Brillentrends Woody Allen reloaded

Woody Allen, Nana Mouskouri oder Jackie Onassis - die aktuelle Brillenmode greift in dieser Saison verstärkt auf Vorbilder aus alten Tagen zurück. Doch es wird nur zitiert, nicht kopiert. Auch Gold als Fassungsfarbe ist wieder im Kommen.

Hamburg - Dezent war gestern. Beim Brillendesign ist wieder wahre Größe gefragt. "Man trägt wieder mehr im Gesicht als noch vor fünf Jahren", sagt Philipp Haffmans vom Berliner Premiumlabel Mykita. Dabei bedienen sich die Brillendesigner in diesem Jahr vor allem bei Vorbildern der 60er und 70er Jahre - bei Stars wie Woody Allen, Nana Mouskouri oder Jackie Onassis.

Um eine schlichte Kopie der alten Modelle geht es dabei aber nicht. Zwar gehe der Trend ganz klar hin zur "starken Aussage", zu Modellen, die den Charakter des Trägers unterstützen, sagt Haffmans, der mit seinem Label Hollywood-Stars wie Robert de Niro, Tom Cruise oder Angelina Jolie ausstattet. Gleichzeitig ist aber ganz klar Alltagstauglichkeit gefragt.

Auch bei den aktuellen Materialien klingen zum Teil historische Töne an. So ist beispielsweise das Material Acetat, der Nachfolger des guten alten Horn, wieder deutlich im Kommen. Im Hinblick auf technische Innovationen und Tragekomfort erinnert bei den neuen Brillen allerdings nicht mehr viel an das historische Vorbild.

Inmitten der Materialschlacht: die Bügel. Sie werden bei vielen Modellen zum prägenden Stilelement und "tendenziell breiter", wie Klaus Hilse vom Brillenhersteller Rodenstock, der auch für Porsche Design verantwortlich zeichnet, erklärt. Krasse Farbgegensätze sind allerdings wieder auf dem Rückzug. Was Materialien und Form angeht, wird aber auch weiterhin mit reizvollen Kontrasten gespielt.

Wer vor markanten, flächigen Gestellen im Retrolook zurückschreckt, wie sie beispielsweise auch Armani oder Gucci diese Saison im Programm haben, kann sich aber auch weiterhin an die klassischen, dezenteren Metallgestelle halten. Sie bleiben weiter im Trend. Oder es wird kombiniert: Filigrane Front mit flächigeren Bügeln.

Klassiker Pilotenbrille bleibt

Klassiker Pilotenbrille bleibt

Absolut immer richtig liegen Mann und Frau den Modeexperten zufolge auch dieses Jahr wieder mit Pilotenbrillen. "Die sind so etwas wie der VW-Käfer oder ein klassischer Sportwagen. Die kann man immer anziehen", sagt Haffmans. Allerdings sollten besonders Männer hierbei darauf achten, dass sie keine zu kleine Brille für ihre Kopfform kaufen. "Zu klein bei zu großen Köpfen wirkt eher verstörend."

Bei betont sportlichen Fassungen scheiden sich die Geister. Während sportliche, gebogene Rahmen gerade im Sonnenbrillenbereich für Haffmans in dieser Saison ein absolutes "No Go" und auf dem Rückzug sind, sieht Hilse noch längst kein Ende des sportlichen Crossover-Trends bei Korrekturfassungen. Wie auch für das Kuratorium Gutes Sehen sind für ihn sportive Modelle mit gebogenen Gläsern 2007 ebenfalls ganz en vogue.

Maßgeschneiderte Modelle

In diesem Bereich bietet der Münchener Brillenhersteller seit einiger Zeit Maßanfertigungen an, bei denen Rahmen und Gläser exakt an die Gesichtsrundungen des Trägers angepasst werden können. Möglich machen dies neueste Entwicklungen in der Glastechnologie.

Aber auch beim Gestell hat sich in Sachen Technik einiges getan. So hat das Berliner Mykita-Label beispielsweise ein Brillengelenk entwickelt, das statt Schrauben auf einer Federlösung basiert und so nicht ausleiern kann. Bei Porsche Design wiederum hat man sich für die Bügel eine Federzone mit lamellenartigen Schlitzen ausgedacht. Der Hamburger Hersteller Montblanc setzt in dieser Saison erstmals bei einigen Modellen - auch als Designelement - auf Karbonfasern.

Gold kommt wieder

Was die Farben angeht, gibt es kaum noch Grenzen. "Mittlerweile ist es so, dass sie in fast jeder Farbe eine Fassung kriegen", sagt Haffmans. "Man hat die Wahl." Prinzipiell geht der Trend nach Angaben des Kuratoriums Gutes Sehen bei den kräftigen Fassungen in Richtung dunkler Töne - Schwarz, Tabac, Bordeaux - teils auch strukturiert und mit schimmernden Transparenzen durchzogen.

Und auch Gold als Fassungsfarbe ist - sowohl im Männer- als auch im Frauenbereich - langsam wieder im Kommen, sind sich Hilse und Wiebke Bauer von Montblanc einig. Allerdings kommen Gold- und Schmuckelemente bei den Damenmodellen deutlich stärker zum Tragen als bei den Männern, wo auch weiterhin statt Strass und Metallapplikationen eher zurückhaltendere Designs und Farben gefragt sind. Und auch die Marke ist bei einigen Herstellern in dieser Saison ein zentrales Thema, sagt Bauer. "Das Logo wird wieder groß gespielt."

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