Herrenmode Elegant in den Herbst

Auch wenn viele Männer es nicht gern hören werden: Die Herren-Outfits für den Herbst hat ein radikaler Wandel erfasst. Die neuen Anzüge und Hemden sind schmal, schlank und körperbetont. Vorbei sind die Zeiten flatternder Hemden und breiter Krawatten.

Köln/Düsseldorf - Ja, auf den Laufstegen sind taillierte Formen und schmale Revers und Kragen schon länger zu sehen gewesen. Und jetzt wird es auch für Ottonormalverbraucher ernst. Der Trend ist nun auch in den Kaufhäusern und bei den großen Herrenausstattern angekommen.

"Die Entwicklung derzeit geht auf Phänomene der frühen 60er und 80er Jahre zurück", sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Modeinstituts in Köln. Wie in der Damen- habe auch in der Herrenmode ein Silhouettenwandel stattgefunden, der Blick sei wieder stark auf die Schlankheit gerichtet. "Früher - bis in die 70er Jahre hinein - waren Anzüge Rüstungen. Sie boten Gleichförmigkeit und Schutz - die konnten Sie mit ihren dicken Stoffen und breiten Formen in die Ecke stellen", sagt Müller-Thomkins.

Ein androgyner Männertyp

Jetzt seien Offenheit, Transparenz und Selbstinszenierung gefragt. Der Hintergrund sei ein neues Männerbild: "Das stark Trainierte ist nicht mehr gefragt. Wir haben es eher mit einem androgynen Männertyp zu tun." Für die Mode bedeute das: Schmale Hosenbeine, taillierte Formen bei Hemden und Anzügen, schmale Sakkokragen und schmale, teils gerade abgeschnittene Krawattenformen. Sogar beim Anzug finden sich röhrenhafte, schlanke Hosen, sagt Müller-Thomkins. "Außerdem treten Zwei- und Einknopfsakkos in den Vordergrund. Denn es wird die Mitte, die schlanke Taille betont."

Von "Slim-Line-Anzügen und schmalen Pencilhosen" und Accessoires wie "schmalen Seidenschals und Lederkrawatten" schreiben die Veranstalter der Messe Herrenmode Düsseldorf (HMD) in ihrem Trendbericht für Herbst/Winter 2007/2008. Eine "dandyhafte Lässigkeit" habe Einzug in die Outfits erhalten, stilprägend seien extreme Typen wie der "smarte Möchtegern-Mod" und der "rebellische Exzentriker".

"Der Trend ist beim Design bereits seit ein, zwei Jahren zu beobachten. Jetzt ist er aber auch im breiten Markt angekommen", sagt Peter Wolff, der den Zentralverkauf bei der Herrenausstatterkette Wormland mit Sitz in Hannover leitet. "Da hat ein Quantensprung stattgefunden. Es wird viel kürzer und enger."

Im Detail bedeutet das: Die Maße schrumpfen bei Kleidung und Accessoires um mehrere Zentimeter. War der Anzugrumpf früher 76 oder 77 Zentimeter lang, seien es jetzt zwischen 70 und 72. Bei den Hemden wurden laut Wolff 10 Prozent in der Weite zurückgenommen. "Aus 110er sind 98er-Weiten geworden - und das interessanterweise, ohne dass viele stretchige Stoffe verwendet werden."

Schmales Hemd = schmale Krawatte

Schmales Hemd = schmale Krawatte

Auch bei den Kragen wurden die Maße beschnitten. "Die Reversbreite hat sich fast halbiert." Und die Krawatten verlieren nach Worten von Wolff in der Breite annähernd drei Zentimeter: Ein klassischer Binder habe neun bis 9,5 Zentimeter, jetzt fänden sich Breiten zwischen 6,5 und 7,5. Das bestätigt ein Blick in die aktuellen Kollektionen.

"Sexy und körperbetont" sei die Herbst- und Winterkollektion - so umschreibt das Label Strellson den Trend. Schmale Rümpfe und schmale Krawatten rückten in den Vordergrund. Ein ganz schmaler Binder, den Strellson im Programm hat, misst an der breitesten Stelle nur sechs Zentimeter. "Der passt dann zur Weste, zum Cardigan und zu den schmaleren Revers der Anzugjacken", sagt Strellson-Chefdesigner Marco Tomasi.

Dünne Linien zeichnen auf der Silhouette auch Hosenträger, die als Accessoire durchaus an der Taille herunterhängen dürfen. Eine nur sieben Zentimeter breite Krawatte hat etwa Seidensticker aus Bielefeld zum ersten Mal seit langem im Programm.

"Kleine Kragenvarianten" und das schmale Hemd stellt auch die Hemdenmarke Jaques Britt in den Vordergrund. "Das wird sich in der Kollektion im Frühjahr fortsetzen", heißt es beim Hersteller van Laack. Die Hemden müssten den jetzt eng an den Körper taillierten Sakkos und Anzügen Rechnung tragen. Denn Hemden mit weiter, lässiger Rumpfweite im "amerikanischen Schnitt" passten nicht unter solche Anzüge - und für ein stimmiges Gesamtbild brauche es dann auch die kleineren Kragenformen.

Hochwasser kommt wieder

Kleidung und Accessoires bedingen einander, erläutert Gerd Müller-Thomkins. Wird der Anzug schmaler, werden es die Hemden - und werden es die Hemden, werden es die Krawatten: "Die schmalen Hemdkragen passen nur mit schmalen Bindern zusammen - denn durch den kleinen Knoten haben sie weniger Material." Auch van Laack setzt daher jetzt auf dünne Binder von sechs Zentimetern Breite. Für Kenner sei auch eine Strickkrawatte im Stil der 80er Jahre im Programm.

Verkürzte Beinlängen bis hin zur Hochwasseroptik prägen die Hosenschnitte, heißt es im aktuellen Kollektionsbericht von Hugo, der jungen Linie von Boss. Dazu passten die schmal geschnittenen Anzüge sowie dunkle Krawatten und Seidenschals.

Zusätzliche Eleganz bringen Schuhe mit Metallic-Effekt ins Spiel. Nicht nur solche Extravaganzen mögen manchem aber zu gewagt sein - schon die durchgängig enge Passform kommt bei vielen Herren sicher nicht gut an. Denn Schlankheit ist ein Muss für die neue Mode, und die meisten mögen es eben immer noch weit und locker - weil es ihnen besser gefällt oder weil der Bauch spannt. "Es ist ein sehr ausgrenzender Markt", sagt Wolff - "für alle, die das nicht tragen können."

Thorsten Wiese, dpa

Herrenmode in Bildern: Mut zur schlanken Linie

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