Louis Vuitton Luxuspionier Yves Carcelle ist tot

Er hat eine biedere Koffermarke zum größten Namen der Luxuswelt gemacht. Nun ist Louis Vuittons ehemaliger Geschäftsführer Yves Carcelle in Paris gestorben. Nachrufe loben nicht nur sein unternehmerisches Geschick, sondern auch seine Wärme und Menschlichkeit.
Yves Carcelle, der langjährige Chef der Luxusmarke Louis Vuitton, ist am Sonntag in Paris gestorben (links neben ihm auf dieser Archivaufnahme von 2009 seine Frau Rebecca, rechts die chinesische Schauspielerin Gong Li)

Yves Carcelle, der langjährige Chef der Luxusmarke Louis Vuitton, ist am Sonntag in Paris gestorben (links neben ihm auf dieser Archivaufnahme von 2009 seine Frau Rebecca, rechts die chinesische Schauspielerin Gong Li)

Foto: Pascal Le Segretain/ Getty Images

Hamburg - Yves Carcelle, der Mann, der Louis Vuitton in die nach Umsatz größte Luxusmarke der Welt verwandelt hat, ist tot. Laut einer Mitteilung von Louis-Vuitton-Mutter LVMH  ist der ehemalige Chef der Marke am Sonntag in Paris verstorben. Französische Medien berichteten, Carcelle habe im vergangenen Jahr von einer Nierenkrebserkrankung erfahren.

"Yves war ein Pionier ... Immer neugierig, leidenschaftlich und in Bewegung, war er eine der inspirierendsten Führungspersönlichkeiten, die ich kennenlernen durfte", schrieb LVMH-Chef und -Gründer Bernard Arnault am Montag. Carcelles Nachfolger bei Louis Vuitton, Michael Burke, nannte den Verstorbenen gegenüber der "New York Times" den "Christoph Columbus des Luxus, immer auf der Suche nach neuen Ufern."

"Seltener menschlicher Touch"

Der studierte Mathematiker führte Louis Vuitton zwischen 1990 und 2012, zwischenzeitlich als LVMH-Modechef. Während seiner Amtszeit expandierte die Marke massiv, vor allem nach Asien, was den Umsatz nach Daten der Nachrichtenagentur Reuters von etwa 500 Millionen Euro im Jahr 1990 auf mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr 2012 trieb. 1997 gab er Louis Vuitton mit dem Engagement von Designer Marc Jacobs als Kreativdirektor zudem neues Gesicht.

In der "New York Times" vom Dienstag lobte Jacobs seinen ehemaligen Chef: "Er hat jeden, mit dem er gearbeitet hat, immer unterstützt. Er hat sich jeden Namen gemerkt." Carcelle sei "immer enthusiastisch, optimistisch und voller Lob" gewesen. Die Branche sei nicht gerade für Sentimentalitäten bekannt, schreibt die "Times" weiter; trotzdem habe Renzo Rosso, President beim LVMH-Konkurrenten Only The Brave, auf Twitter den Verstorbenen als "außergewöhnlichen Mann mit einem seltenen menschlichen Touch" gewürdigt.

Eigenes Ladennetz als Maßstab für die Branche

Julian Easthope, Luxusgüter-Analyst für Barclays, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Carcelle sei nicht nur stilistisch, sondern auch unternehmerisch ein Pionier mit Signalwirkung für die ganze Branche gewesen: "Er hat die Industrie im Einzelhandel weg vom Großhandelsmodell geführt und eine zentrale Rolle in der Entwicklung der weltweiten Luxusgüterindustrie gespielt." Carcelle hatte konsequent auf eigene Läden sowie eine Produktion in Firmenhand gesetzt und damit Maßstäbe für die gesamte Branche geschaffen.

luk
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