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Werner Wenning: Der Sohn eines Elektrikers hat viel aus sich gemacht
Werner Wenning: Der Sohn eines Elektrikers hat viel aus sich gemacht
Foto: Jann Höfer für manager magazin

Ex-Bayer-Boss Was Werner Wenning heute macht

Der ehemalige Bayer-Konzernchef führt nun aus dem Hintergrund den Fußball-Bundesligisten aus Leverkusen. Und sorgt sich um seinen alten Arbeitgeber.
Von Martin Noé aus manager magazin 12/2021

Diese Geschichte spannt sich über 65 Jahre, sie hat einen Anfang, aber noch kein Ende. Als Werner Wenning (75) das erste Mal ins Stadion geht, um ein Spiel von Bayer Leverkusen anzuschauen, ist er zehn Jahre alt, und tatsächlich geht er die knapp fünf Kilometer von seinem Heimatort Opladen bis zu den Holztribünen zu Fuß. Im Laufe der Zeit wird er eine kaufmännische Lehre bei Bayer abschließen, er wird Vorstandsvorsitzender werden, die Firma nach dem Lipobay-Skandal retten und sie schließlich in seinen späten Jahren mit dem Kauf von Monsanto auf gefährliches Terrain führen.

Heute sitzt er auf einem gut gepolsterten Klappsessel in VIP West, Reihe 32, hinter ihm Sportchef Rudi Völler (61), vor ihm der aktuelle Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann (59), und sagt über die Mannschaft: "Sie wollen schon, aber sie wissen nicht wie." Am Ende wird Bayer Leverkusen sein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg 0:2 verlieren, einen Elfmeter in letzter Minute pariert der Wolfsburger Keeper mit Leichtigkeit. Wenning ärgert sich, aber nach zwei Kölsch und dem üblichen Satz seiner Frau zu Hause, "ist doch nur Fußball", hebt sich die Stimmung wieder.

Schließlich kommt der nächste Erfolg mit einiger Sicherheit. Werner, der Fan, ist gleichzeitig auch Wenning, der Vorsitzende des Gesellschafterausschusses, und damit der entscheidende Mann des Bundesligisten. Kein Etat wird gebilligt, kein wichtiger Spieler gekauft, kein Trainer oder Sportdirektor oder Geschäftsführer eingestellt oder entlassen, ohne dass Wenning sein Okay gibt.

Während andere ehemalige Dax-Größen in Start-ups investieren oder als Advisor für Private Equity arbeiten, bleibt er so Bayer treu. Mehr will er nicht mehr machen: "Es soll jetzt auch gut sein." Gibt ja noch zwei Kinder und vier Enkel, mit denen er viel Zeit verbringt.

Selfmademan: Als Bayer-Chef (hier 2001 mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Manfred Schneider) rettete Werner Wenning die Firma, bei Eon wie Bayer führte er die Aufsichtsräte, bei Siemens und der Deutschen Bank war er zeitweise der wichtigste Kontrolleur. Nun kontrolliert er Bayer Leverkusen. Fan ist er schon immer.

Selfmademan: Als Bayer-Chef (hier 2001 mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Manfred Schneider) rettete Werner Wenning die Firma, bei Eon wie Bayer führte er die Aufsichtsräte, bei Siemens und der Deutschen Bank war er zeitweise der wichtigste Kontrolleur. Nun kontrolliert er Bayer Leverkusen. Fan ist er schon immer.

Foto: Guido Ohlenbostel / action press

Bayer Leverkusen hat er zu einem ambitionierten Klub und einem geräuschlos arbeitenden Wirtschaftsunternehmen geformt, das Talente billig einkauft und teuer wieder verkauft. Bayer Leverkusen wird aller Voraussicht nach nie absteigen.

Bei der Bayer AG, der alten Heimat, ist das wegen der juristischen Folgen des Monsanto-Kaufs nicht ganz so sicher. "Sie können sich ja denken, dass mich das beschäftigt", sagt Werner Wenning, "aber ich bin optimistisch." Bayer, das Spiel seines Lebens, geht weiter.

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