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Körpersprache: Wie die Finanz-CEOs auftreten

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Die Körpersprache der Manager Was die Körpersprache der großen Finanzkonzern-Chefs verrät

Verschränkte Arme oder offenes Lächeln? Körpersprache-Experte Michael Moesslang hat sich für manager magazin online die Vorstandschefs der Finanzunternehmen im Dax angesehen: Allianz, Munich RE, Deutsche Bank und Commerzbank sowie die Deutsche Börse.
Von Michael Moesslang

Finanzmanager stehen weniger im Licht der breiten Öffentlichkeit als beispielsweise die Lenker der Autofirmen. Das liegt sicher auch daran, dass kaum jemand mit einer Gebäudeversicherung oder einer Anleihe so viel Begeisterung entfachen kann wie mit einem PS-Boliden. Die Obersten der Finanz- und Versicherungsbranche geben sich betont seriös und zurückhaltend.

Allianz: Michael Diekmann

Obwohl er vom Typ her eher Präsenz ausstrahlen könnte, zeigt Allianz-Chef Michael Diekmann sich als Redner oder in Interviews oft von einer eher unfokussierten Seite. Da kommt es schon einmal vor, dass er sein Manuskript und sein Jackett noch sortiert, aber bereits spricht. Mit dem Publikum ist er da jedenfalls noch nicht in Kontakt.

Er beschränkt seine Gestik auf wenige Augenblicke. Nachdem er beispielsweise vorher permanent seine Hände im Niemandsland abgelegt hatte, verschränkt er plötzlich die Arme - verschlossen wirkt das und als eindeutiges Signal, dass ihm ein Thema Unbehagen bereitet.

An einer anderen Stelle richtet er offensichtlich die Patte seiner rechten Jackett-Tasche. Oder fühlt er in die Tasche, ob noch alles da ist? Die Geste wirkt eher unsicher.

Munich RE: Nikolaus von Bomhard

Der Chef des Rückversicherers Munich RE ist ein Meister der Mimik, vor allem in der ernsten Variante. Er zieht die Augenbrauen nach oben, er nickt und schüttelt den Kopf - stets passend zu seinen Worten. Mit Lächeln dagegen spar er sehr. Er ist ganz bei der Sache und geht darin auf. Er möchte mit seiner gekonnten Betonung, Mimik und Körpersprache sicher gehen, dass sein Gegenüber seine Worte auch annimmt. Er ist stets seinem Gegenüber zugewandt und beobachtet dessen Reaktion.

Gestik und Mimik unterstreichen dynamisch seine Worte. Der Ausdruck passender Emotionen würde noch mehr Überzeugungskraft in seine Inhalte legen.

Deutsche Bank: Jürgen Fitschen

Der Co-CEO des größten deutschen Bankhauses beginnt gerne diplomatisch, indem er zu Beginn seiner Antworten relativiert oder dem Gegenüber erst mal zustimmt, bevor ein "Aber" kommt. Das drückt sich auch in seiner Körpersprache aus, die zu Beginn oft vorsichtig ist, manchmal mit der Hand in seiner Jackett-Tasche versteckt.

Wird er gereizt, ist er anderer Meinung oder ist ihm etwas besonders wichtig, sagt er ungewöhnlich deutlich "Nein". Dann wird die Gestik, vor allem aber sein Kopf lebendiger. Er zeigt sehr deutlich, dass er sich nicht unterbrechen lässt und betont seine Worte noch mehr, nickt verstärkend mit dem Kopf oder hält den Blickkontakt zum Publikum etwas länger als gewöhnlich. Damit demonstriert er nicht nur, dass er stets Herr der Lage ist, er sorgt auch dafür, dass das keiner anzweifelt.

Commerzbank: Martin Blessing

Martin Blessing ist ein guter Zuhörer und Beobachter. Mit festem Blick fixiert er sein Gegenüber. Das wirkt nicht immer freundlich, sondern erinnert manchmal eher an den Falken, der auf den richtigen Moment zum Angriff wartet. So kommen auch manche Antworten: Kurz. Prägnant. Ohne viel Drumherum. Präzisionsarbeit.

Auffällig ist die häufig erhobene Nase, die den Eindruck von Arroganz erweckt und wohl Selbstbewusstsein demonstrieren soll. Wenn es passt, kann Blessing aber auch sympathisch lächeln - da hebt er sich positiv ab von seinen Berufskollegen. Seine Haltung ist entspannt, seine Gestik unterstreicht deutlich seine Worte. Seine Mimik ist dagegen verhalten. Meist beschränkt sie sich auf nachdenkliche Stirnfalten zwischen den Augenbrauen, die als grundsätzliche Skepsis gegenüber Journalisten gedeutet werden könnten.

Deutsche Börse: Reto Francioni

Der Schweizer Reto Francioni spricht bedächtig und monoton. Dabei liest er bei Reden vom Manuskript, was fast immer zu noch mehr Monotonie führt. Erst nach langer Anlaufzeit wird er warm mit der Situation. Dann zeigt er etwas Gestik und sogar das ein oder andere Lächeln.

Halt nein, da war sogar ein Lächeln zu Beginn seiner Rede! Da liest er nämlich noch nicht, da holt er sein Manuskript erst aufs Rednerpult. Sobald er jedoch liest, wird es zäher - die langen Sätze werden mimisch und gestisch sehr karg vorgetragen. Eindeutig liegt da kein Wille vor, Menschen durch seine Rede mitzureißen.

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