.

jus/dpa/dapd/AP

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