Fashion Week Berlin Hänger im Hangar

Justin Timberlake inszeniert seine Allüren, Pelzgegner versuchen, eine Escada-Party zu stören, die Lokalpolitik ereifert sich über Mietverträge - die Fashion Week macht die Hauptstadt zum Laufsteg der Eitelkeiten. 33 Schauen und der neue Messetrubel im alten Flughafen Tempelhof inszenieren Mode als Ereignis.

Berlin - Ein überdimensionaler Ventilator, dröhnende Bässe und helle Farben haben am Donnerstagabend die Modenschau von Boss Orange bei der Berliner Fashion Week geprägt. Chef-Designer Eyan Allen zeigte überwiegend cremefarbene und leichte Stoffe. Viele Models präsentierten fließende Jacketts und luftige Blousons, einige mit Kapuze und Reißverschluss. Wallende Röcke aus Seide mit breiten, in der Taille gebundenen Gürteln, gehören ebenfalls zur Kollektion. Farblich wählte Allen viel Hellblau, Rosa und Beige. Auch knallpinke oder glitzernde Röcke, weite Hosen und leichte Blusen wurden von den Models gezeigt. Die Männer trugen viel Grau und Beige, oftmals legere Strickjacken und Jeans.

Neben rund 1200 Gästen war auch viel Prominenz in der Industriehalle zu sehen. Supermodel Eva Padberg amüsierte sich genauso wie Katja Riemann und Tochter Paula. Gekommen waren auch Schauspieler Matthias Schweighöfer, Jessica Schwarz und die Hollywood-Mimen Adrien Brody sowie Sienna Miller. Auch bei der parallel laufenden Messe Bread & Butter gab es Prominenz zu sehen - missmutig und leicht genervt ließ sich der 28 Jahre alte US-Popstar Justin Timberlake am Mittwochabend aber nur kurz blicken. Die Präsentation seines Modelabels "William Rast" wurde eher zur Undercover-Modenschau: In dem dämmerigen, ehemaligen Offizierskasino des stillgelegten Flughafens Tempelhof mischten sich die Models so unauffällig unter die Gäste, dass nur das sehr geübte Auge die Träger von Timberlakes Jeansmode erkennen konnte.

Mehr Glanz gab es da zeitgleich bei der Escada-Party im Bode-Museum auf der Museumsinsel. Für den Promifaktor beim angeschlagenen Modeunternehmen sorgten Schauspielerin Diane Kruger, Model Nadja Auermann und Designer Wolfgang Joop. Keinen Einlass fand eine Gruppe von Pelzgegnern, die das Museum stürmen wollte. "Ich komme hierher, um Herrn Sälzer meine Solidarität zu zeigen", sagte Joop. Er selbst ist bei seiner Modewochenpremiere mit einer Präsentation in seiner Wunderkind-Boutique vertreten. Seine neue Kollektion stellt er aber nicht in Berlin vor, sondern in Paris. "Da macht man gesellschaftlich Relevantes."

Escada, heute geleitet von Bruno Sälzer, hatte seine große Zeit in den 80er Jahren - genau in der Zeit, die Timberlakes Label "William Rast" erfolgreich als Inspirationsquelle gebraucht: Die lässigen Outfits zeigen starke Schultern und schmale Silhouetten bei Frauen wie Männern. Die wichtigste Farbe ist Indigo-Blau. Nicht totzukriegen sind schwarze Totenköpfe auf weißen T-Shirts - selbst Bademäntel werden mit dem Knochenschmuck versehen.

Weißwürste und Latte Macchiato

Bei der Bread & Butter, die noch bis zum heutigen Freitagabend läuft, geht es überhaupt ziemlich ungezwungen zu. "Ich fühl' mich gut, ich steh' auf Berlin", dröhnt der alte Hit von Ideal über das Rollfeld. In den Hangars posieren Models in Kätzchenunterwäsche, eine Armee von Gartenzwergen ziert einen Stand. Beim Label Ed Hardy lassen sich Besucher mit einem schwarzen Lamborghini fotografieren. Draußen am Rollfeld servieren Kellnerinnen in Trachten Weißwürste und Latte Macchiato im "Kaiser Beer Garden".

Die Bread & Butter ist etwas für Leute, die eigentlich lieber in Clubs als auf Messen gehen. Etwa 80.000 Besucher und 550 Aussteller aus aller Welt sind dabei, darunter Levi's, Replay, Woolrich, Birkenstock, Bench, Converse und G-Star. In "Streetwear" gilt die Messe als führend. "Wir mögen es sehr", sagt Raquel Ribeiro vom portugiesischen Jeanshersteller Salsa über den neuen Ort der Messe. "Sehr harmonisch und international", lautet das Urteil bei Adidas. Beim Label Blutsgeschwister ist leise Kritik zu hören. "Ich finde es zu groß", sagt Designerin Karin Ziegler. Bei einem Rundgang durch die Hangars kann man mehrere Kilometer zurücklegen.

Um die dreitägige Bread & Butter gab es viel Streit, weil sie den seit Herbst stillgelegten Flughafen über zehn Jahre zwei Mal jährlich nutzen darf. Andere Tempelhof-Interessenten sehen sich benachteiligt. Derzeit will die Berliner CDU den Senat per Gericht verpflichten, den Mietvertrag offenzulegen.

Während die Messe mehr etwas für Einkäufer ist, schauen die Modekritiker bei der noch bis zum Wochenende laufenden Fashion Week auf dem Bebelplatz ganz genau hin. 33 Laufstegschauen stehen auf dem Programm, so viele wie noch nie: Michael Michalsky, Boss Orange, Kaviar Gauche, Lala Berlin, Custo Barcelona und Strenesse sind darunter.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx

Fashion Week Berlin: Hauptstadtmode in Bildern

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.