Modehandel H&M in Edelversion

COS ist das neue Label, mit dem die schwedische Modekette H&M nun auch wohlhabendere Käuferschichten ansprechen will. Die neuen Geschäfte sollen in direkter Nachbarschaft von Unger, Vuitton oder Prada entsehen. In London feierten sich die Schweden nun selbst.

Hamburg/London - Die Kleider sehen aus wie vom Laufsteg. Oder aus einer Modestrecke der "Vogue". Doch kosten sollen sie nur einen Bruchteil dessen, was anspruchsvolle Kunden sonst für ein schickes Designerteil berappen. Mit dem Label COS, das am Mittwochabend in London vorgestellt worden ist, will Massenanbieter Hennes & Mauritz den Markt revolutionieren. Und nebenbei eine neue Zielgruppe für sich erschließen.

Dafür rauschen die Schweden ziemlich heran. Schon der Launch der Marke mit einer Modenschau in der Royal Academy of Arts erinnerte an die Events großer Luxus-Label. Am Freitag öffnet in London der erste eigene Laden. In Deutschland werden am 30. März gleich fünf COS-Geschäfte aufgemacht. Alle befinden sich in Top-Lagen, dem Neuen Wall in Hamburg etwa, der Düsseldorfer Königsallee oder dem Berliner Kurfürstendamm.

COS (Collection of Style) ist ein Tochterunternehmen von Hennes & Mauritz, allerdings mit Sitz in London und eigenständigem Design. Schon die Geschäfte wirken anders als herkömmliche H&M-Filialen. Für London hat der Star-Architekt William Russell den Flagship-Store gestaltet, großzügig, mit viel Weiß und hellem Holz sowie Sitzecken zum Ausspannen. In jedem Geschäft gibt es Extras wie Kosmetika, Musik oder Bücher. Das Ganze erinnert an stilvolle Concept-Stores wie das Quartier 206 in Berlin oder Colette in Paris.

Keine Angst vor COS

"Die Geschäftsidee ist die von Mode und Qualität zum bestmöglichen Preis", so sehen die beiden Chefdesigner von COS, die Dänin Rebekka Bay (für die Damenmode) und ihr Landsmann Michael Kristensen (für die Herren), das Label. "Wir wollen mit der Kollektion ein vibrierendes, modernes und kreatives Gefühl erzeugen." Das fließende schwarze Cocktailkleid mit Gummizug, der asphaltgraue Lederblouson bei den Damen oder der tadellose Smoking und die coole Bomber-Lederjacke bei den Herren: Die Sachen lassen an die puristische Raffinesse von Marken wie Jil Sander, Prada oder Lanvin denken.

Damenkleider fangen bei 49 Euro als Einstiegspreislage an, ein Partykleid kostet bis zu 125 Euro. Bei den Herren gibt es Kaschmirpullover ab 99 Euro, Anzüge reichen von 250 bis 350 Euro. Die Qualität der Stoffe und die Perfektion der Schnitte soll trotz der moderaten Preise dem modischen Anspruch standhalten. Den großen Designermarken könnte COS damit das Fürchten lehren. Doch die Modemacher wiegeln ab: "Wir sind irgendwo zwischen Couture und High Street, natürlich gibt es da noch Unterschiede." Allerdings glauben beide, dass viele Kunden beides kaufen werden: COS und die berühmte Designermarke.

Ganz neu sind solche "Paarungs"-Konzepte wie die von H&M und COS nicht. In den USA gehören zum Jeans- und Sportswear-Anbieter Gap die Geschäfte von Banana Republic, eigenständige Läden für eine urbane Käuferschicht mit hohem Standard. Auch beim spanischen Filialisten Zara gibt es mit dem eher klassisch auftretenden Schwesterunternehmen Massimo Dutti eine Alternative. Konkurrent Mango bietet mit der "Limited Edition" eine Premium-Linie, die in ihrem Anspruch mit COS vergleichbar ist. Allerdings tritt diese nicht als eigenständiges Label auf.

Stefanie Schütte, dpa

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