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Petticoat-Kleider: Ein Kompliment an die Weiblichkeit

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Mode für Figurbewusste Das Comeback der Petticoats

Sophia Loren, Claudia Cardinale oder Grace Kelly gelten auch heute noch als Stilikonen. Elegant und figurbetont waren die Filmdiven in den 50er Jahren gekleidet. Eines ihrer Geheimnisse liegt jetzt wieder voll im Trend: das Petticoat-Kleid.

Köln/Frankfurt am Main - Männer brauchen nur eine Geste, um eine perfekte Frauenfigur zu beschreiben: Oben ist sie kurvig, in der Mitte schmal und unten wieder rundlich. So auszusehen ist für Frau keine Kunst, sondern eine Frage des richtigen Kleides, sagen Designer und Modeexperten. Denn egal ob die Figur dünn oder dick ist, der Petticoat zaubert daraus eine Sanduhr-Silhouette: Sein ausladender Tellerrock formt ein kaschierendes Rund über dem Po und den Oberschenkeln, der enge Schnitt am Oberkörper schafft optisch eine Wespentaille.

Diese Mogelpackung will Frau haben - und bekommt sie derzeit in vielen Kollektionen. Das Petticoat-Kleid ist wieder angesagt. Die figurbetonte Silhouette zeigten zunächst Designer wie Miuccia Prada oder Marc Jacobs auf den internationalen Laufstegen. H&M etwa hat nun zahlreiche sehr kurze Kleider in Retromustern im Handel. Topshop hat eines mit Punkten, Lilly eine feinere Variante in Rot und Weise ein Modell in Schwarz mit rotem Gürtel im Sortiment.

Nach den ersten Sommerkleidern soll der Look der 50er und 60er Jahre vor allem im Herbst die Straßen erobern, sagen die Trendanalysten. "Deutlich feminine Kleider, die die Taille betonen und schwingende Säume haben, werden meist mit sportiven Jacken kombiniert", erklärt etwa das Deutsche Mode-Institut (DMI) in Köln in seinem Trendbericht für Herbst und Winter.

"Lange ist die Taille ignoriert und alles hüftig getragen worden", sagt die Designerin Elke Dürer aus Düsseldorf. "Gerade wird die Taille wieder betont, und die Röcke wachsen nach unten." Das kommt nicht plötzlich: Der Trenchcoat, ein Mantel mit Taillengürtel und darunter breiter werdendem Rock, hat zunächst Modebewusste an die Betonung der Taille gewöhnt. Teilweise erinnern die Mäntel an glockenförmige Petticoat-Kleider. Danach kamen Hosen und kurze, enge Röcke auf den Markt, deren Bund wieder hoch sitzt. Und jetzt ist der Petticoat mit seiner Wespentaille da.

Betonung der Weiblichkeit

1947 zeigte Christian Dior erstmals in seiner berühmt gewordenen Kollektion "New Look" ein Petticoat-Kleid. Er wollte nach den Jahren der Entbehrungen während des Zweiten Weltkriegs die Weiblichkeit wiederentdecken, sagt Stilberater Andreas Rose aus Frankfurt. Sinnbild, Gesicht und Körper dieser neuen Weiblichkeit waren Filmdiven wie Sophia Loren und die spätere Fürstin von Monaco, Grace Kelly.

Das Petticoat-Kleid war das Kleidungsstück des rebellischen Rock'n'Rolls - es stand sinnbildlich für den Gegensatz von weiblicher Erotik und dem biederen Hausfrauenleben dieser Zeit: "Die Frauen waren nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung wieder kaltgestellt worden - erst gebraucht, dann wieder hinter den Herd gestellt", sagt der DMI-Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins. Dort musste die Kleidung adrett wirken, durfte das Oberteil des Kleides hochgeknöpft und der Rock nicht zu kurz sein.

Aber Grit Seymour, Professorin für Bekleidungsdesign an der Universität der Künste in Berlin, fügt an, was das Kleidungsstück noch versinnbildlichte: "Durch den Petticoat wird eine sehr weibliche Silhouette betont: die Wespentaille, die Jungfräulichkeit verheißt. Runde, gebärfreudige Hüften und lange nackte Beine sind durch viele transparente Schichten verhüllt, die gelegentlich beim Tanz einen aufreizenden Einblick geben."

Petticoats in neuer Optik

Ursprünglich war der Petticoat als bauschiger Unterrock gedacht, der mit mehreren Tüllschichten weiten Röcken und Kleider die richtige Passform verleihen sollte, erläutert Rose. "In den späten 50er Jahren entbrannte sogar eine hitzige Diskussion, ob Petticoats als Überbekleidung überhaupt sichtbar sein dürfen." Heute bezeichnet man Kleider in diesem Stil damit, aber auch als Unterröcke kennt man sie noch in der Brautmode.

Nach wirklich ausladenden Kleidern, die wie in einem alten Rock'n'Roll-Film durch keine Tür zu passen scheinen, sucht man im Einzelhandel aber meist vergebens - nur in Nostalgieshops kann man sie bestellen. "Die Petticoats müssen heute alltagstauglicher sein", sagt Dürer, Mitglied im Verband deutscher Mode- und Textildesigner. Sie dürften weder zu steif noch zu bauschig sein.

Viele Designer ahmen mit ihren Stücken daher eher die auffällige Silhouette nach, als wirkliche Tellerröcke mit mehreren Lagen zu schneidern. Mango zeigt etwa ein schwarzes, weites Kleid, das durch einen dünnen Gürtel um die Hüfte die Sanduhrform erhält. Cos verstärkt die Form etwa mit einer weiten Tasche am Rock. Auch mehrlagige Röcke, die zu engen Oberteilen wie T-Shirts sowie mit Kurzblazern kombiniert werden, findet man. Rose rät, dazu dezente Accessoires und hohe Schuhe zu wählen.

Für Aufsehen sorgt der Petticoat derzeit aber nicht nur wegen seiner für die heutige Zeit wieder neuen Optik: Er ist auch ein Figurwunder. "Figurprobleme gibt es mit einem Petticoat kaum, denn ein Zuviel an Bauch, Po und Oberschenkeln wird versteckt und kaschiert", erläutert Rose. Umgekehrt werde dort, wo nur wenig Kurven sind, mehr geformt. Und dennoch ist der Petticoat nicht für jede Frau etwas - denn es brauche ein gewisses Maß an Selbstvertrauen, mit so viel weiblichen Reizen nicht schüchtern im Raum zu stehen, sagt Dürer. Nur so kann man mit seinen Kurven auch umgehen und kokettieren wie Sophia Loren, die einst sagte: "Alles, was Sie an mir sehen, verdanke ich Spaghetti!" Und dem Petticoat-Kleid.

Simone Andrea Mayer, dpa
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