Manager-Mode "Rolf-E. Breuer war gelegentlich gut gekleidet"

In Sachen Outfit ist Deutschland ein Entwicklungsland, findet Tom Reimer. Der Maßschneider nennt im Interview mit manager-magazin.de die schlimmsten Mode-Sünden und sagt, welche Manager sich vorbildlich kleiden.

mm.de:

Herr Reimer, Sie sind dafür bekannt, die äußere Erscheinung von Managern zu beurteilen. Wie sieht es aus mit etwas Selbstkritik? Was war Ihr größter modischer Fauxpas?

Reimer: Da gab es diverse Sachen. Zum Beispiel in den siebziger Jahren. Wrangler-Jeans mit Verlängerung, das ging gar nicht. Das Ganze wurde zudem mit bunten Plastikbändern befestigt. Wirklich grauenhaft.

mm.de: Zurück zur Gegenwart: Was ist nach Ihrer Erfahrung der größte Fehler, den Führungskräfte beim Anzug machen können?

Reimer: Jede Form von Nachlässigkeit ist eine potenzielle Fehlerquelle. Dabei gibt nicht unbedingt die Preisklasse des Anzugs den Ausschlag. Es geht los bei der richtigen Auswahl von Hemden, Krawatten und Schuhen. Hier zu Lande wird meist das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Billige Schuhe werden mit Themenkrawatten kombiniert. Wenn dann noch ein kariertes Hemd angelegt wird, kann man schon mal einen Blutsturz kriegen. Da tauchen die abenteuerlichsten Kombinationen auf.

mm.de: Bei welchen Utensilien werden die meisten Fehler gemacht?

Reimer: Bei Krawatten und bei Schuhen. Durch die falsche Auswahl kann man selbst den besten Anzug hinrichten.

mm.de: Ist das Gespür für den richtigen Stil erlernbar?

Reimer: Natürlich. In Deutschland hört man so etwas natürlich nicht gern. Hier ist man gleich ein eitler Gockel, wenn die Bekleidung stimmt. Im Zweifelsfall gilt aber: Weniger ist mehr. Laien sollten nicht gleich Gas geben, was die Gestaltung angeht. Also nicht mit bunten Krawatten oder Hemden experimentieren. Die meisten Leute meinen, sie müssten etwas Witziges machen. Nach dem Motto: Ich habe einen grauen Anzug an, da muss jetzt eine bunte Krawatte drauf. Solche Experimente gehen meist daneben.

mm.de: Wird der Einfluss der Bekleidung nicht überbewertet?

Reimer: Entscheidend ist das Äußere im Zweifelsfall nicht. Aber die Kleidung ist eine Visitenkarte. Wer nur gut angezogen ist und sonst nichts im Kopf hat, hat sicher keine Chance. Umgekehrt lässt sich schlechte Kleidung auch kraft des Intellekts kaschieren. Warum aber nicht die Kombination von beidem suchen?

mm.de: Auf welche Weise profitieren Manager von guter Kleidung?

Reimer: Ihr Auftreten ist sicherer, wenn sie wissen, dass sie keine schlechte Figur machen. Das ist ein Beweggrund meiner Kunden, zu mir zu kommen und sich von mir beraten zu lassen. Gute Kleidung ist aus meiner Sicht ein Zeichen von Professionalität.

mm.de: Lässt sich die gewünschte Wirkung auch mit dem Anzug von der Stange erzielen?

Reimer: Unter Umständen tut es sicher auch das preiswertere Produkt. Sie können von Hamburg nach München im Golf fahren und kommen an. Sie können auch mit der S-Klasse fahren und kommen besser an. Notwendig ist die S-Klasse aber nicht. Es ist eine Frage des Komforts. Das gleiche Prinzip gilt für die Wahl zwischen Maß- und Stangenanzug.

Die Mode-Sünden der Manager

mm.de: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Geschäftsmode auch von wirtschaftlichen Trends bestimmt wird, siehe New Economy. Ist die Etikette insgesamt lockerer geworden?

Reimer: Nein. Wenn sich heute ein Bewerber ohne Krawatte für die Führungsebene in einem großen Unternehmen vorstellt, wird er nach wie vor schräg angeguckt. Da hat sich nichts geändert. Selbst in der Werbebranche werden die Leute, die die Etats verhandeln, ohne Krawatte nicht auskommen. Casual Friday hin, Casual Friday her.

mm.de: Was haben Sie gegen den Casual Friday?

Reimer: Das ist eine Unsitte. Dahinter steckt ein Herdentrieb, der übrigens eigentlich gar nicht stattfindet. Casual Fridays werden höchstens in der Berichterstattung praktiziert. Auch in den USA ist diese Unart längst nicht mehr so populär. Wenn es wirtschaftlich schlechter geht, wollen Manager offenbar wieder seriöser auftreten.

mm.de: Welcher Manager hat aus Ihrer Sicht Vorbildcharakter, was die Bekleidung angeht?

Reimer: So schlecht war Ron Sommer nicht angezogen. Thomas Middelhoff hatte bei der Anzugwahl auch eine bessere Hand als viele andere. Rolf-E. Breuer war gelegentlich ebenfalls gut gekleidet.

mm.de: Bei welchen Akteuren sehen Sie noch Beratungsbedarf?

Reimer: Im Prinzip bei den meisten. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich etwa Italiener oder in Teilen auch die Engländer zu kleiden wissen, fehlt ganz sicher. Manager, die Spitzenpositionen innehaben und sich gleichzeitig gut kleiden, sind in Deutschland eine Seltenheit. Gleichzeitig sollten gerade diese Manager nicht über die Bekleidung beurteilt werden. Das halte ich an dieser Stelle für übertrieben.

mm.de: Sie sehen demnach einen erhöhten Bedarf an Stilberatern für Führungskräfte?

Reimer: Ja, unbedingt. Wenn Führungskräfte diesen Dienst nicht von Haus aus bekommen, sollten sie sich selbst darum kümmern.

mm.de: Zum Abschluss: Nennen Sie sieben Sünden, die Manager beim Outfit niemals begehen sollten?

Reimer: Zu weite oder zu enge Jacken. Zweitens: Gleiches gilt für zu lange oder zu kurze Hosen. In Deutschland sind die Hosen in den allermeisten Fällen zu lang. Drittens: die falsche Krawattenwahl. Viertens: Krawattennadeln halte ich generell für unangebracht. Fünftens: Das falsche Hemd unter dem falschen Anzug. Sechstens: Socken. Oder noch schlimmer: Themenstrümpfe mit Micky Maus drauf. Die begegnen mir auch gelegentlich morgens im Flieger. Siebtens: zweifarbige Schuhe, zum Beispiel blau mit braun. Mit Mehrtonschuhen liegt man garantiert immer daneben.

Chat-Bericht: Tom Reimer über Mode und Karriere Rolf-E. Breuer: Nur einer verdiente mehr Deutsche Bank: Bauchfrei war gestern


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