Oktoberfestmode Die Pracht der Tracht

Dirndl und Lederhosen gehören zum Oktoberfest wie der Einzug der Wiesn-Wirte. Mittlerweile hat die Trachtenmode aber ganz Deutschland erobert. Wohl auch, weil sie mehr und mehr auf Extravaganzen verzichtet und klassisch-dezent daherkommt.

München - Dirndl und Lederhose sind nicht nur für den Oktoberfest-Besuch nahezu unverzichtbar, wo sich sonst gern eher kosmopolisch auftretende Prominenz in Sachen Heimatschick überbietet. "Die Nachfrage ist sowohl bei Damen als auch bei Herren nach wie vor sehr stark", sagt Nina Munz von Trachten Angermaier in München. Auch außerhalb Bayerns findet man derzeit viele Trachten in den Läden, bayerisch angehauchte Bierfeste werden quer durch die Republik veranstaltet. Selbst in Hamburg sieht man Dirndl in den Schaufenstern.

Immer mehr stellt die Trachtenmode ihre Extravaganzen und modischen Sprünge zurück - die Kleider und Hosen sind klassischer, dezenter und damit auch für Städter tragbarer. "Die Tracht ist mehr an die Tradition angelehnt, aber mit deutlichen Einflüssen aus der Mode", erklärt Gabriele Hammerschick, Leiterin der Trachtenabteilung bei Lodenfrey. So schmücken das diesjährige Wiesn-Dirndl des Unternehmens klassische Elemente wie als Ranke angeordnete Eichblätter oder Herzen. Auch ziegenartige Gämsen finden sich als Stickerei auf den Kleidern.

Bei anderen Herstellern sind die Muster ebenfalls traditionell, häufig werden Handdrucke verwendet. Angermaier setzt auf Stoffe mit Jagd- und Tiermotiven wie etwa Pfauen oder den bayerischen Löwen. Besonders gefragt sind Bauernkaros. Wer weniger traditionsliebend ist, findet auch auffällige Drucke. Angermaier hat etwa Sissi auf der pinken Schürze. Die teils handbemalten Stoffe der Münchener Designerin Lola Paltinger erinnern an Bauernmalerei und zeigen detailreiche Szenen mit Hirschen.

Die Dirndl gibt es häufig in Traditionsfarben wie Tanne, Schwarz und Dunkelblau. Lodenfreys Wiesn-Dirndl ist etwa braun, es ist aber auch in den Modefarben Platingrau, Oliv oder Puderrosa zu haben. Daneben bleiben Beerentöne und Blaunuancen beliebt. Diese können im Kontrast kombiniert werden. Im Kommen seien in diesem Jahr auch Silber und Gold, sagt Munz.

Klassiker sind wieder angesagt

Viele Trachtenkleider sind aus Leinen oder Baumwolle, wenn es etwas festlicher sein soll, auch aus Samt oder Seide. Bei den Schürzen geht es meist edler zu: Sie werden aus Spitze, besticktem Organza, Chiffon oder Tüll gefertigt. Es gibt sie aber auch in klassischen Seidenstoffen, besticktem Samt und farbig bedruckten Stoffen.

Wie in den vergangenen Jahren reichen die meisten Kleider bis unter das Knie oder bis zur Wade. "Mini-Dirndl gehen gar nicht", sagt Nina Munz. Dabei ist allerdings wichtig für das traditionelle Erscheinungsbild: "Die Schürze wird generell zwei Zentimeter kürzer getragen als das Kleid", erklärt Gabriele Hammerschick. Ebenso klassisch sind die Schnitte, sagt Munz. Dirndl haben tiefe Balkon- oder Herzausschnitte und Mieder mit Verschnürungen, Knöpfen und Schößchen.

Eine Errungenschaft der vergangenen Jahre bleibe jedoch gefragt, darin sind sich die Experten einig: die Lederhose für Frauen. Es gibt sie in verschiedenen Längen, Qualitäten, Farben sowie viele Stickvarianten. Dazu kombiniert man Mieder, T-Shirts oder Blusen im Karomuster wie etwa bei Spieth & Wensky zu sehen. Zu zurückhaltender Trachtenmode darf es auch ein ausgefallener Hut sein. In diesem Jahr gibt es kleine, witzige Formen mit langen Federn, Leoprints, mit bunten Kordeln und farbigen Details.

Nina Munz von Angermaier empfiehlt Charinis - kleine Schmuckketten, die mit zwei Haken am Oberteil befestigt werden, sowie Steck-Charivaris, die als Anhänger an die Schürze geklammert werden. Wichtig sind auch die Schuhe. "Das Gesamtbild muss harmonisch sein", erklärt Hammerschick. Vor allem zur Lederhose sollten Frauen einen modischen Schuh wie Ballerina oder Pumps tragen und nicht den traditionellen Haferlschuh.

Männer tragen Lederhosen in allen Variationen. Wer modisch sein will, greife in diesem Jahr zu Farbigem, sagt Nina Munz. Das können bunte Westen oder eine Krachlederne mit farbiger Stickerei sein. Dazu werden passende Wadenwärmer getragen - Angermaier hat die sogenannten Loferl in diesem Jahr in Grün, Pink, Blau und Brombeerfarben im Sortiment. Oder man kombiniert ein rotes Tuch zum blauen Hemd.

Tina Nachtmann, dpa
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