Montag, 23. September 2019

Zum Fall Helge Achenbach Das Geschäft der Kunstberater

Der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach galt als einer der besten Netzwerker in der deutschen Kunstszene.

2. Teil: Vernetzer oder Rosinenpicker?

Während Galerien Künstler fördern und bekanntmachen, ihnen Ausstellungen in ihren Verkaufsräumen und auf Messen ermöglichen und damit auch ein Erfolgsrisiko tragen, wird die Arbeit der Kunstberater von manchen als "Rosinenpickerei" gesehen.

Das sieht der Düsseldorfer Galerist Rupert Pfab allerdings nicht so. Kunstberater vermittelten auch in Galerien vertretene Künstler beispielsweise an Firmensammlungen. "Kunstberater erreichen Kunden, an die ich nicht herankommen würde", sagt Pfab. "Deshalb arbeite ich gern mit ihnen zusammen." Auch Auktionshäuser halten Kunstberater für eine wichtige Instanz, die Kunden "an die Hand nehmen", so Robert Ketterer vom gleichnamigen Münchner Auktionshaus.

Helge Achenbach aber ist mehr als nur ein Kunstberater. Er sieht sich als "Vernetzer" mit engen Kontakten zu Künstlern, Sammlern, Unternehmern und Museumsdirektoren. So fädelte er eine Kooperation zwischen der Volkswagen AG und dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York ein. Die Zusammenarbeit wurde 2011 mit Top-Prominenz in Manhattan gefeiert. Madonna war ebenso da wie Jeff Koons, Courtney Love und Yoko Ono.

Kunst wird zum reinen Spekulationsobjekt

Nebenbei ist Achenbach auch Geschäftsführer der privaten rheinischen Sammlung "Rheingold", die zeitgenössische Kunst kauft. Und er stattete das WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien mit Werken von Düsseldorfer Künstlern aus. Als "Hans im Glück" hatte sich Achenbach vor zwei Jahren noch bezeichnet.

Das Besondere bei Achenbach ist, dass er engstens mit den Akteuren der Kunstwelt verdrahtet ist und mit namhaften Künstlern wie Gerhard Richter, Günther Uecker oder Andreas Gursky freundschaftliche Beziehungen pflegt. Jenseits des Atlantiks hat sich inzwischen ein anderer Typus des Kunstberaters entwickelt, der die Methoden des Finanzmarkts auf den Kunstmarkt übertragen hat.

So porträtiert die Kunstzeitschrift "Monopol" in ihrer neuen Ausgabe den Sammler und Berater Stefan Simchowitz in Los Angeles, der über soziale Netzwerke Abbildungen von Kunstwerken oder einfach nur Namen als Kaufempfehlungen verbreitet. Auf Kunstmessen geht er nicht. Kunst wird wie eine Aktie zur "Transaktion" und zum reinen Spekulationsobjekt.

Dorothea Hülsmeier, dpa

Seite 2 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung