Montag, 22. Juli 2019

Fashion Week Berlin Vision contra Wirklichkeit

2. Teil: Avantgarde versus Kommerz

Die in der Nationalgalerie präsentierte "Joop!"-Kollektion wird die letzte von Creative Director Dirk Schönberger sein, der es in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich geschafft hatte, dem Label wieder Relevanz zu verschaffen. Jetzt verlässt er das Unternehmen und will sich demnächst einer eigenen Kollektion widmen. Mehr sagt er nicht, Interviews sind vor der Show nicht erwünscht - die Branche tratscht über die wirklichen Beweggründe. War Schönberger zu avantgardistisch für die konservative Holy-Group, zu der außerdem die Labels "Tommy Hilfinger", "Strellson" und "Windsor" gehören? Haben sich seine Kollektionen nicht gut genug verkauft? Es heißt, der "Joop!"-Stil soll in Zukunft weniger puristisch, dafür aber "glamouröser" und "sexy", also kommerzieller werden. Kein Impuls, der die Modeszene freut.

Am Donnerstag präsentiert dann Hugo Boss seine elegante Linie "Black" im "Hamburger Bahnhof". Wie immer wird vorab mehr über die Aftershow-Party und die zu erwartenden Stars spekuliert als über die Mode selber. Schließlich braucht die Weltmarke aus Metzingen keine Kosten zu scheuen, um Celebrities - bevorzugt solche, die als Werbeträger für das Label fungieren - aus der ganzen Welt einzufliegen.

Abgesehen von kommerziellen Marken wie "Schumacher", "Rena Lange" und "Strenesse" fehlen in Berlin zwar immer noch die internationalen Designer, dafür werden die Kreationen von jungen Labels wie "Penkov", "Mongrels in Common" und die erste Kollektion des ehemaligen "Chanel"-Models Stine Goya zu sehen sein.

Erst Michalsky, dann Spandau Ballett

Sein eigenes Ding macht dieses Mal Berlins Modezampano Michael Michalsky. Der Ex-Adidas-Mann hatte anfangs noch im Fashionzelt gezeigt. Nun veranstaltet er im Friedrichstadtpalast die "Michalsky Style Night" nach dem Überraschungsei-Prinzip: drei Fashionshows in einer Location.

Den Abend eröffnet das Berliner Erfolgslabel "Lala Berlin" mit neuen Strick- und Kaschmir-Kreationen. Anschließend zeigen "Kaviar Gauche" ihre Herbst- und Winterkollektion 2011 - zwei Designerlabels, die nicht nur tolle Mode machen, sondern auch gut verkaufen. Schade nur, dass jetzt beide Namen auf dem Schauenplan im Fashion-Zelt fehlen. Sie wären eine Bereicherung gewesen.

Last but not least - bevor Spandau Ballett live spielt - zeigt Michalsky selber im Friedrichstadtpalast. Der Designer ist sich übrigens sicher, dass die Hauptstadt auf dem richtigen Weg ist: "Ich glaube, Berlin wird irgendwann in einem Atemzug mit Mailand und Paris genannt werden. In fünf Jahren gehört Berlin zum Grand Slam der Fashion-Städte dazu." Der Mann hat Visionen, richtig so.

Schon jetzt davon zu sprechen, dass die deutsche Hauptstadt sich unter den großen Locations im Modegeschäft etabliert hat, wäre sicher verfrüht. Vielleicht passt dieses Wort auch gar nicht zu einer Stadt wie Berlin, wo die Nebenschauplätze schon immer interessanter waren als der Hauptakt.

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