Tennismode Boris trägt Becker

Der Initialzünder seiner Karriere war zugleich ihr Höhepunkt: 1985 gewann der damals 17-jährige Boris Becker Wimbledon und wurde damit zur Tennislegende. Doch auch, wenn es hierzulande niemand wahrhaben will - Becker ist erwachsen geworden. Der jüngste Beweis ist eine eigene Sportkollektion.

Hamburg - In die Jahre gekommene Sportstars, die keine Höchstleistungen und damit keine Werbeeinnahmen mehr bringen, werden für gewöhnlich ausgemustert. Wenn alles gut läuft, setzt man sie vielleicht als Berater in ihrer jeweiligen Sportart ein. Manche tingeln auch durch Talkshows oder wirbeln gemeinsam mit anderen B-Promis tanzend über das Fernsehparkett.

Nicht so Boris Becker. Der ehemalige Tennisprofi, der in Deutschland mittlerweile Kultstatus genießt, weiß sich zu vermarkten. Ob als Kolumnist, TV-Kommentator, Werbefigur oder neuerdings als Radiomoderator - Becker ist sich seiner Medienwirkung bewusst und nutzt sie mehr oder minder erfolgreich. Dabei hat sich der 39-Jährige bei dem Versuch, sich als Geschäftsmann einen Namen zu machen, schon gehörig die Finger verbrannt. Der Rechtsstreit um die Zahlung von 1,5 Millionen Euro, die Becker an den Insolvenzverwalter seines bankrotten Internetportals Sportgate zahlen soll, geht voraussichtlich im Juli in die nächste Runde.

Sein jüngster Ausflug in die Geschäftswelt ist nun ein eigenes Sortiment aus Tennisschlägern, Taschen und Sportbekleidung, das er in einem Hamburger Restaurant vor Journalisten präsentierte. Natürlich tragen alle Produkte Beckers Namen. Das Logo, der sogenannte Serveman, soll an die guten alten Tage erinnern, in denen Becker es mit seinem unverwechselbaren Aufschlag bis auf Platz eins der Tennis-Weltrangliste schaffte. Es zeigt den Schatten eines der weltbesten Aufschläger: die Knie nach vorne, die linke Hand wirft den Ball in die Höhe und die rechte holt aus - so, wie wir den Boris kennen und lieben.

"Heute komme ich nicht mehr so weit runter"

"Der Aufschlag war meine Waffe", sagt Becker zur Wahl des Motivs. Er gibt aber auch zu, dass er nicht mehr so beweglich ist, wie es sein Schatten vorgaukelt. "Heute komme ich nicht mehr so weit runter", scherzt er. Daran sollte sich Becker gewöhnt haben: Sein Name und dessen Wirkung bauen auf frühere Erfolge. Was heute zählt, ist die richtige Vermarktung.

Und die scheint zu funktionieren: Eine Schar von Fotografen drängelt sich "Herr Becker" rufend um den blonden Hünen. An sie hat sich Becker in den vergangenen 22 Jahren scheinbar nicht gewöhnt. Zwar versucht der Ex-Tennisstar zweifelsohne, es jedem von ihnen recht zu machen und schaut professionell in alle Kameras. Als die Rufe jedoch lauter werden, verliert er für eine Sekunde die Fassung: "Ich kann nicht überall gleichzeitig hinschauen!" Und da ist er - der vermeintlich wahre Boris Becker. Hinter dem schicken grauen Nadelstreifenanzug des Geschäftsmanns lugt für einen kurzen Augenblick der aufbrausende Youngster hervor, der auf dem Tennisplatz die Zuschauer für sich einnahm.

Becker hat noch immer eine immense Ausstrahlung, er wirkt jedoch zumeist ernst und etwas steif. Lächeln sieht man ihn nur selten. Noch dazu stiehlt ihm an diesem Abend eine andere Person fast die Show. Als seine aktuelle Freundin, die 29-jährige Sharlely Lilly Kerssenberg, den Raum betritt, richten sich alle Blicke und Objektive auf sie.

Profi Becker geht trotzdem schnell zur Tagesordnung über und präsentiert seine Kollektion: zwei Arten von Tennisschlägern, Pullunder mit Rauten und orangefarbene Sportbekleidung, die wahlweise auch zum Golfen oder Joggen getragen werden kann. Doch am meisten freuen sich alle über den Boris. Und auch der sieht sein neuestes Projekt offensichtlich gelassen. "Wenn ich mich nicht um solche Sachen kümmere - worum denn dann?", fragt er - und lächelt.

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