Mode Absolut pistentauglich

Skijacken müssen nach dem Einkehrschwung nicht mehr auf dem Dachboden verschwinden. Weiche Hightech-Materialien und eine neue, schlanke Silhouette lassen die Grenzen zwischen Winter- und Alltagsmode verwischen. Entsprechend edel fällt der Pistenauftritt diese Saison aus.

München/Heilbronn - Neben klassischer Eleganz hat vor allem die Streetwear den Kollektionen ihren Stempel aufgedrückt. "Es wird modischer denn je", hieß es denn auch bei der diesjährigen Wintersportmesse Ispo in München. Das Funktionale zum Beispiel der Jacken werde zunehmend unter einer glatten, einheitlichen Oberfläche verborgen. Immer weicher, leichter und edler würden die Materialien, ohne dass Modebewusste frieren müssen. So verwischen die Grenzen zwischen Pisten- und Alltagsmode immer mehr.

"Es ist sehr zurückhaltend und edel in der Optik", sagt Helmut Buchheimer, Zentraleinkäufer beim Wintersportausrüster SportScheck in Unterhaching bei München. Als "deutlich ruhiger" charakterisiert er den Trend in der Skimode. Kombiniert werde zum Beispiel Uni mit Uni, etwa eine schwarze Hose mit rotem Oberteil. "Struktur bekommen die Teile dann durch farbige Nähte, Paspeln, Applikationen."

Viele Jacken kommen im Military-Stil daher, sind aber häufig auch mit sportlichen Hinguckern versehen: Kapuzen und derbe Stoffe zitieren die Streetwear - eine Mischung, die gewollt ist. "Die Piste wird in den Alltag hineingetragen. Es ist ja so, dass ich eine Jacke für 299 Euro auch in der Stadt mal anziehen können will", sagt Buchheimer. Diesem Bedürfnis kommen die Hersteller jetzt mit unaufgeregten Designs und modernen Stoffen entgegen.

"Leichtigkeit ist gefragt", ergänzt Thomas Scheck, Einkaufschef bei Intersport Deutschland in Heilbronn. "Die Verarbeitungstechniken werden immer besser, es wird geschweißt und geklebt und weniger genäht." Dadurch werde die Schnittführung enger und körperbetont, die früheren Baggy-Formen würden durch schmale Silhouetten ersetzt.

"Ruhig und urban" seien auch die Farben: "Die breite Masse will einen citytauglichen Look, den sie auch abseits der Piste tragen kann." "Fischgrat, Tweed und Nadelstreifen" sind den Ispo-Veranstaltern zufolge die Trendmerkmale der aktuellen Saison in der Snowboardmode. Schwarz und Weiß seien die dominanten Farben, mancherorts sind Materialien klassischer Herrenanzüge vernäht - Ruhe und Klarheit dominieren, wie es der Trend aus der Mode abseits der Piste seit dem Herbst vorgibt.

Glatte Formen und eine lässige Umsetzung der neuen, leichten technischen Materialien findet sich bei der Skimode zum Beispiel in der Kollektion von Kjus in Cham in der Schweiz: Auf matten Oberflächen malen farbige Linien Abnäher und Protektoren nach und setzen bei den unifarbenen Jacken Akzente.

Ein ähnliches Design hat Schöffel aus Schwabmünchen bei Augsburg im Programm. Toni Sailer Sports in München setzt auf Daunen, Pelz und körperbetonte Schnitte für besonders Modebewusste. Im Kontrast zum eleganten Look finden sich vor allem in der Snowboardmode weiter flächige Drucke mit bunten Motiven und Camouflage-Optiken, etwa bei Ziener in Oberammergau, bei Chiemsee in Bernau und dem französischen Hersteller Rossignol. Auch Glanzeffekte sind für Ski- und Snowboard-Outfits ein Thema.

Dafür kommen die glatten Oberflächen von Daunenjacken und vereinzelte Metallic-Optiken ins Spiel, wie sie in der aktuellen Stadtmode gängig sind: "Üppigen Brokat und sanft schillernde Gold- und Silberstoffe" haben die Macher der Ispo beobachtet - die "Gold-Rush"-Linie von Bogner in München ist ein Beispiel dafür.

Sehr modisch, aber nicht so oft zu finden seien Fellkrägen, sagt Thomas Scheck. Außerdem würden Accessoires wie Caps, Schals, Tücher und Handschuhe nicht nur zum Wärmen immer wichtiger. Sie sollen auch helfen, den Look zu gestalten.

Thorsten Wiese, dpa

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