Dienstag, 23. April 2019

Fashion Week New York Maximaler Minimalismus

Bloß nicht zu bunt: Bei den Modeschauen in Big Apple hielten die etablierten Designer ihre Experimentierfreudigkeit im Zaume. Immerhin gab es ein politisches Skandälchen zu bestaunen.

New York - "In New York dreht sich alles ums Geschäft", sagte Gina Jean, eine der Ankleiderinnen, die sich bei den Schauen der New Yorker Modewoche hinter der Bühne darum kümmern, dass Models wie Gisele Bündchen, Naomi Campbell oder Karolina Kurkova makellos aussehen, wenn sie im grellen Scheinwerferlicht des Bryant Park die Laufstege entlang stolzieren. "In Paris oder London ist mehr Kreativität angesagt."

Luxuriöse Abendkleider für Stylisten und Stars: Calvin-Klein-Kleid in New York
In der Tat: Bedient wurden zwar viele Bedürfnisse bei der Modewoche, die am Freitag zu Ende ging. Verrücktes, Flippiges oder Mutiges gab es jedoch oft nur bei den jungen Designern zu sehen. Etwa bei Gary Graham, As Four oder Roberto Menichetti, dem früheren Chef-Designer von Jil Sander. Im hart umkämpften Markt der Einkäufer, Kunden und Modemagazine halten sich manche etablierten New Yorker Designer wie Donna Karan, Kenneth Cole oder Ralph Lauren an urbane und tragbare Klassiker.

Stylisten und Stars, die noch nach dem passenden Oscar-Outfit suchten, kamen jedoch auf ihre Kosten: Luxuriöse Abendkleider aus fließendem Satin und Mäntel mit Zobel-Krägen bot Oscar de la Renta. Das Designer-Duo Badgley Mischka hielt sich an halbdurchsichtigen Tüll mit aufgestickten Sternen. Vera Wang wählte Chiffon mit dem exakt perfekten Anteil an Rüschen und handgestickten Details. Große Aufmerksamkeit konnten sich Newcomer wie Narcisco Rodriguez erfreuen. Modekritiker loben seinen "maximalen Minimalismus", der sich in perfekt sitzenden, engen Schnitten in schwarzen oder cremefarbenen Entwürfen ausdrückt.



 Fashion Week: Kollektion von FUSCHA Olympus  Fashion Week: Kollektion von FUSCHA Olympus  Fashion Week: Kollektion von FUSCHA Olympus
 Fashion Week: Kollektion von FUSCHA Olympus  Fashion Week: Kollektion von Calvin Klein  Fashion Week: Kollektion von Calvin Klein

Auf dem Laufsteg:
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Auffällig ist, dass sich junge Designer gerne zu Teams zusammen tun, so auch Jack McCollough and Lazaro Hernandez, die hinter dem Label Proenza Schouler stehen. Lob heimsten sie für ihre Bilder von starken, sexy Frauen ein, die scheinbar direkt aus einer Fotografie von Helmut Newton entstiegen sind. Die Zusammenarbeit scheint sich auch für das Quartett As Four gelohnt zu haben, die sich in der jüngsten Ausgabe der Modezeitschrift "Vogue" wieder finden.

Mindestens so wichtig wie die Kollektionen waren die Partys: Das Staraufgebot erwies sich als ein wahres Fest für Paparazzi, die sich wie beim Sommerschlussverkauf auf die Prominenz stürzten. Die "Sex And The City"-Schauspielerinnen Sarah Jessica Parker und Kristin Davis wurden in gleißendes Blitzlicht getaucht, ebenso wie Hollywood-Stars Daryl Hannah und Holly Hunter und die Sänger Liza Minnelli, Harry Belafonte und Billy Joel. Selbst Laura Bush kam als allererste First Lady zu den Schauen nach New York.

Und für alle, die sich darüber mokieren, dass Glitzer und Glamour die politischen Realitäten in Amerika ausblenden, hält die Fashion Week dieses Mal immerhin einen Mini-Skandal bereit. Ein enges T-Shirt mit dem grell orangen Aufdruck "I'm Afraid of Americans". Es stammt von einem australischen Unternehmen, wurde jedoch an mehreren Besuchern der Modewoche gesichtet, unter anderem hinter den Laufstegen der Kenneth Cole und Diane von Fürstenberg-Schauen.

von Carla S. Reissman, DPA

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