Hightech-Bekleidung "Immer online sein"

Kleidung, die Extremsportler vor Temperaturstürzen warnt - das soll bald keine Zukunftsmusik mehr sein. Die Perspektiven der Hightech-Garderobe erläutert Isa Hofmann von der Messe Frankfurt im Gastbeitrag für manager-magazin.de.

Im Zeitalter der Nano-, Gen- und Informationstechnologie steht die Kulturgeschichte der Mode und des Wohnambientes vor einer sensationellen Weiterentwicklung. Die Revolution liegt in der neuartigen Symbiose von Technik, Medizin und Textil.

Der Zukunftsforscher Ray Kurzweil sagt voraus, dass wir bereits in weniger als einem Jahrzehnt Computer in Brillengläsern oder Kontaktlinsen haben werden. Sie werden Teil von Hemden oder Sakkos sein. Monitore brauchen wir dann auch nicht mehr, weil sämtliche Informationen auf unsere Netzhaut projiziert werden können. Wir werden praktisch ununterbrochen online sein.

Die überwiegende Mehrheit der auf der zweiten Avantex im Mai 2002 vorgestellten Produkte aus dem Multimedia- und Gesundheitsbereich sind derzeit noch Prototypen, wenngleich seit der Erstveranstaltung in 2000 die Marktkonformität deutlich gewachsen ist.

Das Revolutionäre an diesen neuen Produktangeboten ist, dass sie in einem interdisziplinären Spannungsfeld vollkommen artfremder Branchen entstehen. Designer und Textilingenieure beraten sich zunehmend mit Mikrosystem-Technikern, Sensor- und Transponder-Spezialisten, Medizinern und Pharmazeuten.

Kinderoutfit mit integriertem Notrufsystem und Ortung

Kinderoutfit mit integriertem Notrufsystem und Ortung

Outdoor-Jacke mit temperaturausgleichendem Wetterschutzsystem

Outdoor-Jacke mit temperaturausgleichendem Wetterschutzsystem

Noch strapazierfähigere Feinstrumpfhose mit antibakteriellem Schutz

Noch strapazierfähigere Feinstrumpfhose mit antibakteriellem Schutz

Weste mit MP3-Player

Weste mit MP3-Player

Kinder-Outfit mit integriertem Notrufsystem und Ortung

Kinder-Outfit mit integriertem Notrufsystem und Ortung


Impressionen technikgestützer Mode:
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Das Funktionsspektrum dieser neuen Materialien und Produkte, die nicht selten zunächst für militärische Zwecke oder in der Weltraumforschung entwickelt wurden, reicht von der Klimatisierung, über das Wohlfühlen, Gesundheitserhaltung, -überwachung, Rehabilitation bis hin zum Personenschutz und zur Kommunikation.

Handschuh mit muskelähnlichen Fasern

Für elektronikbasierte Bekleidungskonzepte sind in den kommenden Jahren äußerst interessante Anwendungsfelder denkbar, vor allem im Bereich Sicherheit und Kommunikation. Im Zuge einer überalternden Gesellschaft in den westlichen Industrieländern sind einerseits durch die wachsende Bedeutung der Heimpflege und andererseits durch ein generell akzentuierteres Gesundheits- und Wellnessbewusstsein eine Vielzahl neuartiger Bekleidungstextilien zu erwarten, die vor allem in den Bereichen Prävention, Monitoring und Rehabilitation wertvolle Lösungen bereithalten.

Im Gesundheitsbereich werden in Anlehnung an das bereits existierende Lifeshirt von Vivometrics Produkte entstehen, die Vitalfunktionen wie Blutdruck, Herzfrequenz, Blutzucker kontrollieren und im Notfall Hilfe rufen. Intelligente Polymere werden in der Prävention oder Rehabilitation zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, Bewegungsmuster zu trainieren oder Muskeln und Sehnen durch entsprechende Bewegung zu stärken und wieder funktionsfähig zu machen.

Ein australisches Forscherteam hat einen intelligenten Handschuh mit muskelähnlichen Fasern entwickelt, der Patienten nach einem chirurgischen Eingriff oder anderen traumatischen Erlebnissen in der Rehabilitationsphase hilft. In das Textil integrierte Stretch-Sensoren zeigen gesundheitsschädliche Bewegungen an und helfen dem Träger, andere Bewegungsmuster einzuüben.

Im Outdoor-Bereich sind Technologien zu erwarten, die Warnfunktionen übernehmen, so beispielsweise bei Extremsportarten Schlechtwetterzonen, Temperaturstürze oder andere gefährliche Umweltveränderungen anzeigen und entsprechend Alarmsignale aussenden.

Winzigste, elektronische Bauteile und Sensorsysteme werden in wenigen Jahren unsichtbar in das Textil integriert sein und selbstständig Kontroll-, Steuerungs- und Regelprozesse übernehmen. Dies können Computertastaturen, Handys, Mikrofone, MP3-Player, Radios, Videokameras oder auch Satellitennavigationssysteme sein. Das Textil wird zum Medium für mobile elektronische Hightech-Systeme. Solche Entwicklungen werden voraussichtlich in den nächsten fünf bis sechs Jahren Marktreife erlangen.

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