Freitag, 22. November 2019

Lederbekleidung "Davon konnten unsere Vorfahren nur träumen"

Leder ist ein modischer Dauerbrenner. Doch was macht gute Lederbekleidung aus? Und wohin steuert die Häute-Haute-Couture? Das fragte manager-magazin.de Walter Christ, Mitinhaber der Werner Christ GmbH, einem der profiliertesten Lederbekleidungsunternehmen Deutschlands.

mm.de:

Herr Christ, Ihr Unternehmen wurde 1954 von Ihrem Vater gegründet. Mit welchen Produkten ging er damals an den Start?

"Das Design ist ausschlaggebend für den Erfolg": Walter Christ
Christ: Er begann zunächst mit der Produktion von Wetterschutz- und Motorradbekleidung. Aber bereits 1959 brachte er die erste Modekollektion aus Velours- und Nappaleder auf den Markt. Zunächst noch mit wenigen Modellen und in wenigen Farben.

mm.de: Wenn Sie zurückblicken, wie hat sich die Ledermode verändert?

Christ: Mode ist immer ein Kind ihrer Zeit. Waren in den 50ern die Modelle noch eher elegant, wurden sie in den 60ern und 70ern trendiger durch das Spiel und den Mix von verschiedenen Längen wie Mini und Maxi. Die Ledermode der 80er und 90er dagegen war sportiver und funktioneller. Heute findet man eine moderne Klassik, die Trends aus den 60ern und 80ern aufgreift, aber sehr wertig umgesetzt wird. Dazu besticht unsere Mode durch die Leichtigkeit der Materialien und beste Verarbeitungsqualität. Wir verarbeiten zum Beispiel die leichtesten Lammfelle der Welt, die Corderitos, zu extraleichten Jacken und Mänteln.

mm.de: Womit wir bereits bei einem Ihrer Lieblingsthemen wären. Ihr Unternehmen gilt als Lammfellspezialist - welche Gründe gibt es für diese Spezialisierung?


Aus der Christ-Kollektion: Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

In den späten 60er Jahren geriet Lederbekleidung in Deutschland durch Importe aus Billiglohnländern immer mehr unter Preisdruck. Um sich diesem zu entziehen, verlagerten wir unseren Produktionsschwerpunkt auf Modelle aus Lammfellen. Mit dem Aufbau eines eigenen Konfektionsbetriebes in Uruguay im Jahre 1982 nahm diese Spezialisierung durch die Aufnahme der leichten Corderitos Lammfelle noch zu.

mm.de: Was zeichnet Lammfell als Bekleidungsmaterial aus?

Christ: Es handelt sich hierbei um eines der ältesten und natürlichsten Materialien überhaupt. Leder- und Lammfellhäute wurden als Nebenprodukt der Fleischgewinnung schon frühzeitig haltbar gemacht und erwiesen sich als schützendes und wärmendes Material. Das gilt heute genauso wie früher. Nur das durch bestimmte Gerb- und Zurichtprozesse die Ware heute so fein und leicht gemacht wird, wovon unsere Vorfahren nur träumen konnten.

mm.de: Dennoch gibt es viele, die auf andere Materialien schwören. Wie würden Sie zum Beispiel einen eingeschworenen Jeansjackenträger zum Wechsel bewegen?

Christ: Das ist heute keine Frage des "Entweder-Oder", sondern eine Frage des "Sowohl-als-auch". Warum soll der Jeansjackenträger nicht auch Lammfell- und Lederbekleidung tragen? Selbstverständlich kann man auch mit der Natürlichkeit und der Atmungsaktivität des Materials argumentieren. Wichtig ist aber, dass das Produkt modern und trendig rüber kommt.

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