Freitag, 19. April 2019

Stilberatung Männersachen

Anzüge müssen keine Uniformen sein, meint der Stilberater Andreas Rose. Wer im Heer der anderen Anzugträger positiv auffallen will, sollte vor allem auf Details achten - Schuhe, Gürtel, Uhren und Krawatten.

Der Anzug ist die Arbeitskleidung des Mannes. Aber muss er deshalb zur Uniform werden? Nein! Die Art, wie der Anzug getragen wird und welche Accessoires dazu kombiniert werden, macht den Unterschied und lässt genügend individuellen Spielraum. Fangen wir unten an:

Never brown in town: Diese Regel gilt so rigide nicht mehr
Der Schuh. Unterschätzen Sie niemals die subtile Wirkung eines Herrenschuhs! Im Geschäftsallltag sollte die Fußbekleidung bequem, elegant und wertig sein. Der passende Herrenschuh unterstreicht das Outfit, stiehlt ihm aber nicht die Show. Andersherum kann ein abgetragener und billig aussehender Schuh selbst einen Brioni-Anzug schäbig wirken lassen.

Zum feinen Zwirn passt zum Beispiel ein aus feinstem Boxkalbleder gearbeiteter Oxfordschuh, rahmengenäht und im neutralen Schwarz. Wer es lieber eine Nuance derber mag, sollte Pferdeleder bei einem Full Brogue, erkennbar am eleganten Lochmuster, wählen.

Feintuning: Der Gürtel sollte immer zu den Schuhen passen
Feintuning: Der Gürtel sollte immer zu den Schuhen passen
Der Gürtel. Er bildet im Idealfall eine Einheit mit dem Schuhwerk und sollte sowohl farblich als auch vom Material her aufeinander abgestimmt sein. Brauner Gürtel, schwarzer Schuh? Geht gar nicht. Krokoleder um Taille und am Fuß ist einmal Kroko zu viel. Zum Anzug getragen sollte der Gürtel nicht breiter als 3,5 Zentimeter sein. Wer über eine schlanke Silhouette verfügt, kann auch mal zur auffälligeren Logoschnalle greifen, etwa zum dunkelblauen Dreiknopf-Einreiher einen edlen braunen Gürtel mit goldener Schließe. Ansonsten sieht eine dezente Schnalle mit Silber und Palladiumauflage elegant aus.

Immer ein Statement: Mit einer Uhr zeigt man auch im Anzug, ob man lieber als feinsinniger Ästhet oder als Sportler gesehen wird
Die Uhr. Eine kostspielige Uhr vereint technische Raffinesse, zeitloses Design, Tradition und Luxus. Sie ist das Statussymbol, ein echtes männliches Schmuckstück. Die Uhr unterstreicht elegant und edel den Stil und die Persönlichkeit des Trägers.

Und sie setzt durchaus ein Statement: Ist der Träger sportiv, tendiert er eher zu einem Chronometer, mit dem er nicht nur auf dem Businessparkett bewundernde Blicke erntet, sondern zu einer Uhr, die gleichzeitig Bestandteil seiner Tauchausrüstung ist.

Technikbegeisterte lieben es, einen Blick auf die kunstvoll gearbeitete Feinmechanik werfen zu können, und Puristen verzichten auf technische Spielereien und investieren lieber in ein ultraflaches Stück mit Stunden- und Minutenanzeiger, vielleicht noch mit einem Sekundenanzeiger. Dicke Protzteile in Gelbgold sind passé. Sie passen höchstens zu einem lässigen Freizeit-Look, zu Jeans und T-Shirt und sind ohne weitere Schmückstücke zu tragen.

Immer von groß nach klein: Zur Krawatte sollte man erst greifen, wenn Anzug und Hemd ausgewählt sind
Andreas Rose Style
Immer von groß nach klein: Zur Krawatte sollte man erst greifen, wenn Anzug und Hemd ausgewählt sind
Die Krawatte. Auch wenn sie ein fester Bestandteil eines Businessoutfits ist, wird mit keinem anderen Accessoire so eindeutig und offensichtlich die Persönlichkeit und Stimmung des Trägers ausgedrückt. Die Krawatte steht für Verantwortung, Ästhetik und für Seriosität. In hellen Tönen und aus leichtem Seidentwill für den Sommer oder aus schwerer Seide, Wolle- oder Seidenstrick in gedeckten Tönen für den Winter, setzt sie einen farblichen Akzent. Waren die Krawatten in den letzten Jahren eher schmal geschnitten, geht der Trend wieder zu etwas breiteren Formen.

Wichtig bei der Auswahl der passenden Krawatte ist, dass man bei der Kombination von groß nach klein geht. Das bedeutet, erst den Anzug auswählen, danach das Hemd und schließlich die Krawatte. Bei einem dunkelgrauen Anzug, einem hellblauen Hemd hat man bei der Musterung und der Farbwahl des Binders relativ freie Hand. Generell aber bei der Musterung nicht wild loslegen, sondern gemustert mit ungemustert und klein gemustert mit groß gemustert kombinieren.

Stilberater: Andreas Rose
Andreas Rose Style Coaching
Stilberater: Andreas Rose
Entscheiden Sie sich für einen Nadelstreifenanzug, dann sollten Sie in jedem Fall ein ungemustertes Hemd und einen unifarbenen Binder wählen, da der Nadelstreifen des Anzugs als Muster dominiert. Ist der Abstand der Nadelstreifen aber kleiner als ein Zentimeter, dann passt hierzu ein großgemustertes Hemd, zum Beispiel Streifen mit mindestens drei Zentimeter Abstand oder ein weiteres Gitterkaro. Hierzu sieht am besten eine unifarbene Krawatte aus. Wer sich bei diesem Look etwas um den Hals legen will, dann einen lockeren Seide-Kaschmirschal. Binder mit vermeintlich lustigen Tiermotiven oder Comicfiguren sind noch nicht mal an Karneval witzig und Krawatten mit Firmenlogo nur auf Messen tragbar.

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