Accessoires Von Gürteln und Riemen

Ein guter Gürtel begleitet seinen Träger über Jahre, doch viele Hosenhalter segnen das Zeitliche nach wenigen Monaten. Wer bereits beim Kauf des edlen Accessoires die Spreu vom Weizen trennen will, braucht Fingerspitzengefühl. Und Hintergrundwissen, das Gürtelmacher Bernd Kreis im Interview mit manager-magazin.de weitergibt.

mm.de:

Herr Kreis, wie viele Gürtel haben Sie in Ihrem Kleiderschrank?

Kreis: So um die 25, die ich regelmäßig trage, in den verschiedensten Materialien und Ausführungen. Ich möchte ja aus eigener Erfahrung wissen, wie sich unsere Produkte im Alltag anfühlen.

mm.de: Gürtel ist nicht gleich Gürtel.

Kreis: Genau. Wir unterscheiden, grob gesagt, zwei Sorten. Zum einen klassische Gürtel, vernäht und mit einem mehrlagigen Aufbau, und Riemen, die aus einem Stück gefertigt sind und eher zur Jeans getragen werden. Zum Anzug trägt man in der Regel klassische Gürtel.

mm.de: Wie sieht das Innenleben eines solchen Gürtels aus?

Kreis: Der Aufbau besteht aus drei Lagen. Als Obermaterial wählen wir das Leder, das die Optik und den Charakter des Gürtels bestimmt. Wir schneiden diese Leder wesentlich breiter zu, als der Gürtel später sein soll. Anschließend werden die Ränder dünn geschärft und mit einem Einlagematerial verklebt. Wir schlagen die Ränder um, kleben auf der Innenseite ein hochwertiges Futterleder auf und vernähen den Gürtel. So erhält man Gürtelkanten, die nicht nur geschnitten und gefärbt sind, sondern echte Lederkanten.

Als zweite Schicht verwenden wir ein Faservlies-Material, das dauerelastisch ist und deshalb nicht verspröden und brechen kann. Außerdem ist es atmungsaktiv.

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mm.de: Das ist wahrscheinlich auch die Schicht, die der Zugbelastung standhalten muss.

Kreis: Bei weichen Ledern ja, aber bei den meisten gängigen Ledern, die etwas fester sind, nimmt auch das Obermaterial schon Zug auf. Als Innenmaterial verwenden wir in der dritten Schicht wieder ein sehr hochwertiges, vollnabiges Leder.

mm.de: Welche Vorteile hat der mehrlagige Aufbau?

Kreis: Wenn man einen falschen Aufbau wählt, dann wirkt das Leder plump und fest, obwohl es doch eigentlich ein weiches Material ist. Im Idealfall entspricht der fertige Gürtel dem Charakter des Materials. Außerdem wirkt sich ein gut abgestimmter Aufbau positiv auf den Tragekomfort aus.

mm.de: Sie sprachen von vollnabigem Leder. Was bedeutet der Begriff?

Kreis: Bei vollnabigem Leder verbleibt die Oberhaut, der so genannte "Ledernaben", am Leder - ein wichtiges Qualitätskriterium. Das bekannte Etikett "Echt Leder" unterscheidet leider nicht zwischen dem klassischen Begriff vom Leder und Spaltleder. Für uns ist ein Leder nur dann "echt", wenn auch die Oberhaut mit ihren sehr feinen Faserschichten erhalten ist.

Mit einem Handgriff Qualität erkennen

mm.de: Was ist ein Spaltleder?

Kreis: Wenn Sie eine Rinderhaut so verarbeiten, wie sie vom Tier abgezogen wird, dann erhalten Sie ein Leder mit einer Stärke von etwa vier Millimetern. Den Querschnitt dieser Haut müssen Sie sich so vorstellen: Oben kommt zunächst die Oberhaut mit den äußeren Hautporen. In diesem Bereich hat das Leder eine sehr feine Faserstruktur. Nach unten hin aber werden die Fasern immer gröber.

In der Gerberei kann die Oberhaut von ihrem unteren Aufbau getrennt werden. So gewinnt man praktisch zwei Häute: Das klassische Oberleder mit sehr feinen Faserstrukturen und das Spaltleder aus der unteren Hautschicht. Das Spaltleder besteht also nur aus groben Faserstrukturen, die lediglich mit einer dünnen glatten Oberfläche versehen werden. Damit sieht es aus wie Leder und darf nach Maßgabe der Lederverbände als Leder bezeichnet werden. Nur hat es natürlich andere Eigenschaften.

mm.de: Aber was ist der Unterschied für den Träger im Alltag?

Kreis: Spaltleder beginnt relativ frühzeitig, an der Oberfläche aufzubrechen. Darunter kommen grobe Strukturen zum Vorschein. Oft zeigt sich das im Gürtelloch schon nach wenigen Monaten.

mm.de: Das heißt, der Gürtel hält nicht so lange wie andere.

Kreis: Richtig.

mm.de: Sind das die wichtigsten Unterschiede zwischen handwerklich gefertigten Gürteln und solchen vom Fließband?

Kreis: Ich will Industriegürteln nicht absprechen, dass hier als Obermaterial oft hochwertige Leder verarbeitet werden. Woran es meist mangelt, ist der Aufbau der unteren Lagen, wo Weich-PVC oder Spaltleder eingesetzt wird. Diese Materialien werden leicht spröde. Bei billigen Gürteln ist häufig einfach Pappe eingearbeitet, die schnell zerfasert. Dann wellt sich die Oberfläche des Gürtels.

Leider merkt man als Laie erst nach längerem Tragen, wie gut die Qualität eines Gürtels wirklich ist. Ein paar Jahre sollten auch preisgünstige Gürtel schon halten. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man unbedingt die Marke wechseln.

mm.de: Aber es muss doch Merkmale geben, an denen ich bereits im Laden einen guten Gürtel erkennen kann! Der Preis ist ja ein sehr trügerisches Kriterium.

Kreis: Ein sicherer Hinweis auf sorgfältige Verarbeitung ist, wenn die Gürtelkanten nicht geschnitten und gefärbt sind, sondern umgeschlagen, so dass man auch im Profil des Gürtels eine echte Lederoberfläche sieht. Das machen allerdings nur noch wenige Hersteller.

Bei den Riemenqualitäten, also typischen Jeansgürteln, liegt der Fall anders. Das sind generell nur Lederstreifen, bei denen die Kanten geschliffen und - im besten Fall - poliert werden.

Die Qualitätsunterschiede bei beiden Sorten lassen sich im Laden am ehesten überprüfen, wenn man einen Gürtel durch die Hand gleiten lässt. Sind die Kanten uneben, rau oder gar scharfkantig, dann rate ich ab.

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