Schlappe für Beisheim und Meridian Křetínský überschreitet 30-Prozent-Schwelle bei Metro

Das Metro-Management hatte die Aktionäre immer wieder aufgefordert, die Offerte von Milliardär Křetínský abzulehnen. Umsonst - der Tscheche hat sein Ziel erreicht.
Ziel erreicht: Milliardär Daniel Křetínský hat seinen Anteil bei Metro weiter ausgebaut

Ziel erreicht: Milliardär Daniel Křetínský hat seinen Anteil bei Metro weiter ausgebaut

Foto: Thomas SAMSON / AFP

Metro-Großaktionär Daniel Křetínský (45) wird mit seiner Übernahmeofferte für den Großhandelskonzern ein erstes Ziel erreichen. Bis zum Mittwoch wurde das freiwillige Übernahmeangebot seiner Investmentgesellschaft EPGC für den Düsseldorfer Konzern für knapp sechs Millionen Stammaktien angenommen, das entspricht einem Anteil von rund 1,64 Prozent, wie EPGC am Donnerstag mitteilte.

Damit nimmt EPGC die 30-Prozent-Hürde - denn die Gesellschaft verfügt bereits über 29,99 Prozent der Anteile. Zudem hat sie sich Optionen über weitere 4,99 Prozent gesichert. Die erste Annahmefrist für die Offerte läuft noch bis Donnerstag um Mitternacht, danach dürfte eine erweiterte Annahmefrist für die Metro-Aktionäre von zwei Wochen folgen.

Vorstand und Aufsichtsrat der Metro hatten bislang das Übernahmeangebot als zu niedrig abgelehnt und den Aktionären empfohlen, es nicht anzunehmen. EPGC will 8,48 Euro je Stammaktie und 8,89 Euro je Vorzugsaktie auf den Tisch legen. Am Donnerstag notierten die Metro-Stammaktien  bei 8,41 Euro.

Křetínský und sein Investitionspartner Patrik Tkac (47) hatten zuvor das Ziel ausgegeben, ihren Metro-Anteil auf über 30 Prozent zu steigern. Dann könnten sie sich ungehindert weiter mit Metro-Aktien eindecken und ihre Macht ausbauen, hieß es. Freie Hand haben sie damit aber nicht bei dem Großhandelskonzern. Denn die Großaktionäre Beisheim und Meridian hatten bereits angekündigt, ihr Anteilspaket von gut 23 Prozent behalten zu wollen. An ihrem Widerstand war eine vergangene Übernahme-Offerte Křetínskýs gescheitert.

Auch als Metro  jüngst Quartalszahlen vermeldete, hatte das Management die Empfehlung wiederholt, Křetínskýs Angebot nicht anzunehmen. Zwar hatte der Großhandelskonzern, zudem einst die Elektronikketten Media Markt und Saturn und der Kaufhauskonzern Galeria Kaufhof gehörten, stark unter der Corona-Krise gelitten, da viele Kunden wie Gastronomie- und Hotelbetriebe zeitweise schließen mussten. Im vierten Geschäftsquartal (Ende September) konnte Metro die Umsatzeinbußen jedoch wieder teils wettmachen. Das Niveau des Vorjahres sei annähernd erreicht, hieß es. Für das Gesamtjahr 2019/20 verzeichnete Metro jedoch Rückgänge bei Umsatz und operativem Ertrag (Ebitda). So schrumpften die Erlöse von 27,1 Milliarden Euro im Vorjahr auf 25,6 Milliarden Euro. Das Ebitda werde "am oberen Ende des Prognosekorridors erwartet". Metro hatte hier einen Rückgang zwischen 200 und 250 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Wie sich die neuerlichen Corona-Maßnahmen auswirken werden, ist noch nicht klar. Auch ist ungewiss, wohin Křetínský den Konzern mit immer noch knapp 100.000 Beschäftigten hinsteuern möchte. Gewiss ist aber, dass Konzernchef Olaf Koch (50) das Unternehmen Ende des Jahres verlassen wird. Sein noch zu kürender Nachfolger wird mit den mächtigen Großaktionären klarkommen müssen.

akn/Reuters
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