Onlineshopping Edelmode im Einkaufsnetz

Ihr elitärer Anspruch ließ viele Edelmarken lange zögern, ihre Produkte über das Internet zu vertreiben - die noble Umgebung der luxuriösen Flagstores ist auf dem Bildschirm schließlich nicht zu erzeugen. Aber da die Kunden es so wollen, betätigen sich nun auch Häuser wie Gucci, Hermès, Dior und Vuitton als Onlineverkäufer.

Berlin - Gucci tut es, Hermès tut es und Dior sowieso. Ab sofort betätigt sich auch die Marke Louis Vuitton auf einer neu gestalteten Website in Deutschland als Onlineverkäufer der eigenen Produkte. Luxus und E-Commerce, das schien vor kurzer Zeit noch nicht zusammenzupassen. Viele Designerlabel taten sich schwer damit, selbst Shopping im Netz anzubieten. Sollte man wirklich den Beigeschmack von Exklusivität dem für Masse stehenden Internet opfern? Neue Käufer generieren, die sonst nicht den Weg in die Boutique finden, und dafür alte verlieren, die viel Geld ausgeben, um zu zeigen: "Ich war bei Vuitton in Paris oder Peking"?

"Wir sollten nicht einen elitären Anspruch an eine Marke damit verwechseln, dass man festlegen kann, wer einkaufen darf", entgegnete Philippe Schaus, Vize-Präsident von Louis Vuitton, bei der Präsentation der Webseite in Berlin all jenen, die fürchten, das elitäre Image einer Luxusmarke könnte unter E-Commerce leiden.

"Schließlich werden auch in unseren Läden die Verkäufer darauf geschult, alle gleich zu behandeln." Immerhin versucht Vuitton durch eine aufwändig gestaltete Website, auf der man sich etwa mit Steffi Graf auf eine virtuelle Shopping-Tour durch New York begeben kann, die beeindruckende Ladengestaltung des Hauses aufzunehmen. "Wir sehen die Online-Boutique in Deutschland als unser zwölftes Geschäft hier", meint Vuittons Deutschland-Chefin Gabriella Schnitzler.

Knappheit steigert das Begehren

Wer allerdings glaubt, im Netz schneller an die begehrte "It-Bag" der Saison zu kommen, wird enttäuscht. Klickt man etwa bei Vuitton auf Modelle der neuen Kult-Handtasche "Joke Bag" kommt meistens die Meldung "ausverkauft". Die berühmten Wartelisten können eben nicht umgangen werden. Und das ist wahrscheinlich auch besser so: Gerade bei Luxushäusern steigert die Knappheit das Begehren.

Auch Kleidung ist bei den Luxushäusern via Internet kaum zu bekommen. Vuitton bietet in Deutschland Taschen, Reisegepäck, Uhren, Sonnenbrillen oder Bücher, Hermès setzt auf Tücher, Schmuck, Lederwaren oder Parfum. Bei Gucci gibt es zudem noch Haustier- Accessoires. Auf der etwas verwirrend gestalteten Website von Dior findet man auch Schuhe und den leisen Schimmer Hoffnung, dass man auch die dort gezeigte Mode erwerben kann. Doch zumindest hierzulande erweist sich dies als trügerisch. Immerhin kann man über einen Klick in Kontakt mit einem Kundenberater treten, der bereit ist, das gewünschte Kleidungsstück via Boutique nach Hause zu senden.

Der Hauch des Besonderen

Der Hauch des Besonderen

Einige Luxusmarken wie Chanel oder Jil Sander haben noch keine eigene E-Commerce-Möglichkeit. Armani, Ralph Lauren und Bottega Veneta bieten Internetshopping bisher nur in den USA an. Dort gehört der Onlinekauf bei Luxusmarken zum Alltag.

Und das nicht nur in Gegenden fernab der Städte. "Bei einer Studie in den USA hat man festgestellt, dass etwa 50 Prozent der Leute, die bei uns im Internet kaufen, fast in Schrittweite eines unserer Geschäfte wohnten", erklärt Jean-Marc Gallot, Europachef von Vuitton.

Eine von "Welt Online" im vergangenen Jahr herausgegebene Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Luxusmarken das Internet noch zu zurückhaltend nutzen. Und das, obwohl gerade die kaufkräftigen Interessenten den neuen Medien besonders stark zugewandt seien. Der Kauf von Luxusmode erfolgt demnach meist in Luxuskaufhäusern. 59 Prozent der Befragten erwarben dort Designerkleidung, während nur 13 Prozent diese im Internet bestellten. Bei Handtaschen stieg der Onlineanteil immerhin auf 30 Prozent.

In Zeiten, in denen sich Modebegeisterte auf Seiten wie style.com alle Schauen der Saison schon im Internet angucken können, werden auch Luxusmarken kaum umhin kommen, bald auch Kleidung im Netz anzubieten. Auch wenn es vielleicht auf Kosten der Exklusivität geht. Das Haus Prada allerdings startete im vergangenen Jahr eine begrenzte Onlineauktion von erlesenen Vintagestücken. Und zeigte damit: Der Hauch des Besonderen ist auch im Netz zu haben.

(Internet: www.louisvuitton.de ; www.prada.com ; www.hermes.com ; www.dior.com ; www.gucci.com )

Stefanie Schütte, dpa

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