Herrenmode Ein Hauch von Clint Eastwood

Sorgsam gepflegt tritt der neue Mann auf. Männlich und elegant, der androgyne Look gehört der Vergangenheit an. Bei den Modeschauen in Paris zeigten die Designer, worauf es ihnen ankommt: edel, praktisch und modern.

Paris - Mann bleibt Mann, und der Winter wird grau. Das sind die wichtigsten Botschaften der Prêt-à-Porter-Schauen der Herrenkollektionen für Herbst/Winter 2006/07, die am Dienstag zu Ende gehen. Der androgyne Look der vergangenen Jahre ist den französischen Designerhäusern zufolge erstmal passé. Seit das Ehepaar Beckham nicht mehr das Vorzeige-Paar der Glamour-Presse ist, verblasst auch das David Beckham zugeschriebene Ideal des "Metrosexual".

Stattdessen zeigt sich die Männermode heute edel, praktisch und unschlagbar modern: Anzüge in allen Grautönen bis hin zu Schwarz, als schmale Einknöpfer oder doppelreihig und mit breiten Schultern, waren haufenweise auf den Laufstegen zu sehen. Hinzu kamen Kurzmäntel aus Wolle, etwas Seemannslook, Trenchcoats, Hüte und dicke Strickjacken. Damit es nicht langweilig wird, gab es Farbtupfer in Rot oder Violett sowie zahlreiche Tierdrucke oder gar -felle.

Designer Marc Jacobs, der für das Luxushaus Louis Vuitton am Freitagabend seine wegweisende Kollektion für den Herbst/Winter 2006/07 zeigte, präsentierte beispielsweise traumhafte Wollqualitäten für Dufflecoats und Kurzmäntel. Schmale Hosen und extravagante braune Alpaka-Mäntel vereinten Eleganz, Beweglichkeit und den oft vergessenen winterlichen "Warmhalte"-Faktor.

Sportlich wirkten tadellos geschnittene schwarze Nylon-Anoraks und dicke dunkelblaue Strickjacken im Seemanns-Stil, deren Kaschmir-Anteil sie stadtfein macht. Pelz für den Mann ist in dieser Kollektion Standard, ob in Form von Nerzkappen oder Chinchilla-Westen. Der coole Auftritt erinnert an den jungen Alain Delon.

Auch der britische Designer Paul Smith inszenierte mit seiner Schau am Sonntag ein sehr männliches Schönheitsideal. Etwas Clint Eastwood und Cowboy-Romantik schwebte über dem Defilee mit schmalen Lederhosen, Nadelstreifenhosen in Jeans-Schnitten, bestickten Hemden und derben Lammfelljacken.

Etwas Cowboy-Romantik

Zur texanischen Inspiration gesellte sich europäische Eleganz mit schmalen Cordmänteln, Karojacken und Tapisserie-Mustern aus dem Barock. Smith gönnt den Männern etwas mehr Farbe als seine Kollegen, mit glänzenden Braun- und Beigetönen, Rostrot oder Graugrün.

Der britische Designer John Galliano schien bei seiner Herrenkollektion ans Kino gedacht zu haben, inspiriert von Filmen wie "Blade Runner" und "Oliver Twist". Wirre Haare, wehende Mäntel, Armeehosen, mächtige schwarze Hüte und bestickte Westen auf tätowierten Körpern zeichneten den Mann als "einsamen Wolf", der durch eine unheimlich wirkende Großstadt streift. "Lone Wolf" war dementsprechend auf einigen Shirts zu lesen.

Galliano liebt die Inszenierung und ironische Brechungen. Und so löst er das Bild des Straßenkämpfers durch Patchworkhosen, Hemden mit Zeitungsdruck und Schlagketten aus Stoffblumen wieder auf. "Feel Good" - der Appell ans Wohlgefühl bleibt als Botschaft (auf Slips oder Hemden) für den kommenden Winter zurück.

Harmonie mit Leder und Fell

Der Antwerpener Modemacher Martin Margiela gilt dagegen als "stilles Wasser". Dementsprechend tiefgründig sind seine Entwürfe. Schein und Sein ist ein Thema der Kollektion; etwa beim Spiel mit Leoparden- Drucken und Tierfell, echtem und falschem Leder oder einem wunderschönen, beidseitig zu tragenden Fellmantel.

Daneben gibt es grandios geschnittene Anzüge in Grau und Schwarz oder perfekte dunkelblaue Cordjacken. Schuhe - in bräunlichen Rottönen oder glänzendem Beige - sind so gearbeitet, dass sie wirken wie gerade geputzt, doch noch nicht ganz glatt gewienert.

Ein Mantel aus Margielas "Replica"-Reihe, die alte Modelle in neuen Stoffen nacharbeitet, stammt aus der Garderobe eines Investment-Bankers der Wall Street aus den 60er Jahren. Der Entwurf könnte symbolisch über der gesamten, Schauenwoche stehen.

Der Japaner Naoki Takizawa, der für das Haus Issey Miyake entwirft, ist einer der wenigen, die "Farbe bekennen". Neben den üblichen grauen Anzügen und Nadelstreifen gibt es hier die violette Samthose zum zartblau gemusterten Wollmantel, die grasgrüne Hose zur bunten Patchwork-Jacke oder trachtenartige Blütenmuster auf gelben Strickjacken. Harmonisch sind die Farben kombiniert, etwas seltsam wirken nur die kleinen Mützchen mit zwei Zipfeln, die einige Models auf den Köpfen tragen.

Designer Jeroen van Tuyl kombiniert schwarze Lederhosen und Kapuzenshirts zu dicken Strickjacken mit eingestickten Blüten. Blaue Cordhosen mit aufgesetzten Taschen, taillierte Mäntel in Beige und Grau stehen neben auf Figur geschnittenen Strickpullovern. "Mit Schirm, Charme und Melone" kamen die Models bei Paul & Joe daher.

Melonenträger John Steed aus der Erfolgsserie der 60er Jahre inspirierte die Kollektion. Dreiteilige graue Anzüge, mit Streifen oder Hahnentritt-Muster, sowie dreiviertellange Mäntel waren daher ein Muss. Cord- und Samtjacken in Beige und Grün sowie Blumen- oder Paisley-Muster bildeten einen Kontrast zu diesem korrekten Stil.

dpa

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