Freitag, 19. April 2019

Modestadt Berlin Brodelnder Zeitgeist

2. Teil: Modisches Bermuda-Dreieck

Modisches Bermuda-Dreieck

Allein zu Messen wie der Berlin Fashion Week kommen tausende Fachbesucher in die Spreemetropole. Daher wird in Berlin nicht nur Mode kreiert, sondern sogar kräftig verkauft. Das merken auch Touristen. Lange suchen müssen sie nicht, denn selbst große, renommierte Läden haben die junge Berliner Mode für sich entdeckt: In der Friedrichstraße in den Galeries Lafayette beispielsweise, dem teuer funkelnden Ableger des großen feudalen Mutterhauses in Paris, gibt es eine Ecke nur für Jungdesigner.

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DDP
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Unter dem Label "Berlinomat" finden Besucher in der obersten Etage zwischen schwarz glänzenden Lackwänden den neuesten Schrei verschiedener Designer an Gürteln, Handtaschen, Hemden und Abendgarderobe. Den größten Fundus bietet aber das Areal um die Hackeschen Höfe. Während viele Touristen einfach staunend durch die Hinterhöfe bummeln, können modebewusste Besucher Kleidung finden, die zu Hause kein anderer hat. "Die Gegend ist ein modisches Bermuda-Dreieck", erklärt Autorin Barth.

Tatsächlich bilden die Neue und Alte Schönhauser Straße, die Mulack- und die Rosenthaler Straße auf dem Stadtplan die drei Seiten eines gut zu erkundenden Dreiecks. Als Ausgangspunkt nimmt man dafür am besten die Hackeschen Höfe selbst. Kurz hinter dem Kino liegt in einem Hinterhof der Laden "Berlinerklamotten". Dort gibt es aber nicht nur Waren eines einzelnen Designers. Stattdessen bieten im Untergeschoss des fabrikähnlichen Hauses rund 140 Modemacher ihre Waren an.

Auf jedem Tisch, an jeder Kleidungsstange hängen die Ideen eines anderen: Glänzende, an Kinderbücher erinnernde Umhängetaschen, T-Shirts mit filigranen Motiven der Großstadt, lässig-weite Wolljacken und bunt-gemusterte Oberhemden. Mit rund 40 Euro für ein ausgefallenes Oberteil oder 120 Euro für ein seltenes Hosen-Exemplar sind die Preise dabei sogar noch halbwegs moderat.

Handgestrickte Handwärmer

Wer in der Stimmung für einen ausgedehnten Modebummel ist, biegt rechts in die Neue Schönhauser Straße ab, schlendert über die Alte Schönhauser Straße an Dutzenden Szeneläden vorbei und biegt nach einiger Zeit links in die Mulackstraße ab. Auch hier reiht sich ein Modegeschäft junger Designer ans andere: Bei "Bless" werden die Kollektionen wie Kunstprodukte durchnummeriert, bei "Van Reimersdahl" gibt es Bedrucktes, und "LaLa Berlin" strickt Mützen, Schals und Handwärmer.

Irgendwann geht dann links die Rosenthaler Straße ab, die das Bermuda-Dreieck beschließt. Wem das aber noch immer nicht genug ist, der kann Berlin weiter nach modischen Innovationen durchforsten: In den direkten Nebenstraßen gibt es weitere Läden wie "IC! Berlin" mit seinen Sonnenbrillen in der Max-Beer-Straße oder die international bekannten Hüte von "Fiona Bennett" in der Großen Hamburger Straße.

Doch auch in den anderen Bezirken - im Osten wie im Westen der Stadt - finden sich immer wieder Beweise für die Kreativität der jungen Modestadt. Die zeigt sich auch nachts in den zahlreichen Clubs. Wie die Stadt selber ist zwar auch diese Szene ständig im Wandel. Welcher Club gerade angesagt ist, wechselt daher alle paar Wochen. Doch in den Modeläden liegen neben Klamotten auch Flyer mit Tipps für die neuesten Hotspots. So kann man selbst nach Ladenschluss noch die aktuelle Berliner Mode bewundern.

Aliki Nassoufis, dpa

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