Geld ausgeben mit Tim Raue Die Lieblingsweine des Sternekochs

Der Berliner Sternekoch Tim Raue ist ein Weinfreak, der sich sogar Gläser ins Hotel schicken lässt. Zur teuersten Flasche seines Lebens wurde er zum Glück eingeladen.
Tim Raue hat bei manchem Wein das Gefühl, er tanzt Tango mit ihm.

Tim Raue hat bei manchem Wein das Gefühl, er tanzt Tango mit ihm.

Foto: Nils Hasenau

Mein größter Luxus ist Wein. Bei meiner ersten Küchenstelle lernte ich einen Gast kennen, der jeden Samstag Weinproben veranstaltete. Ich habe für ihn gekocht, und durfte mich dafür über Jahre mit durch die Weinwelt trinken. Dabei merkte ich schnell, dass mich alte Weine aus den 30er, 40er oder 50er Jahren am meisten begeistern. Vielleicht auch deshalb, weil sie mir das Gefühl geben, dass ich mir Vergangenheit ertrinken kann, denn ich selbst habe keine richtigen Wurzeln.

Wenn Weine ein gewisses Alter haben, kann ich sie besser schätzen. Junge Weine interessieren mich nicht so, bis auf wenige Ausnahmen, etwa die Rotweine von Sine Qua Non, das Gut eines Österreichers in Kalifornien. Wenn ich seine Weine trinke, habe ich das Gefühl, sie tanzen Tango mit mir. Sie sind einzigartig in ihrer Dichte und Süße. Einer meiner Lieblingschâteaus ist d'Yquem. 200 Flaschen des Süßweins habe ich schon getrunken, aus allen Jahrzehnten, jede der totale Wahnsinn. Die größte war eine von 1811 für 140.000 Euro - zu der ich eingeladen wurde. Es gibt ja zum Glück noch andere Freaks.

Adressen

WeingeschäfteChampa Vins Français, www.champa.de ; La Vinothèque du Sommelier, www.vinotheque.de ; Steinfels, www.steinfelsweine.ch Restaurants"Rekondo", San Sebastián, www.rekondo.com ; "Good Friends", www.goodfriends-berlin.de WeingüterChâteau d'Yquem, yquem.fr ; Krug Champagner, www.krug.com ; Sine Qua Non, www.sinequanon.com GläserZwiesel Kristallglas, shop.zwiesel-kristallglas.com 

Wenn ich Wein trinke, komme ich zur Ruhe, verliere mich in der Zeit, reife Aromen haben für mich etwas Meditatives. Ich gebe sehr viel Geld für Wein aus, kaufe bei Steinfels in der Schweiz, in Berlin bei La Vinothèque du Sommelier oder bei Champa Vins Français in Stolberg bei Aachen.

Leider trinke ich den Wein meist direkt mit Freunden weg. Wir treffen uns bei "Good Friends", einem chinesischen Restaurant in Berlin, mein zweites Zuhause. Ich koche nämlich nicht für mich, höchstens mal für meine Jack-Russell- Hündin. Über die Jahre habe ich viele meiner Weingläser zu "Good Friends" geschleppt, denn ich trinke nur aus Zwiesel Kristall. Mein großer Tick. Früher bin ich sogar mit einem Koffer voller Gläser gereist, heute lasse ich sie mir ins Hotel schicken, gerade nach Frankreich, weil sie dort in den tollsten Restaurants oft erbärmlichste Gläser anbieten.

Einmal im Jahr fahre ich mit Freunden nach San Sebastián ins Restaurant "Rekondo", das hat eine Weinkarte mit mehreren Tausend Positionen, man bekommt grandiose Flaschen für vernünftiges Geld. Da trinken wir uns dann durch den Keller. Einen sehr schönen Rausch hatte ich mal, als wir den zweiten Stern bekommen haben, mit einem Clos du Mesnil von Krug, meinem Lieblingschampagner. Unverwechselbares Aroma, zeitlose Brillanz - die wünsche ich mir auch für meine Arbeit.

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