Fahrradkleidung Trocken und warm

Wer im Herbst trotz Wind und Regen nicht aufs Fahrradfahren verzichten will, sollte sich gut rüsten. Bei der richtigen Ausrüstung stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass man nicht nur trocken bleibt, sondern auch noch ganz akzeptabel aussieht.

Bremen/Leipzig - Das Fahrrad wird immer beliebter - kein Wunder angesichts der hohen Spritpreise. Viele verzichten auf das Auto und legen kürzere Strecken auf zwei Rädern zurück. Doch auch als Freizeitsport setzt sich Radfahren immer mehr durch. Für überzeugte Radfahrer kommt es deshalb nicht infrage, den Drahtesel in der trüben Jahreszeit in den Keller zu stellen. Damit sie auch bei Regen und Wind auf den Sattel steigen können, schauen sich viele im Herbst eher nach funktionstüchtiger Kleidung um - hier gibt es jedoch große Unterschiede.

"Der Jackentyp hängt von der Strecke ab, die man fahren will", sagt Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen. Grundsätzlich habe sich der Radfahrer zwischen einer wasserdichten Beschichtung und einer Membran-Oberfläche zu entscheiden. Eine einfache Regenbeschichtung eigne sich für regelmäßige kurze Strecken - "ansonsten wird dem Radfahrer zu warm." Für längere Etappen greife er besser auf eine Jacke mit Membran-Verarbeitung zurück.

Membranen sind wasserdicht und atmungsaktiv, erklärt Dieter Knape vom TÜV in Leipzig. "Wärme und Feuchtigkeit werden nach außen geleitet." Das sei besonders für aktivere Radfahrer wichtig. Kühlt der Schweiß auf der Haut ab, drohe bei niedrigen Temperaturen schnell eine Erkältung. "Unter total beschichteten Jacken schwitzt man extrem." Ist das Material nicht atmungsaktiv, könne der Wasserdampf nicht nach außen entweichen.

Wie wasserdicht Textilien wirklich sind, lässt sich durch die Druckdichte angeben. "Die sollte für Jacken bei 1300 Millimetern liegen", rät der TÜV-Experte. Das bedeute, dass die Oberfläche den Druck einer entsprechend hohen Wassersäule mit einem Meter Durchmesser aushält.

Laut ADFC müsse man bei Regenhosen aber deutlich höher gehen - bis zu 5000 Millimeter, weil das Wasser sonst vom Sattel hochzieht. Ob man sich eine solche Hose anschafft, sei aber eine Sache des Komforts, sagt Bettina Cibulski: "Regenhosen erzeugen bei manchen ein klammes Gefühl." Sie eigneten sich besonders für längere Radtouren, nicht aber für sportliche Fahrer.

Doch egal, ob Jacke oder Hose - "gutes Oberflächenmaterial nützt nichts, wenn die Nähte schlecht sind", sagt Dieter Knape. Dort dringe am leichtesten Wasser ein. Verschweißte oder abgedeckte Nähte schafften Abhilfe. Die Verarbeitung der Reißverschlüsse und Nähte könne der Käufer im Laden testen. "Wenn er die Jacke Probe trägt und sich beugt und streckt, bemerkt er schnell, wenn die Nähte schlecht verarbeitet sind."

Keine Kompromisse

Keine Kompromisse

Bei den unterschiedlichen Herstellern kommen viele durcheinander. Eine gute Beratung sei hier unabdingbar, sagt Cibulski. "Am besten sind Sportgeschäfte und Outdoor-Läden." Bei den bekannten Herstellern wie Goretex und Sympatex könne der Hobby-Radfahrer aber darauf vertrauen, dass die Produkte gut sind - die kosten allerdings auch mehr. Wer viel fährt, solle hier aber keine Abstriche machen. "Alltagsfahrer werden sonst auf Dauer nicht glücklich."

Wer wirklich nur ab und zu auf den Sattel steigt, könne auch auf eine günstige Regenjacke aus dem Supermarkt zurückgreifen, erklärt Otto Kunkel vom Hessischen Radfahrerverband in Frankfurt am Main.

Generell trage der Radfahrer am besten mehrere leichte Kleidungsschichten. Der Vizepräsident für den Fachausschuss Breitensport rät, ein Schwitzhemd aus Funktionsfaser unter die Jacke zu ziehen. Kleidung aus Baumwolle sei ungeeignet, weil sie den Schweiß nur aufsaugt und auf der Haut klebt.

Umfassenden Regenschutz bieten auch großflächige Regen-Capes, die Beine und Arme abdecken. "Gerade im Herbst sind die Capes bei Wind sehr flatterig", sagt Bettina Cibulski. Bei sportlichen Radfahrern schränkten sie außerdem stark die Bewegungsfreiheit ein. Wirklich nützlich sei hingegen ein wasserdichter Überzug für den Helm, um den Kopf vor Regen zu schützen, empfiehlt Otto Kunkel.

Wassersäule und Wasserdampfdurchlass

Wer gesehen werden will, macht am besten mit Reflektoren auf sich aufmerksam. "Sie sollten der Norm EN 13356 für hochsichtbares Warnzubehör im nicht-professionellen Bereich entsprechen", sagt Dieter Knape. Viele Reflektoren seien aber zu klein. Klapparmbänder für das Handgelenk werfen das Licht der Autoscheinwerfer zurück - und seien damit optimal. So kommt der Radfahrer durch richtige Bekleidung nicht nur trocken, sondern auch sicher durch den Herbst.

Die Wasserdichte wird in Druckdichte angegeben. Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen ist ein Gewebe nach DIN Norm 8310 wasserdicht, wenn es eine Wassersäule (WS) von 1300 Millimetern aushält. Beim Test drückt die Säule mit einem Meter Durchmesser zwei Minuten auf das Material. Der Wasserdampf-Durchlass wird mit der Moisture Vapor Transmission Rate (MVTR) bemessen. Sie gibt an, welche Wassermenge in 24 Stunden durch einen Quadratmeter Stoff verdunstet.

Philipp Laage, dpa

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