Flugreisen Miles & More ändert die Regeln - was Vielflieger beachten sollten

2023 wird das letzte Jahr im alten Miles & More System sein. 2024 gibt es massive Änderungen und natürlich auch Gewinner und Verlierer. Ein Überblick.
Ein Gastbeitrag von Alexander Koenig
Miles and more: Das neue System belohnt diejenigen, die viel, günstig und kurze Interkontinental-Strecken mit der Lufthansa Group fliegen.

Miles and more: Das neue System belohnt diejenigen, die viel, günstig und kurze Interkontinental-Strecken mit der Lufthansa Group fliegen.

Foto: Jens Büttner/ dpa

Im Januar 2024 ist es soweit: Miles & More, Europas größtes Vielfliegerprogramm, wird auf ein neues System zur Vielfliegerstatusvergabe umstellen. Eigentlich war das schon 2019 angekündigt worden, doch dann hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ein genereller Trend ist bei Vielfliegerprogrammen, dass es für die Statusvergabe und das Prämienmeilen sammeln unterschiedliche "Währungen" gibt. So unterscheidet z. B. British Airways zwischen Avios (Prämienmeilen) und Statuspunkten. Bei Air France gibt es neben den Meilen sogenannte Experience Points für die Statusvergabe.

Alexander Koenig

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de ), dem Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig.

Neues Punktesystem für die Statusvergabe

Lufthansa Miles & More wird ab 2024 zwischen Prämienmeilen (wie bisher) auf der einen Seite und "Points", "Qualifying Points" und "HON Circle Points" für die Statusvergabe unterscheiden.

· Points sammelt man auf allen Flügen in der Star Alliance.

· Qualifying Points gibt es nur auf Flügen mit der Lufthansa Group (Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Eurowings Discover, Air Dolomiti) bzw. mit den mitherausgebenden Miles & More Airline Partnern (Croatia Airlines, LOT Polish Airlines und Luxair).

· HON Circle Points verhalten sich wie Qualifying Points, nur dass sie ausschließlich in Business und First Class vergeben werden.

Kriterien der Punktevergabe

Für die Festlegung der Anzahl der Punkte zählen dann nur noch die Reiseklasse (Economy, Premium Economy, Business, First Class) sowie die Unterscheidung zwischen kontinentalen und interkontinentalen Flügen.

Die Gutschriften für kontinentale Flüge sind ab 2024 pro Flugsegment

· Economy Class 20 Points / Qualifying Points

· Premium Economy Class 20 Points / Qualifying Points

· Business Class 40 Points / Qualifying Points / HON Circle Points

· First Class 40 Points / Qualifying Points / HON Circle Points

Die Gutschriften für interkontinentale Flüge sind ab 2024 pro Flugsegment

· Economy Class 60 Points / Qualifying Points

· Premium Economy Class 80 Points / Qualifying Points

· Business Class 200 Points / Qualifying Points / HON Circle Points

· First Class 300 Points / Qualifying Points / HON Circle Points

Ein Business Class Return-Flug von Frankfurt nach Dubai bringt somit beispielsweise 400 Points. Und wenn man mit einer Airline der Lufthansa Group oder mit mitherausgebenden Miles & More Airline Partnern fliegt, sind es sogar 400 Qualifying Points und HON Circle Points, da Business Class.

Statusqualifikation

Mit 650 Points und 325 Qualifying Points in einem Kalenderjahr erhält man den Frequent Traveller Status und mit 2.000 Points und 1.000 Qualifying Points den Senator Status. Man muss also zur Hälfte mit der Lufthansa Group bzw. mit den mitherausgebenden Miles & More Airline Partnern fliegen, um einen Vielfliegerstatus überhaupt erreichen zu können. Den HON Circle Status gibt es ab 6.000 HON Circle Points. Die Statusgültigkeit wurde von zwei Jahren auf ein Jahr reduziert. Das Sammeln von Prämienmeilen bleibt unverändert. Wie bei jeder umfangreichen Änderung gibt es je nach Kundengruppe Gewinner und Verlierer.

