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Retro-Wohnwagen von Funtear: Schöner campen

Foto: Ingo Rappers

Reisen mit Glamour-Anhänger Glamping statt Camping - die coolsten Wohnwagen

Glamping statt Camping: Die Retro-Anhänger von Funtear machen Reisen im Wohnwagen cool.
Von Christian Baulig

Das Camping-Gen seiner Landsleute fehlt René Leenders: "Eigentlich mag ich keine Caravans", sagt der Niederländer. "Man sieht darin aus wie ein Depp." Vor allem in solchen mit genoppter Kunststoffkarosserie und Plüschinterieur, wie sie tausendfach auf Europas Campingplätzen stehen. Um die Welt vor noch mehr Deppen in rollenden Freizeitanhängern zu bewahren, bietet der 53-jährige Unternehmer eine Alternative: In einer Gewerbehalle am Rande von Boxtel bei Eindhoven lässt Leenders Wohnwagen zusammenbauen, die echte Schmuckstücke sind.

Dem Ingenieur, der selbst wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt und am liebsten in Jeans und Blouson herumläuft, haben es die alten Airstream-Modelle aus den USA angetan. Seit beinahe 20 Jahren importiert er die zigarrenförmigen Klassiker über den Atlantik und rüstet sie für den europäischen Verkehr um: neue Elektrik, Achsen, Bremsen - und oft auch ein komplett neuer Innenraum. Die meisten Oldies werden als mobile Messestände oder als Imbisswagen eingesetzt. "Fürs Camping sind sie kaum zu gebrauchen", sagt Leenders. An die drei Tonnen wiegen die Hänger, die vorm Hallentor auf ihren Umbau warten. Um sie zu bewegen, braucht es im Grunde einen Truck.

Vor drei Jahren begann Leenders deshalb, unter dem Namen Funtear eigene Wohnwagen im Flugzeugstil zu bauen. Optisch sehen sie aus wie die US-Typen aus den 50er Jahren, ihr Aufbau ist allerdings modern und leicht. Seine "Retro"-Modelle besitzen einen Metallrahmen, der mit einem Anhängerchassis verschraubt wird. Die Konstruktion wird beidseitig mit Aluminiumblechen beplankt - hochglanzpoliert oder für den Edelstahllook anodisiert.

Besonderes Augenmerk legt Leenders auf die Dachabschlüsse. Sie bestehen jeweils aus 13 Blechen, die per Hand zugeschnitten und gefalzt werden - ähnlich wie beim Ur-Airstream. Zwei Tage dauert es, ein solches Segment zusammenzusetzen. Mehr als 4000 Nieten verbinden die Außenhaut mit dem Rahmen - dreimal so viele wie beim Vorbild.

So viel Handarbeit kostet: Der kleinste, einachsige Wagen (XT) ist ab 55.000 Euro zu haben, für das größere, zweiachsige Modell (XL) verlangt er 72.000 Euro plus Mehrwertsteuer. Diese Summen seien jedoch bloß ein grober Richtwert, sagt Leenders. "Die Kunden nennen uns ihr Budget, und wir sagen, was machbar ist." Sogar ein Whirlpool ist technisch möglich - auch wenn ihn noch niemand bestellt hat. Die Ärzte, Architekten und Anwälte, die sich mit Leenders Hilfe ihren Traum vom glamourösen Camping (Glamping-)Wagen erfüllen wollen, schätzen die schlichte Eleganz. Drei Anhänger hat der Funtear-Chef 2013 verkauft, im vergangenen Jahr waren es schon 15.

Mittlerweile hat Leenders selbst ein Faible für den Urlaub auf dem Campingplatz entwickelt. Ab und zu hängt er einen Silberling an sein Auto und fährt in die Provence. "Wenn ich damit auf den Platz rolle, gehen überall die Daumen hoch."

Retro-Caravans: www.funtear.nl