Dienstag, 25. Februar 2020

Businessmode Bloß nicht bügelfrei

Businessmode: Zwölf Tipps für die wichtigsten Anlässe
Corbis

Mausgraue Krawatten und bügelfreie Hemden sind ein No-go im Geschäftsleben. Wie man durch die richtige Farbwahl einen erstklassigen Alphatierauftritt hinlegt oder im Kontakt mit der Belegschaft glaubwürdig erscheint, erläutert Kleidungsexpertin Ulrike Mayer im Interview mit manager magazin.

mm: Frau Mayer, kann die falsche Krawatte der Karriere schaden?

Mayer: Nein. Aber wenn Sie andauernd am falschen Ort zur falschen Zeit die falsche Krawatte tragen, fördert sie sie sicher auch nicht. Es ist doch so: Um voranzukommen, brauchen Sie Stil und Klasse. Beides definiert sich durch Symbole, durch Farben und Formen. Nehmen Sie den amerikanischen Präsidenten: Wenn er etwas Wichtiges zu sagen hat, wird man Barack Obama nie mit einer grauen Krawatte sehen.

mm: Ist Obama derzeit wirklich ein Vorbild für erfolgreiche Außenauftritte?

Mayer: Eine Krawatte beschwichtigt nie einen ganzen Kongress. Das ist klar. Aber Obamas Kleidungsstil ist ein gutes Beispiel für eine in sich stimmige nonverbale Kommunikation. Er strahlt Kompetenz über Kleidungssymbolik aus, spielt mit Hell-dunkel-Kontrasten, akzentuiert die Dynamik der Macht mit Rot.

mm: Und wie halten es deutsche Führungspersönlichkeiten?

Mayer: Wir haben nicht sehr viele Personen des öffentlichen Lebens, die das Thema Kleidung wirklich professionell angehen. Führungskräfte achten meiner Meinung nach zu wenig auf die Außenwirkung Ihrer Kleidung und beherrschen zu wenig den Grundwortschatz der Kleidung.

mm: Viele Manager tragen gar keine Krawatte mehr.

Mayer: Manche Unternehmen legen fest, dass es keinen Krawattenzwang mehr gibt. Wenn das Bestandteil der Firmenkultur ist, ist das auch kein Problem. Eigentlich. Wenn man allerdings superleger unterwegs ist, kann man unter Umständen trotzdem Probleme bekommen. Kleidung ist wie Manieren - sie hat etwas mit Wertschätzung zu tun.

Natürlich kann man beobachten, dass es im Geschäftsleben insgesamt lässiger geworden ist. Man bekommt sogar E-Mails mit durchgehender Kleinschreibung oder sogar Tippfehlern. Bei der Kleidung hat es sich auch eingeschlichen, dass die Regeln nicht mehr so ernst genommen werden. Aber wer gepflegt und mit Krawatte kommt, signalisiert Wertschätzung. Und wenn Sie ganz nach oben wollen, lernen Sie schnell: Da gibt es einen Kodex, der unumstößlich ist, immer noch.

mm: Die Schweizer UBS-Bank hat ihren Angestellten einen 44 Seiten dicken Kleidungskodex verordnet, der alles genau festlegt - die Häufigkeit der Friseurbesuche, die Farbe der Unterwäsche, und dass man seine Schuhe gefälligst mit dem Schuhlöffel anzuziehen hat. Man kann des Guten doch wohl auch zu viel tun, oder?

Mayer: Ein solcher Kodex ist natürlich schon ein Auswuchs in die Perfektion. Aber über den Dresscode kann man tatsächlich seitenweise Regeln schreiben. Man muss sie allerdings so formulieren, dass der Mitarbeiter merkt, dass diese Regeln ihm helfen und nutzen. Um eine Regel zu brechen, muss man sie ja zuallererst kennen.

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