Mailänder Modewoche Farbe bekennen!

Der kommende Sommer wird bunt. Auf der Milano Moda Donna greifen viele Designer beherzt in die Farbpalette. Selbst Neon soll wieder getragen werden. Virtuos spielen die Modemacher mit Mustern, zitieren verschiedenste Kunstepochen und kreieren fantasievolle Drucke. Schönes Spiel!

Mailand - Gelb und Pink. Das sind die beiden Favoriten von Gucci. Die Kollektion des Traditionshauses aus Florenz zeigte sich optimistisch und dynamisch. Das Musterbild variiert zwischen schwarz-weißer Grafik und Blumen, die stilisiert schemenhaft oder knackig-frisch auftreten.

Frida Giannini, die Designerin der Marke kombiniert Lackblousons zum schwingenden Minikleid oder Biker-Jacken zu einer Hose, die oben leger und unten eng sitzt. Die kurzen Mäntel und Kleider erhalten viel Volumen, einige Tops eine üppige Schleife und auch am Einsatz von Stickereien und Drapierungen wird nicht gespart. Die Abendroben fallen bodenlang, wobei ein breiter Gürtel die Stofffülle bändigt oder in einer Variation des Themas als Träger auftritt.

Auch bei Mailands führender Trendsetterin Miuccia Prada geht es fantasievoll zu. In ihrer Show dominierte die Lust am Spiel mit Formen, Farben und Mustern. Floral bedruckte Seidenkombinationen aus Bluse und schmaler Hose erinnern vage an Pyjamas. Die Kurzarmkleider werden seitlich geknöpft, Ärmel und Dekolleté sind geometrisch ausgeschnitten. Strick ist ein großes Thema. Dabei kombiniert die Designerin lange Shirts mit Schlaghosen. Ihre Rockformen schwingen zuweilen in opulenter Weite.

Sanft und kräftig

Blau die Farbe des Meeres und des Himmels. Sie prägt die Mode im Frühjahr/Sommer 2008 bei Salvatore Ferragamo. Doch es gibt auch feuriges Rot und zartere Aprikosen- und Pfirsich-Töne. Lange Hemdblusenkleider werden mit einem breiten Gürtel fixiert. Beim Hosenanzug ersetzt eine Weste das Sakko. Overalls gibt es aus bronzefarbenen Pailletten mit Fledermausärmeln, Kaftans aus besticktem Organza. Die Farben der Armreifen greifen das Streifenmuster einiger Kleider wieder auf. Tuniken erhalten Stickereien am Halssauschnitt und Armloch.

Kräftige Farben erwartet man eigentlich auch von Roberto Cavalli. Doch Fehlanzeige. Der für seine Opulenz berühmte italienische Designer setzt in der nächsten Saison auf zarte Unschuld mit meist soften Tönen. In einer den Spiegelsaal von Versailles als Fotowand wiedergebenden Rauminstallation ließ er lange weiße Kleider paradieren, auf denen sich Spitze und Faltenspiele treffen, oder er zieht eine Trägerhose mit Streublütenmuster über eine Chiffonbluse.

Leder, eines seiner bevorzugten Materialien, interpretiert Cavalli nun in Fransen-Optik für einen langen Mantel oder für Hosen. Überdimensionierte Blüten verzieren, asymmetrisch platziert, weiße Seidenkleider.

Lack, Leder und weiche Stoffe

Lack, Leder und weiche Stoffe

Marni, in jüngster Vergangenheit stets eine der stärksten Mailänder Schauen, konnte die hohen Erwartungen dieses Mal nicht ganz erfüllen. Consuelo Castiglioni, die Designerin hinter dem Label, setzte eher auf Entwicklung als auf den neuen großen Gegenentwurf.

Natürliche und technische Materialien leben hier in stilistischer Koexistenz. Neonrot und ein leuchtendes Grün sind die beiden Akzenttöne Marnis. Farben werden oft in grafischen Flächen aneinandergelegt. Lackelemente schmücken Halsausschnitte oder zum Ornament vereint manche Kleiderbrust. Viele Röcke werden über Faltenanlagen volumenreich ausgestellt.

Bei Anna Molinari hingegen tritt Farbe nur sehr sparsam auf. Rosella Tarabini, die Tochter der Namensgeberin der italienischen Marke, bevorzugt den Schwarz-Weiß-Kontrast. Dabei mischt sie Streifenmuster in unterschiedlichen Breiten und schichtet Miniröcke in Lagen.

Auch in Giorgio Armanis junger Linie Emporio bleiben die Beine frei. Ob Rock oder Hose - kurz soll es sein. Seine Jacken wiederum reichen oft bis kurz vor den Saum der Minis und werden mit nur einem Knopf geschlossen.

Die kommenden Stars der Mailänder Modeszene könnten aber 6267 werden. Hinter dem Zahlencode verbergen sich die beiden italienischen Designer Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi. Seit sie 2005 einen wichtigen Nachwuchswettbewerb gewannen, ernten sie weltweit Lobeshymnen. Mit kunstvollen Paillettenstickereien, aufwendig verarbeiteten Jacken und überzeugenden Detaillösungen begeisterten sie jetzt ihr Publikum.

Anna Molinari, die Designerin hinter der italienischen Marke Blumarine, bricht die Lieblichkeit ihrer Minikleider aus Seide und Spitze mit Lederblousons oder schweren Gürteln. Ihr Farbbild besteht aus Tönen wie Orange, Gelb oder Rosa. Shorts kombiniert sie zu bauchfreien Polohemden und kurzen Trenchcoats. Jogginganzüge aus Kaschmir erhalten eine luxuriöse Note. Bedruckte Kaftans werden an den Säumen bestickt.

La Perla hingegen spielt oft mit Federn. Zunächst nur als Akzent auf einigen Kleidern eingesetzt, bedecken sie schließlich ganzflächig Rock und Weste. Bei Moschino schließlich gibt es viel Mini, Schleifen-Akzente sowie kräftige Blumendrucke.

Axel Botur, dpa

Mode: Mailänder Schönheiten in Bildern

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