Schuhtrends Glänzend aufgestellt

Hoch, höher, Winterschuhe: An dieses Motto haben sich offenbar die Designer beim Entwerfen der Schuhmode für die kommende Saison gehalten. Ob Stiefel, Pumps oder Ankle Boots - die Absätze sind so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Und es wird glänzend.

Frankfurt am Main - Schöne Beine macht das neue Schuhwerk in diesem Winter auf jeden Fall. Und das ist wichtig, denn Beine und Füße rücken mit der aktuellen Mode besonders in den Blick. Bleistiftröcke, Leggins, Röhrenhosen und weite Oberteile - die neuen Silhouetten und betont schlichte Designs geben Schuhen und Taschen neue Entfaltungsmöglichkeiten. "Accessoires können Statements setzen und Farbe ins Outfit bringen", sagt Jelena Juric von der in Frankfurt erscheinenden Fachzeitschrift "Textilwirtschaft".

"Die Oberteile werden bauschiger, länger und lässiger, die Unterteile enger. Für die Schuhmode bedeutet das beste Voraussetzungen, da Beine und Füße bei diesen Formen optisch betont werden", sagt Katharina Martin von der Schuhhandelskette Deichmann in Essen.

Geometrische Formen in der Kleidung - Schnörkellosigkeit auch bei den Schuhen: Von "Klarlinigkeit" und "nahezu skulpturalen architektonischen Formen" wird bei der Schuhmesse GDS in Düsseldorf gesprochen. Reduziert, schlicht und aus hochwertigen Materialien gefertigt seien die neuen Schuhe.

"Glanz ist das entscheidende Thema", sagt Andreas Rose, Stylist aus Frankfurt, mit Blick auf die Materialien. Neben jeder Menge Lack und auf Hochglanz poliertem Leder finden sich vor allem schimmernde Metallic-Oberflächen. Silber und zurückhaltende Mineralientöne dominieren das Bild, für große Auftritte sorgen goldene und kupferfarbene Schuhe. Ansonsten herrschen dunkle Töne vor: Schwarz und Dunkelbraun sind die Basisfarben, heißt es etwa bei Salamander in Kornwestheim (Baden-Württemberg). Ein leuchtendes Rot bringe Abwechslung.

Rückkehr der Eleganz

Rückkehr der Eleganz

Satte, tiefe Farben und glänzende Materialien spiegeln die Hinwendung zum Luxus ebenso wider wie die steil in die Höhe schießenden Absätze. Zwar bleiben flache, runde Ballerinas im Winter ein Dauerbrenner, und auch sportliche Stiefel haben weiter ihren Platz im Schuhregal. Abgesehen davon geht es jedoch hoch hinaus: "Die Eleganz kehrt zurück, und die Absätze schrauben sich in ungeahnte Höhen", so bringt Jelena Juric den Trend auf den Punkt. Bei zehn Zentimetern liege die normale Höhe, aber auch Exemplare mit zwölf Zentimetern seien keine Seltenheit.

Da angesichts der neuen Eleganz dekorative Details eher sparsam eingesetzt werden, spielen Absätze als Hingucker eine wichtigere Rolle. Entsprechend groß ist die Bandbreite bei den Formen: Sie reicht vom Blockabsatz über schmale Trichter- bis hin zu massiven Plateauabsätzen. Vor allem bei letzteren haben die Designer ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. "Das sind teilweise richtige Kunstwerke", sagt Stefanie Köhn, Typ-Beraterin aus Wetzlar, mit Blick auf spektakulär durchbrochene oder versetzte Plateaus.

Aber nicht nur bei den Absätzen, sondern auch bei den Schuhtypen ist die Auswahl groß. Pumps, Ballerinas, knöchelhohe Ankle Boots und Stiefeletten listet das Deutsche Schuhinstitut in Offenbach als die wichtigsten Modetreter auf. Dazu kommen so genannte Dandy-Schnürer, die sich optisch an Herrenschuhe anlehnen, sowie spitz geformte Langschaftstiefel mit fast stiletto-artigen Absätzen.

Ankle Boots waren bereits im vergangenen Winter die Lieblinge der Mode-Begeisterten. "Jetzt sind sie aber erst so richtig stark im Kommen", sagt Stefanie Köhn. Für Katharina Martin dominieren sie in der Herbst-Winter-Saison das modische Bild. Den wiederbelebten Star der achtziger Jahre gebe es zum Schnüren, zum Reinschlüpfen und mit Reißverschluss sowie rund oder spitz. "Besonders stylish wirken sie mit überdimensionierten Manschetten oder weitem Ausschnitt."

Absätze als Blickfang

Absätze als Blickfang

Neben den Mini-Stiefeletten stehen auch wadenhohe Stiefeletten hoch im Kurs, meist in extrem femininen Versionen mit hohen, schmalen Absätzen. Ähnlich sieht es bei den Stiefeln aus: Durch die Vielzahl an Ankle Boots und Stiefeletten sind Stiefel zwar etwas auf dem Rückzug. "Auf Grund der Mode bleiben sie aber noch wichtig", sagt Kathy Wenderoth, Einkäuferin beim Schuhhaus Görtz in Hamburg. Zu langen Cardigans und Röhrenhosen seien sie die ideale Ergänzung.

Im Trend liegen dabei vor allem gestauchte, geraffte oder durch Fältelungen verzierte Modelle. "Raffungen und Fältelungen ersetzen Strass, Schleifchen und andere verspielte Dekorationen", erläutert Jelena Juric. Unverzichtbar in Kombination mit elegant-weiblichen Kleidern sind nach den Einschätzungen der Experten Pumps.

Plateausohlen verleihen den gewöhnlich eher zierlichen Schuhen etwas winterliche Robustheit. "Das Plateau gibt es als Keil oder versteckt im klassischen Pumps", so Juric. Beliebte Spielarten des Pumps sind "Peep Toes" mit einem kleinen Ausschnitt im Zehenbereich sowie mädchenhafte Spangen-Schuhe, im Fachjargon "Mary Janes" genannt.

Frieren muss aber trotz des zart anmutenden Schuhwerks niemand. Denn was bislang ein absolutes modisches Tabu war, gilt diesen Winter als der letzte Schrei: dicke Strumpfhosen zu Pumps und Peep Toes. "Optimal ist Wolle", sagt Andreas Rose. Dunkel sollte das Strumpfwerk sein und auf jeden Fall blickdicht. "Man kann auch zwei Strumpfhosen übereinander ziehen - etwa eine Netzstrumpfhose über eine Wollhose - und so seine eigenen Muster kreieren."

Sandra Cantzler, dpa

Dem Himmel entgegen: Schuhtrends in Bildern

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