Mittwoch, 11. Dezember 2019

Accessoires Von Gürteln und Riemen

Ein guter Gürtel begleitet seinen Träger über Jahre, doch viele Hosenhalter segnen das Zeitliche nach wenigen Monaten. Wer bereits beim Kauf des edlen Accessoires die Spreu vom Weizen trennen will, braucht Fingerspitzengefühl. Und Hintergrundwissen, das Gürtelmacher Bernd Kreis im Interview mit manager-magazin.de weitergibt.

mm.de:

Herr Kreis, wie viele Gürtel haben Sie in Ihrem Kleiderschrank?

Bernd Kreis, studierter Kunststofftechniker, übernahm 1996 die Gürtelwerkstatt seines Vaters Erich im hessischen Obertshausen. Er baute sie zum Fünf-Mann-Unternehmen aus, das Geschäfte in ganz Deutschland beliefert. Neben eigenen Kollektionen stehen auch Maßfertigungen nach Kundenwünschen auf dem Programm.
Kreis: So um die 25, die ich regelmäßig trage, in den verschiedensten Materialien und Ausführungen. Ich möchte ja aus eigener Erfahrung wissen, wie sich unsere Produkte im Alltag anfühlen.

mm.de: Gürtel ist nicht gleich Gürtel.

Kreis: Genau. Wir unterscheiden, grob gesagt, zwei Sorten. Zum einen klassische Gürtel, vernäht und mit einem mehrlagigen Aufbau, und Riemen, die aus einem Stück gefertigt sind und eher zur Jeans getragen werden. Zum Anzug trägt man in der Regel klassische Gürtel.

mm.de: Wie sieht das Innenleben eines solchen Gürtels aus?

Kreis: Der Aufbau besteht aus drei Lagen. Als Obermaterial wählen wir das Leder, das die Optik und den Charakter des Gürtels bestimmt. Wir schneiden diese Leder wesentlich breiter zu, als der Gürtel später sein soll. Anschließend werden die Ränder dünn geschärft und mit einem Einlagematerial verklebt. Wir schlagen die Ränder um, kleben auf der Innenseite ein hochwertiges Futterleder auf und vernähen den Gürtel. So erhält man Gürtelkanten, die nicht nur geschnitten und gefärbt sind, sondern echte Lederkanten.

Als zweite Schicht verwenden wir ein Faservlies-Material, das dauerelastisch ist und deshalb nicht verspröden und brechen kann. Außerdem ist es atmungsaktiv.

 Schlichte Schließen: Gürtelschnallen für Puristen  Mal mit Marke: Doch das Logo als Design ist nicht der Stil von Kreis' Handwerksbetrieb  Flach und flauschig: Rauleder sind in Mode  Tolle Tasche: Auf Kundenwunsch gibt's bei Bernd Kreis nicht nur Gürtel  Filo-Faxen: Die Aufteilung der Terminmappen bestimmt allein der Auftraggeber

Gürtel etc.: Klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

mm.de: Das ist wahrscheinlich auch die Schicht, die der Zugbelastung standhalten muss.

Kreis: Bei weichen Ledern ja, aber bei den meisten gängigen Ledern, die etwas fester sind, nimmt auch das Obermaterial schon Zug auf. Als Innenmaterial verwenden wir in der dritten Schicht wieder ein sehr hochwertiges, vollnabiges Leder.

mm.de: Welche Vorteile hat der mehrlagige Aufbau?

Kreis: Wenn man einen falschen Aufbau wählt, dann wirkt das Leder plump und fest, obwohl es doch eigentlich ein weiches Material ist. Im Idealfall entspricht der fertige Gürtel dem Charakter des Materials. Außerdem wirkt sich ein gut abgestimmter Aufbau positiv auf den Tragekomfort aus.

mm.de: Sie sprachen von vollnabigem Leder. Was bedeutet der Begriff?

Kreis: Bei vollnabigem Leder verbleibt die Oberhaut, der so genannte "Ledernaben", am Leder - ein wichtiges Qualitätskriterium. Das bekannte Etikett "Echt Leder" unterscheidet leider nicht zwischen dem klassischen Begriff vom Leder und Spaltleder. Für uns ist ein Leder nur dann "echt", wenn auch die Oberhaut mit ihren sehr feinen Faserschichten erhalten ist.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung