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Männermode: Endlich Mut zur Farbe

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Neue Männermode Paradiesvögel im Büro

Grau und Schwarz machen Platz für frische Farben in der Männermode. In den Geschäften stapeln sich pinke, knallrote, grasgrüne und türkise Klamotten. Doch noch immer zögern viele, sich in ungewohnte Farbenpracht zu kleiden. Dabei stünde etwas mehr Modemut so manchem Mann gut zu Gesicht.

Frankfurt am Main/Köln - Modebewusste Männer, sonst erklärte Liebhaber der unauffälligen Farben Schwarz, Weiß, Grau oder Dunkelblau, sollen jetzt wild miteinander kombinierte, paradiesvogelbunte Kleidung tragen. Boss Black zeigt knallrote Hosen zur blauen Weste und einem rosafarbenen Sakko, Alberto eine orange Jeans zum neongrünen Polo-Shirt, und Cinque legt eine himmelblaue Strickjacke unter das dunkelblaue Sakko. "Colourblocking" nennt sich das Prinzip.

"Damit ist eine kontrastreiche Farbgebung durch hartes Gegenüberstellen von Blöcken mit deutlich abgehobenen, stark unterschiedlichen, meist leuchtenden Farben gemeint", erläutert der Frankfurter Modeberater Andreas Rose. "Die Vorreiter dieses Trends sind Jil Sander und Prada, angelehnt ist der Look aber an den Stil von Yves Saint Laurent in den 1960ern und 1970ern, auch an die Bauhaus-Kunst und Mondrians Farbkompositionen."

Was auf den Laufstegen schon vor mehreren Saisons begann, erreicht nun langsam den Massenmarkt, und 2011 sind schon die jugendlichen Modemarken auf den Zug aufgesprungen. Der Berliner Stilblogger Bernhard Roetzel sieht die neue Vielfarbigkeit als Fortentwicklung des "Preppy Looks", des schnieken Stils der Oberschicht. Kennzeichen dafür ist etwa die nun gern getragene Kombination von kurzer Hose und Sakko. "Der elitäre Look der High Society zwischen Sylt und Düsseldorf zieht sich jetzt durch beinahe alle Kollektionen", sagt Roetzel.

Doch der nicht allzu modebewusste Mann steht oft ratlos vor den Regalen und sorgt sich, im lila Hemd und grüner Hose wie ein Papagei auszusehen. "Das Paradiesvogel-Argument kann ich nicht mehr hören", entgegnet Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln. "Entweder man möchte Farben und steht dazu - oder eben nicht." Und er betont: "Mut zur Farbe ist kein Verkaufsslogan, man sieht es längst auf den Straßen." Auch Roetzel sagt: "In den meisten Geschäften ist es schon eine Kunst, nicht irgendwo auf beerenfarbige Männerhosen zu stoßen."

Feuerwehrrote Hose zum gelben Shirt

Müller-Thomkins rät daher denjenigen, die mit dieser Mode gehen wollen: Die Sachen dürfen nicht nach dem Prinzip "Das passt alles schon irgendwie zusammen" kombiniert werden. Zunächst müsse man seinen Farbtyp kennen. Entscheidend dafür sind Haarfarbe und Hauttyp, sagt Müller-Thomkins. "Als dunkler Typ sehe ich mit einem hellgrünen Halstuch ganz bleich und kränklich aus, einem blonden Mann steht es dagegen wahrscheinlich bestens." Wer unsicher ist, sollte sich im Fachhandel oder von Stylisten beraten lassen.

Wer seine Farben kennt, sollte diese in möglichst ungewöhnlichen, auffälligen Kombinationen tragen. Denn wie etwa Daniel Hechter vormacht, sieht selbst ein babyblauer Schal unter einem kiwigrünen Sakko gut aus. Oder eine feuerwehrrote Hose zum gelben T-Shirt, wie H&M kombiniert. Wichtig ist allerdings, nicht mehrere Farben in kleinteiligen Mustern zu haben, sondern einfarbige Klamotten miteinander zu kombinieren, erläutert Fashion-Experte Rose. Man wählt also besser ein rein rotes Hemd zur grünen Hose aus statt ein rot-grün gemustertes Hawaiihemd. "Wem das zu gewagt ist, kombiniert die Signalfarbe zu Schwarz und Weiß oder setzt nur geeignete Colourblocking-Accessoires ein." Das kann etwa ein buntes Paar Turnschuhe, eine bunte Notebook-Tasche, ein buntes Einstecktuch oder ein Schal sein.

Der Farbmix lässt jedoch nicht allein den Mann gut aussehen, sondern auch die Passform seiner Klamotten zählt, erläutert Rose. "Bei der Zusammenstellung eines Outfits spielt nicht nur der reine Farbwert eine Rolle, sondern auch Optik, Oberfläche und Silhouette der Einzelkomponenten." Seit längerem dominiert in den Herrenkollektionen ein eleganterer Stil. Vieles ist körperbetont, kurz und tailliert. "Nach Chino und blauem Blazer sind derzeit Sakkos der große Renner", sagt Roetzel. "Egal ob mit farbigem Unterkragen, Ärmelflecken oder anderen kleinen Gags: Trotz aller Farben kann man damit immer eine gewisse Förmlichkeit bewahren."

Wenn alle Experten also zu kleidsamer Farbigkeit ermuntern und das Mode-Institut die neuen Männermode in ihrem Trendbericht als "Antidepressivum" gegen das alltägliche Grau-in-Grau annonciert, gibt es denn gar keine Grenze mehr? Wie viele Farben dürfen es denn allerhöchstens in einem Outfit sein, bevor man dann doch wie ein Papagei aussieht? "Theoretisch können Sie problemlos sechs Farben kombinieren, vom Hemd bis zur Tasche", findet Roetzel. Und Möller-Thomkins meint: "Es gibt keine Regel, die Grenze muss jeder für sich selbst bestimmen." Er ist sich sicher: "Der Mann war niemals modischer als heute."

Gian-Philip Andreas, dpa
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