Donnerstag, 14. November 2019

Luxusuhren Filigrane Zeitarbeit

Digitaluhren sind ein Massenprodukt. Mechanische Luxusuhren dagegen werden aus bis zu 500 Teilen gefertigt, viele davon kunstvoll verziert. Wie solch ein Zeitmesser und damit ein Stück zeitloser Mode entsteht, schildert Frank Müller, Chef der sächsischen Uhrenmanufaktur Glashütte Original, im Gastbeitrag für manager-magazin.de.

Die Kunst, hochkomplizierte Uhren in höchster Vollendung zu fertigen, hat eine lange Tradition.

Kein Unbekannter in der Uhrenbranche: Frank Müller, Geschäftsführer von Glashütte Original, übernahm am 1. September das Amt vom langjährigen Chef Heinz W. Pfeifer

Die Wiege eines jeden Uhrenmodells ist der Bereich Produktplanung und Konstruktion, wo Design und Mechanik der Uhren erdacht, konzipiert und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dabei stehen in der Regel Funktionalität und Präzision im Mittelpunkt.Nach dem Bau und Erproben eines Prototypen erfolgt im dritten Schritt die Fertigung der in manchen Fällen mehreren hundert Einzelteile eines Uhrwerks. Für diese benötigt man spezielle Werkzeuge und Vorrichtungen.Die entsprechenden Bohrer, Fräser und Gravierstichel werden zunächst in einer Werkzeugbauabteilung eigens hergestellt. Sie kommen dann in hochmodernen CNC-Maschinen bei der Fertigung der flächigen Einzelteile zum Einsatz.

Maßarbeit: Unter der Lupe prüft der Uhrmachermeister den soeben vollendeten Montageschritt

Computergesteuert wählen die Maschinen unter bis zu 90 Werkzeugen eines nach dem anderen aus, um in vielen Arbeitsschritten aus speziellem Uhrenmessing Platinen, Kloben oder Brücken herzustellen.Die in einem Toleranzbereich von wenigen tausend Millimetern bearbeiteten Einzelteile werden immer wieder genauen Qualitätsprüfungen unterzogen. Im Messraum der Glashütte Original zum Beispiel nimmt ein 3D-Messcomputer eine Werkplatine mit nicht weniger als 120 Einzelmesspunkten "unter die Lupe". Bei der Produktion von Hebeln oder Federn arbeitet man in feinen Manufakturen zumeist mit der Drahterodiertechnik, die den hohen Präzisionsanforderungen als auch der nötigen Flexibilität einer modernen Manufakturproduktion gerecht wird. Mittels eines Drahtes, an dem eine Spannung anliegt, wird das zu fertigende Teil aus Metallstreifen ausgeschnitten.

Im letzten Bereich der Teilefertigung werden auf Langdrehautomaten alle runden Teile wie Triebe, Wellen, Stifte und Schrauben gefertigt. Die kleinste hier produzierte Schraube hat ein Gewinde von nur 0,3 Millimeter Durchmesser. Damit diese winzigen Teile später im Uhrwerk richtig zusammenwirken, werden sie anschließend noch verzahnt, das heißt auf speziellen Fräsautomaten mit Zähnen versehen.Im Anschluss an den Fertigungs- und ersten Prüfprozess werden als vierter Schritt in der Entstehung einer feinen mechanischen Uhr die vielen Einzelteile nach historisch überlieferten Verfahren vollendet. Bei dieser Finissierung der Teile wird die Oberfläche von Rädern, Kloben, Platinen und anderen Teilen mit viel Liebe zum Detail mit Schliffen verziert und von Hand dekoriert.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung