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Körpersprache: Wie die Sportfirmen-CEOs auftreten

Foto: Youtube / Bloomberg Business

Die Körpersprache der Manager Was die Körpersprache der Sportfirmen-CEOs verrät

Betont sportliche Lockerheit oder seriöses CEO-Gebaren? Körpersprache-Experte Michael Moesslang hat sich für manager magazin online die Vorstandschefs von Adidas, Nike, New Balance und Under Armour angesehen.
Von Michael Moesslang

Hamburg - Als CEO seriös auftreten und gleichzeitig der Lockerheit der Sportbranche gerecht werden: Gelingt den Sport-CEOs der Spagat? In der Kleidung jedenfalls ist bei öffentlichen Auftritten der Sportartikler Business Casual vorherrschend, damit macht man selten etwas verkehrt. Aber was zeigen Körpersprache und Sprechweise?

Herbert Hainer, Adidas

Der einzige deutsche CEO der Reihe war selbst Sportler. Das merkt man ihm an. Er wirkt glaubwürdig und von seiner Sache begeistert. Das beste: er kann es zeigen. Wenn Hainer spricht, spürt man seine Leidenschaft und Emotionen. Jede Faser seiner Mimik und Körpersprache reagiert mit. Seine Stimme drückt die Begeisterung aus, wenn er erzählt, wie viel Spaß es ihm macht mit Pep Gardiola über Fußball zu sprechen.

Auch er hat eine senkrechte Stirnfalte zwischen den Augenbrauen. Dazu kommen noch die stark betonten Falten von der Nase zum Mund. Da er jedoch viel lächelt wirken sie selten streng oder besorgt. Überhaupt kann er etwas, womit sich leider viele Männer schwer tun: Er kann während des Sprechens lächeln. Das macht ihn sympathisch und zeigt seine Freude an seiner Tätigkeit.

Auch wenn er - vor allem beim Gehen - ab und zu die Hände in den Hosentaschen verbirgt, seine dynamische und offene Gestik und Mimik überwiegt. Forschungen bestätigen immer wieder, dass Menschen, die von ihrer Sache überzeugt sind, mehr Körpersprache einsetzen. Herbert Hainer ist ein lebendes Beispiel dafür - er schafft den Spagat zwischen sportiv-lässig einerseits und der seriösen Wirkung eines Vorstandes andererseits.

https://www.youtube.com/watch?v=x6EV1pYCvos 

https://www.youtube.com/watch?v=8XsbvqT87mY 

Robert T. DeMartini, New Balance

https://www.youtube.com/watch?v=pAHL6gfbr5w 

Der Mann, der schon seit sieben Jahren an der Spitze von New Balance steht, ist vor allem dadurch populär, dass er in den USA produzieren lässt, nicht in Asien. New Balance - Steve Jobs trug bei seinen öffentlichen Auftritten gern ein graues 991er Modell - setzt damit ein klares Zeichen als Gegenpol zu Firmen, die durch billige Kinderarbeit negative ins Gerede kamen.

Dass deMartini dies aus Leidenschaft tut, ist zu hören, aber nicht zu spüren. Ob in Interviews, Statements in den Nachrichten oder auf der Messe - stets wirkt er sehr zurückgenommen, fast schon langweilig. Von Emotionen nichts zu erkennen.

Das liegt vor allem daran, dass sein Körper nicht spricht. Zwar sagt er, dass er sich für etwas begeistert, er zeigt es aber nicht. Er wirkt auch sonst weder sehr dominant noch sonderlich energievoll. Eher leicht vorsichtig, da sein Blick vom leicht gesenkten Kopf von unten nach oben den Gesprächspartner ansieht. Sein Blickkontakt ist allerdings fest. Nur in einem der Interviews blickt er immer wieder während der Journalist spricht ganz kurz zum Kameramann. Ein nervöser, sogenannter Sicherheitsblick. Kam da die Kamera zu nahe?

