Krawatten Erdnüsse und Granit

Krawatten aus Kunstrasen, aus Erdnüssen, aus Dollarscheinen und aus Metall - dem Erfindungsreichtum für den Streifen am Hals sind, wie eine Ausstellung im rheinischen Zons zeigt, keine Grenzen gesetzt.

Zons - 85 Möglichkeiten, so haben Physiker errechnet, gibt es, eine Krawatte zu knoten. Der normale Mann kennt in der Regel gerade mal einen, mit dem er sich häufig auch noch ziemlich abmüht. Mal sitzt er zu eng am Hals, dann ist er zu klein oder schief. Letzter Ausweg: Den einmal perfekt gebundenen Knoten einfach so lassen, den Kopf abends aus der Schlinge ziehen und die Krawatte mit fertigem Knoten morgens wieder über den Kopf streifen.

Eine Ausstellung im Kreismuseum im rheinischen Zons  mit dem Titel "Kulturstrick" gewährt noch bis zum 5. Juli Einblicke in die Geschichte der Krawatte und der Krawattennadel, in die Kunst des Knotens und des Designs. Ursprung der Schau ist ein Wettbewerb des Handwerksmuseums im niederbayerischen Deggendorf: 174 witzige, schräge, aber auch zeitlose und elegante Krawatten und 151 Krawattennadeln wurden ausgewählt.

Es muss dabei nicht immer nur Seide sein. Rosa Schweine auf Filz, Kunstrasen, Dollarscheine und Erdnüsse ("Peanuts") für die Banker-Krawatte, Papier, Plastik, gehäkelter Draht, Mode-Etiketten, Reißverschluss, Wollfäden oder Granit - die Fantasie kennt kaum Grenzen. Manche Designs sind kaum noch als Krawatte zu erkennen, etwa ein rot-orange-farbener Halsreifen aus Acryl oder ein verbogener dünner Metallkleiderbügel. Wer sich so seltsame Dinge um den Hals legen will, ist eine andere Frage.

Zivilisationsleine und männliche Inspiration

Schon die chinesischen Tonkrieger des 3. Jahrhunderts v. Chr. trugen einen geknoteten Schal um den Hals. Im 17. Jahrhundert gehörte ein Halstuch zur Uniform der kroatischen Kavallerie, die im 30-jährigen Krieg auf Seiten des französischen Königs kämpfte. Angeblich war dies der Auslöser für den Siegeszug der Krawatte. Umstritten ist, ob das französische Wort "cravate" von "croate" abzuleiten ist.

In den 1940er Jahren kamen Krawatten mit vorgefertigten Knoten für feinmotorisch weniger begabte Männer auf den Markt. In den 50er Jahren trugen die Halbstarken die schmale Westernkrawatte. Im sozialistischen Einheitsregime in den 60er Jahren der DDR scheute man ebenso wenig grelle Farben wie im Westen; bei der 68er-Generation war die Krawatte als "Zivilisationsleine" und Symbol des Spießertums verpönt.

"Der Mann ist so viel wert wie seine Krawatte, denn die Krawatte - das ist er selbst", resümiert der französische Schriftsteller Honoré de Balzac unter Pseudonym 1828 in dem Bestseller "Die Kunst des Krawattenbindens". Um einen Mann zu beurteilen, reiche ein Blick auf den Binder. Das Traktat endet für viele Männer ernüchternd: "Die Kunst des Krawattenbindens erlernt sich nicht, sie erfordert Instinkt und Inspiration."

Dorothea Hülsmeier, dpa

Schräge Binder: Die schrillsten Krawatten in Bildern

Mehr lesen über Verwandte Artikel