Businesskostüme Immer lässig!

Mit einem Kostüm können Frauen im Berufsleben keinen Fehler machen – außer sich und ihre Umgebung mit Belanglosigkeit zu langweilen. Eine Modeberatung wider die Oberlehrerinnen-Optik.

Düsseldorf - Coco Chanel hätte an diesem Winter vermutlich ihre Freude gehabt: Überall in den Boutiquen hängen Kostüme, die sich an den berühmten Klassikern der französischen Modeschöpferin orientieren. Lange Zeit galt die elegante Kombination aus Rock und Jacke als eine Art Uniform für Geschäftsfrauen und weniger als modisches Outfit. Jetzt entdecken jedoch selbst junge Frauen das Kostüm - und nehmen ihm mit lockeren Zubehör etwas von seinem strengen Charakter.

Als Rückkehr zum Formellen, allerdings immer mit Brüchen und einem besonderen Kick wird der Trend zum Kostüm und anderen seriösen Kleidungsstücken bei der Modemesse "cpd_woman" in Düsseldorf beschrieben. Mit eigenen Ideen und Zubehör aus dem persönlichen Fundus werden die an sich eher konservativen Kombinationen den individuellen modischen Vorlieben angepasst. "Der Stil wird gebrochen, es muss Kontraste geben", rät die Modedesignerin Evelin Brandt aus Berlin.

Blusen in den Kleidersack

"Ein Kostüm kann sehr sexy und sehr jung aussehen - wichtig sind die richtigen Accessoires", sagt auch Susan Wolf von Hennes & Mauritz in Hamburg. Beim Untendrunter heißt das zum Beispiel: "Auf keinen Fall eine Bluse", warnt die Stylistin Maria Hans aus Hamburg. Denn auch wenn Stardesigner wie der US-Amerikaner Marc Jacobs bei den Modeschauen Kostümjacke und Rüschenbluse kombinieren - apart wirkt diese Mischung meist nur auf dem Laufsteg.

Im wirklichen Leben dagegen verleiht sie Frauen fast immer eine Oberlehrerinnen-Optik. "Es gibt wenige Frauen, die in dieser ganz reinen Klassik gut aussehen", ist die Erfahrung von Evelin Brandt. Abgestimmt sein auf das Kostüm müssten dann nicht nur weitere Accessoires wie Schuhe und Schmuck, auch das Umfeld sollte entsprechend elegant sein.

"Stattdessen kann man Tops, Bodys oder auch einen Pulli anziehen", empfiehlt Maria Hans als Alternative zur Bluse. Brandts derzeitige Favoriten sind T-Shirts, verziert beispielsweise mit Spitze, Stickereien oder Strassaufdrucken. "Gerade aktuell sind auch Shirts mit Glitzeraufdruck, Mickey Mouse und japanischen Schriftzeichen oder Mangas", erzählt die Designerin. Solche knallbunten Exemplare seien aber eher etwas für jüngere Frauen - ansonsten könnten sie schnell albern wirken.

Gekonnter Einblick in den Ausschnitt

Gekonnter Einblick in den Ausschnitt

Evelin Brandt fällt noch eine weitere Ausweichmöglichkeit ein: "Vielleicht lässt man auch alles weg und zeigt einfach einen schönen Ausschnitt." Dabei sind tiefe Einblicke durchaus erlaubt, wie etwa die aktuelle Kollektion des Pariser Modehauses Céline zeigt. Dass der Look dennoch stillvoll und nicht billig wirkt, dafür sorgen beispielsweise Accessoires wie bis zu den Ellenbogen reichende Lederhandschuhe, die an Stil-Ikonen wie Audrey Hepburn erinnern.

Ob Handschuhe, Gürtel oder Schmuck: Ohne dieses Zubehör geht so gut wie nichts. "Man sollte den Look nicht überladen, aber ruhig mit den Accessoires spielen", rät Maria Hans. Zu den Favoriten der Saison gehören Broschen aus Strass oder bunten Steinen. "Am besten trägt man gleich mehrere", sagt Designerin Brandt. Statt traditionell am Revers werden die Anstecker aber zum Beispiel auf der Taille platziert, oder sie halten einen Schal zusammen. Die Modeschöpferin empfiehlt Exemplare von Oma oder aus dem Secondhand-Laden, da alte Stücke meist weniger billig wirkten.

Vorsicht bei Perlenketten

Vorsicht ist bei Perlenketten angeraten. "Es gibt sicherlich Perlenkettentypen", sagt Maria Hans. Speziell bei solchen konservativen Schmuckstücken müsse aber die Mischung gekonnt sein. Modischer wirkten beispielsweise längere Ketten. "Mit einem ganzen Perlenset inklusive Ohrringen sieht man aber garantiert aus wie die eigene Mami - ich würde Perlen lieber zur Jeans tragen."

Fester Bestandteil der neuen, taillenbetonten Kostüme sind oft Gürtel. Für Evelin Brandt ist das ebenfalls eine gute Möglichkeit, das Outfit auf eigene Weise zu verändern. "Es muss ja nicht ein echter Gürtel sein", sagt sie. Alternative ist zum Beispiel ein Schal. "Ich habe aber auch schon eine zum Gürtel umfunktionierte Krawatte gesehen."

Modisch sind auch die klobigen Stiefel, die Trendsetterinnen diesen Winter zum Kostüm kombinieren. "Mit Turnschuhen kann es auch ganz witzig aussehen", sagt Maria Hans. Ebenfalls modisch in Ordnung gehen Ballerinas und spitze Stiefel. "Mit bestimmten Pumps kann es dagegen tantig aussehen."

Farbe gegen schwarz-graue Langeweile

Wichtig ist bei allen Accessoires, dass sie auch farbliche Akzente setzen. "Meistens haben Kostüme sehr solide Farben", sagt Maria Hans. Seien es das klassisch-konservative Dunkelblau oder die verschiedenen Brauntöne beim modisch-aktuellen Tweed: "Mit witzigen Farben lässt sich das Ganze auffrischen."

Auf keinen Fall aber sollten sich Frauen nur der Mode zuliebe in Schale werfen und sich dann verkleidet vorkommen. "Es gibt einfach Frauen, die sind keine Accessoire-Typen", sagt Evelin Brandt.

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