Denn sonst kaum Nervosität zu spüren, ein kleiner seitlicher Schritt mal, die Hände gerne in den Hosentaschen, sonst nichts. Freundlich ist er ja, wenn man auch genau hinschauen muss, um das zu erkennen. Als er unterbrochen wird reagiert er mit Lächeln. Das ist ungewöhnlich für einen Leader, wirkt aber durchaus echt. Und es bleibt die einzig erkennbare Mimik. Seine Sprechweise ist eher gleichförmig in Tonlage, Tempo und Lautstärke - das ist ein Manko, denn dadurch ist es anstrengend, DeMartini länger zuzuhören.

https://www.youtube.com/watch?v=HUqTwEMaQQw 

https://www.youtube.com/watch?v=1WTWOXnnovQ (ab 2:30) 

https://www.youtube.com/watch?v=saSijWF6jac 

Kevin Plank, Under Armour

Der Gründer und CEO von Under Armour, Kevin Plank, zeigt mit jeder seiner Bewegungen und Worte, dass er das Leben in Griff hat. Nicht verbissen, nicht mit Härte und Dominanz, nicht weil er sich für schlauer hält als andere. Sondern mit einer gewissen Zufriedenheit.

Er spricht sehr schnell, macht aber ab und zu eine bewusste Pause und betont gut. So fällt es trotz seines hohen Tempos leicht, zuzuhören und zu erkennen, was wichtig ist. Außerdem versteht er es, Geschichten zu erzählen, bildhaft lebendige Geschichten aus der Historie des Unternehmens. Im Interview bei Bloomberg dagegen wirft er mit vielen Zahlen um sich. Zahlen die sich keiner merken wird, die aber Eindruck machen sollen. Doch auch da kommen die Geschichten nicht zu kurz.

Seine Gestik zeugt von Souveränität und Energie. Er macht große, sichere Gesten, die immer einen Moment in der Luft stehen bleiben. Dieses Halten der Gesten unterstreicht den Eindruck von Souveränität. Dass er "powerful" wirkt liegt an der Größe seiner Gesten, dem festen Blickkontakt und sicher auch am erwähnten Sprechtempo. Zudem hat er stets mit beiden Füßen Bodenkontakt. Dieser Mann ruht in sich und strahlt gleichzeitig aus, dass er erfolgreich führen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=GyuQY8bPySU 

https://www.youtube.com/watch?v=Wt4-lGV5Ins 

https://www.youtube.com/watch?v=shPF031bXfE 

Mark Parker, Nike

Kurz gesagt hält sich Mark Parker stets schief. Das findet mal in der Körperachse statt, mal beim Kopf. Ein seitlich geneigter Kopf ist an sich nichts Negatives. Er kann sogar ein Zeichen von Vertrauen sein, allerdings nur, wenn der Körper dem Gesprächspartner zugewendet ist. Bei Parker weist die Körpermitte jedoch meist in eine andere Richtung und er dreht nur ab und zu seinen Kopf zum Interview-Partner, blickt ihn also nur über die Schulter an.

Das zweite besonders stark auffallende ist sein kühler, nahezu strenger Blick. Unterstützend hierfür wirkt seine senkrechte Stirnfalte, die fast permanent zu sehen ist. Von Lächeln kein einziges Mal eine Spur. Eine dritte Angewohnheit verstärkt den strengen Blick: Wenn Parker etwas betonen will kneift er ganz leicht die Augen zu. Ein bisschen wie wir es machen, wenn wir einen Angriff erwarten oder selbst gleich angreifen. Seine positive Absicht hat so eine negative Wirkung.

In Interviews wirkt er jedoch insgesamt sicher, macht passende Gesten und zeigt eine gewisse Dynamik, die vor allem in Bewegungen seines Kopfes zu erkennen ist. Dass er viel zu häufig zu Boden blickt und nur kurz zu seinem Gesprächspartner hat nicht so sehr mit Unsicherheit zu tun. Viel mehr geht er beim Denken in den inneren Dialog und prüft zunächst den Klang seiner Aussagen. Die Zeit fürs Prüfen überbrückt er dann gelegentlich mit einem "Äh" oder "You know". Er ist mehr bei sich als beim Gegenüber.

Beim Präsentieren im Stehen wird er deutlich unsicher, presst seine Hände verkrampft vor seinem Körper ineinander und macht nur noch wenige, kleinere Gestern. Typische Lampenfiebersignale, die er in seiner Position vermeiden sollte.

https://www.youtube.com/watch?v=aszYj9GlHc0 

https://www.youtube.com/watch?v=umitxlpeeto 

https://www.youtube.com/watch?v=BdKLfsisE6U 

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Michael Moesslang
Foto: Reiner Pohl

Michael Moesslang ist Experte für Präsentation, Körpersprache und Rhetorik. Er arbeitet als Autor, Redner und Coach und ist Lehrbeauftragter unter anderem an der St. Galler Business School und der European Business School der Hochschule Reutlingen. www.michael-moesslang.de/