Urteil in London Zwei Jahre und sechs Monate Haft für Boris Becker

Nach dem Schuldspruch vor wenigen Wochen hat das Gericht in London die Strafe für Boris Becker festgelegt. Der Ex-Tennisstar soll wegen seiner Insolvenzstraftaten für zwei Jahre und sechs Monate hinter Gitter.
Im Regen: Boris Becker soll laut Gerichtsurteil hinter Gitter

Im Regen: Boris Becker soll laut Gerichtsurteil hinter Gitter

Foto: TOLGA AKMEN / AFP

Der ehemalige Tennisstar Boris Becker (54) ist wegen seiner Insolvenzstraftaten zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das entschied ein Gericht in London am Freitag. Der frühere Ausnahmesportler hatte Vermögen im Wert von mehr als einer Million Euro in seinem Insolvenzverfahren nicht offengelegt. Eine Jury hatte Becker deshalb vor drei Wochen in mehreren Anklagepunkten schuldig gesprochen. Becker hatte die Vorwürfe bestritten. Er kann gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.

Die Laienrichter am Londoner Gerichtshof Southwark Crown Court waren zu der Ansicht gelangt, dass Becker den Besitz einer Immobilie in seinem Heimatort Leimen verschleiert, unerlaubterweise hohe Summen auf andere Konten überwiesen sowie Anteile an einer Firma für künstliche Intelligenz und eine Darlehensschuld verschwiegen hatte.

Becker in vier von 24 Anklagepunkten schuldig

Am Gerichtshof Southwark Crown Court herrschte zur Entscheidung großer Andrang. Die Sitzung wurde deshalb in einen deutlich größeren Saal verlegt. Die Staatsanwaltschaft hatte insgesamt 24 Anklagepunkte gegen Becker erhoben. Anklägerin Rebecca Chalkley sah es als erwiesen an, dass Becker zahlreiche Besitztümer absichtlich verschwiegen hatte und nun seinen Beratern die Schuld zuwies, die sich ihm zufolge um seine Finanzen gekümmert hatten.

Becker hatte die Vorwürfe strikt zurückgewiesen. Er habe weder Zeit noch Expertise gehabt und finanzielle Fragen daher stets seinen Beratern überlassen, hatte Becker vor Gericht ausgesagt. Der Verteidiger der Tennis-Legende hatte erklärt, sein Mandant sei zwar naiv, aber unschuldig. Er sei zudem nicht rechtzeitig informiert worden, welche Pflichten er nach seiner Insolvenz hatte.

In 20 Punkten folgte die Jury der Argumentation des Verteidigers, auch bei der Frage nach verschwundenen Pokalen. Doch der Schuldspruch in vier Punkten reicht aus, um Beckers Leben grundlegend zu verändern.

Finanzielle Probleme trotz 50 Millionen Dollar Preis- und Werbegelder

Becker, der in London lebt, war 2017 gerichtlich für zahlungsunfähig erklärt worden. Daraufhin musste er den Insolvenzverwaltern sein Vermögen offenlegen – dabei ließ er aber nach Einschätzung des Gerichts wichtige Teile aus. Der dreifache Wimbledon-Sieger hatte zwar während seiner Karriere etwa 25 Millionen US-Dollar an Preisgeld eingesammelt und nach eigenen Schätzungen etwa dieselbe Summe mit Werbung verdient. Dennoch geriet er in finanzielle Probleme. Becker machte dafür vor Gericht unter anderem die teure Scheidung von Ex-Frau Barbara verantwortlich sowie hohe Unterhaltskosten für Tochter Anna Ermakowa.

Becker kommentiert unter anderem für die BBC Tennisturniere und erfreut sich bei den Britinnen und Briten großer Beliebtheit. Seine Partnerin Lilian De Carvalho Monteiro begleitete ihn jeden Tag ins Gericht, zuletzt war auch sein ältester Sohn Noah an seiner Seite. Die beiden waren auch am Freitag mit dabei.

Der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Dietloff von Arnim, hatte vor der Strafmaßverkündung seine Loyalität mit Becker bekräftigt. Dieser habe für das deutsche Tennis "unstreitig herausragende Erfolge" gefeiert, sagte von Arnim am Freitag am Rande des Sandplatzturniers in München. "Wir stehen da, würde ich sagen, treu an der Seite unserer Tennis-Ikone."

cr, rei/ dpa-afx, Reuters