Gewinner des neuen Miles & More

Das neue System belohnt diejenigen, die viel, günstig und kurze Interkontinental-Strecken mit der Lufthansa Group fliegen. Das ist teilweise gegen den Trend bei anderen Bonusprogrammen, die z. B. im amerikanischen Raum eine umsatzabhängige Komponente eingeführt haben. Im neuen Miles & More spielt der Umsatz keine Rolle. Wer z. B. sein Ticket früh bucht, mag für einen Los Angeles Lufthansa Business Class Flug 3.500 Euro zahlen. Wer spät dran ist, zahlt hingegen 7.000 Euro, das Doppelte.

Bisher ging das in der Regel auch dank einer höheren Buchungsklasse mit einer höheren Meilengutschrift einher – ab 2024 werden beide Tickets gleichbehandelt. Bisher war auch die geflogene Flugdistanz neben der Buchungsklasse maßgeblich für die Statusmeilenvergabe. Im neuen System erhält jemand, der nach Dubai fliegt, dieselbe Punktegutschrift wie jemand, der in das doppelt so weit entfernte Singapur fliegt.

Gewinner sind somit alle,

· die stets die günstigsten Flugtickets (vor allem in Business Class) buchen

· die interkontinental eher auf kürzeren Strecken unterwegs sind (z. B. Dubai, New York)

· die innerdeutsch oder innereuropäisch jede Woche mit günstigen Economy Class Tickets fliegen. In der Vergangenheit war die Erreichung eines Senator Status auf diesem Weg nicht möglich. Jetzt reichen 100 geflogene Segmente pro Jahr.

· die primär mit der Lufthansa Group fliegen

Ebenfalls positiv ist die offizielle Verankerung eines Lifetime Frequent Traveller bzw. Senator Status. Ersteren gibt es ab 30.000 Lifetime Qualifying Points, letzteren ab 40.000.

Verlierer des neuen Miles & More

Die Verlierer ergeben sich zum Großteil spiegelbildlich zu den Gewinnern. Verlierer sind

· Geschäftsreisende, die ihre Tickets meist kurzfristig und teuer buchen

· Reisende, die interkontinental eher auf längeren Strecken unterwegs sind (z. B. Asien, Südamerika)

· Premium Economy Class Reisende, die jetzt kaum mehr Punkte als Economy Class Reisende erhalten. Im alten System gibt es für Premium Economy Class Flüge sogar dieselbe Anzahl an Statusmeilen wie für günstige Business Class Flüge.

· Reisende mit zeitlich wechselnder Flugfrequenz, da das neue System jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Flügen zur Statuserhaltung erfordert (im alten System nur alle zwei Jahre)

· Reisende, die verstärkt außerhalb der Lufthansa Group mit anderen Star Alliance Carriern unterwegs sind, da im neuen Miles & More die Hälfte des Status mit Qualifying Points eingeflogen werden muss.

Doch der größte Nachteil des neuen Miles & More ist, dass die Statusvergabe nur noch für ein Jahr statt wie bisher für zwei Jahre erfolgt.

Fazit

Nach einer mehrjährigen Hängepartie ist es ab 2024 endlich so weit. Lufthansa Miles & More führt ein neues System zur Statusvergabe ein, das feste Punktzahlen nach Reiseklasse und kontinentalen vs. interkontinentalen Flügen vergibt. Belohnt wird vor allem, viel und günstig zu fliegen. Das Nachsehen haben u.a. Geschäftsreisende, die in der Regel auf flexibleren und teureren Tickets unterwegs sind. Da die neue Statusvergabe nur noch für ein Jahr statt wie bisher für zwei erfolgt, ist für die meisten zu empfehlen, noch im Jahr 2023 die Status(re-)qualifikation durchzuführen.

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More, dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

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