Alta Moda Luxus und Low-Cost

Auf der Alta Moda in Rom zelebriert die Elite der Haute Couture sich selbst. In diesem Jahr ist raffinierte Eleganz Trumpf - und Edelschneider Guillermo Mariotto von Gattinoni provoziert mit "Demi Couture": Kleidern zum Schnäppchenpreis von 4000 statt 30.000 Euro.

Rom - Witz und Eleganz für den Tag, "Rokoko" für den Abend: Mit strassbesetzten Satin-Overalls, schmalen Kaschmirjacken und Kleidern im Stil der großen Kurtisanen des 18. Jahrhunderts hat der Modeschöpfer Renato Balestra bei den Alta-Moda-Tagen in Rom seine weiblichen Fans begeistert.

Sein Farbvorschlag für den kommenden Winter: "Tea Rose", ein zartes Baby-Rosa. Abschließender Höhepunkt des Defilées in den prächtigen Hallen des Santo Spirito in Sassia war dann eine Brautkleidversion unter einem gewaltigen Federumhang statt eines Schleiers. "Bei der Alta Moda spare ich mit nichts", erklärte der Couturier lächelnd am Mittwochabend am Ende seiner Schau.

Doch aller Prunk konnte über die Probleme und schwelenden Polemiken der Modewoche nicht hinwegtäuschen. Stardesignerin Raffaella Curiel - seit 25 Jahren in Rom mit dabei - machte vor versammelter Presse und noch auf dem Laufsteg ihrem Ärger Luft. "Dies ist eine typisch italienische Veranstaltung fünfter Klasse", erklärte die Stilistin wütend. Die Veranstalter hatten für Mittwoch einen wichtigen Termin gleichzeitig mit ihrer Präsentation aufs Programm gesetzt, so dass die edlen Hallen zur veranschlagten Uhrzeit noch gähnend leer waren. Eine schlecht funktionierende Klimaanlage tat bei Temperaturen von 35 Grad ein Übriges.

Das Publikum ließ sich die Freude allerdings nicht verderben. Kostbare Kreationen im Empire-Stil, meterlange Stoffbahnen, glitzernde Swarovski-Kristalle, Schichten von duftigem Organza - bei Tony Wards Defilee im Namen Auroras, der Göttin der Morgenröte, wurde an nichts gespart. Seine Hymne an die göttliche Weiblichkeit erntete bei den Couture-Schauen der Alta Moda in Rom rauschenden Beifall.

Guillermo Mariotto für Gattinoni hatte sein Publikum mit einer Kollektion im Zeichen der Spiritualität begeistert: "Der Mensch braucht den Glauben an einen Gott, der keine Grenzen und Religionen kennt", erläuterte der Italo-Venezolaner seine Schau und ließ bei seinem Defilee Multi-Kulti-Models über den Catwalk spazieren, darunter zwei dunkelhäutige Schönheiten und eine Asiatin.

Neben einem langen ärmellosen Kleid aus schwarzer Seide mit einem glitzernden Auge auf Brusthöhe, das laut Gattinoni das Symbol der Schau sein sollte, zeigte Mariotto märchenhafte Kurzmäntel und raffinierte Umhänge über eng anliegenden Seidenhosen. Ärmellose Blusen im Plissee-Look und Minikleider im Twiggy-Stil der 60er Jahre vollenden die Kollektion für Herbst/Winter 2008/2009. Für den Abend entzückte er mit großen Roben, vom prächtigen Brautkleid aus Chiffonseide bis zum Organza-Abendkleid in Bordeaux.

Demi Couture statt Haute Couture

Demi Couture statt Haute Couture

Bei seiner Farbenpalette standen Rot und Schwarz im Vordergrund. Als provokative Neuigkeit lancierte Gattinoni außerdem die "Demi Couture" - erschwinglichere Mode im Vergleich zur Haute Couture: So ist ein Teil von Mariottos 39 Kreationen schon für etwa 4000 anstatt für 25.000 bis 30.000 Euro zu haben.

Altmeister Fausto Sarli hatte am Sonntag mit einem Defilée edler Vintage-Mode den Auftakt der Alta-Moda-Tage gemacht. In den stimmungsvollen Hallen des "Santo Spirito in Sassia" im Schatten des Petersdoms bezauberte der Neapolitaner sein Publikum mit 42 Kreationen raffinierter Eleganz. Inspiriert vom Phänomen der Kornkreise zeigte er eng anliegende Abendroben, darunter ein röhrenförmiges Kleid aus schwarz-silbernen Kreisen aus Tüll.

Neben einer Hommage an die italienische Stilistin Mila Schön für ihre 50-jährige Karriere - Jacqueline Kennedy und Marella Agnelli gehörten zu ihren Stammkundinnen - stand am Montagabend mit der Schau von Gattinoni ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm. Die neue Kollektion des Modehauses sollte begleitet werden von den Schmuck-Kreationen der italienischen Modeschöpferin Grazia Borghese - darunter ein "Schmuck-Schal", aus Silberfäden und Edelsteinen. Als weitere Highlights der Modewoche standen noch die Schauen von Tony Ward, Raffaella Curiel und Renato Balestra auf dem Programm. Die Alta-Moda-Tage gehen am Freitag zu Ende.

manager-magazin.de mit Material von dpa

Üppiger Chic: Die Alta Moda in Bildern

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