Montag, 15. Juli 2019

Zum Fall Helge Achenbach Das Geschäft der Kunstberater

Der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach galt als einer der besten Netzwerker in der deutschen Kunstszene.

Die Inhaftierung des prominenten Düsseldorfer Kunstberaters Helge Achenbach wirft ein Schlaglicht auf eine noch relativ junge Branche. Welche Rolle spielen Kunstberater auf dem Kunstmarkt?

Düsseldorf - Sie nennen sich "Kunstberater", "Art Advisor" oder"Art Consultant" - mit dem Boom auf dem internationalen Kunstmarkt tauchte auch eine neue Branche auf. Der prominente Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach, der wegen Betrugsvorwürfen seit Pfingsten in Untersuchungshaft sitzt, betreibt das lukrative Geschäft bereits jahrzehntelang. Er rühmte sich sogar, den Beruf des Kunstberaters in Deutschland erfunden zu haben.

"Ich bin nach 40 Jahren an einem Punkt angekommen, wo ich das Gefühl habe: Klasse, da fühle ich mich wohl", hatte der in der Düsseldorfer Kunstszene geschätzte studierte Sozialpädagoge noch vor zwei Jahren in einem dpa-Interview gesagt.

Während sich in den USA eine mächtige Kunstberater-Branche etabliert hat, ist der Kreis der professionellen Kunstberater in Deutschland ziemlich klein. Der 62-jährige Achenbach, der Banken, Versicherungen, Unternehmen, aber auch reiche Privatleute beim Kauf von Kunst und dem Aufbau von Sammlungen unterstützt, galt bisher als professioneller Berater mit einem guten Gespür für Wertsteigerungen.

Schließlich hatte er schon früh auf Gerhard Richter gesetzt, dessen Werke heute Höchstpreise erzielen, und Ende der 70er Jahre einen Richter für damals 30 000 Mark an die New Yorker Niederlassung der Hessischen Landesbank vermittelt. 1986 kaufte die Victoria-Versicherung zwei großformatige Bilder Richters für 290 000 Mark. Heute liegt ihr Wert im zweistelligen Millionenbereich.

Der Vorwurf: Frisierte Rechnungen

Doch das Geschäft der Kunstberatung ist wenig transparent, was unter anderem auch daran liegt, dass das Berufsbild nicht geschützt ist. Die Essener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Achenbach, weil er dem 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht frisierte Rechnungen mit verdeckten Preisaufschlägen vorgelegt haben soll. Auch der Pharma-Unternehmer Christian Boehringer soll zu den Geschädigten gehören. "Als Berater ist Vertrauen das einzige Kapital, das man hat", heißt es in Kunstmarktkreisen. Wenn man das aufs Spiel setze, werde das Geschäft schnell ruiniert.

Einige Galerien sehen Kunstberater als missliebige Konkurrenz, denn die Grenzen zwischen Beratung und Handel sind beim "Art Consultant" fließend. So bekannte auch Achenbach in seiner 2013 erschienenen Autobiografie "Der Kunstanstifter - vom Sammeln und Jagen": "Plötzlich war ich nicht mehr nur der Kunstberater Helge Achenbach, sondern ich agierte wie ein Kunsthändler."

Offenherzig erzählt Achenbach, wie Banken seine Kunstprojekte mit Millionenbeträgen finanzierten. Er kaufte Kunst für seine Kunden, erstand aber auch bedeutende Sammlungen, die er teilweise weitervermittelte oder mit denen er ein eigenes Kunstlager aufbaute.

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