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Allrad-Artistin: In ihrer Freizeit kümmert sich Rita Forst um das Wegenetz im heimischen Garten – als Ingenieurin ist sie dort natürlich gut motorisiert unterwegs
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LÊMRICH für manager magazin

Karrieren Was macht eigentlich die Opel-Managerin Rita Forst?

Die ehemalige Entwicklungschefin von Opel hat zuletzt Volkswagen und andere Autokonzerne beraten. Nun ist sie als Verwaltungsrätin ihrem Jugendtraum nähergekommen: dem Fliegen.
Von Margret Hucko aus manager magazin 6/2021

Rita Forst (66) war erst wenige Monate raus aus ihrem Job, da verfehlte sie schon ihr neues Lebensziel. "Ich wollte wirklich mit 58 Jahren in den Ruhestand gehen und hatte mich gefreut, mehr Zeit für Familie und Eltern zu haben." Die ehemalige Opel-Entwicklungschefin sitzt in ihrem hellen Arbeitszimmer zu Hause bei Frankfurt und lacht herzlich. Im Regal stehen Modelle wie der Opel GT oder das Elektroauto Ampera.

35 Jahre hatte sie für Opel und GM gearbeitet, sie war die erste Vorständin überhaupt in einer der extrem männerdominierten Entwicklungsabteilungen der deutschen Auto-Premier-League geworden. Dann kam das Jahr 2012. Der Kurzzeitchef Karl-Friedrich Stracke (64) musste gehen. Sein Nachfolger Steve Girsky (59), Abgesandter der Konzernmutter GM, drängte Hunderte von Führungskräften raus. Forst war der prominenteste Abgang.

Ex-Entwicklungschefin: Rita Forst 2010 mit dem damaligen Opel-Chef Nick Reilly (71) bei einer Pressekonferenz am Firmensitz Rüsselsheim

Ex-Entwicklungschefin: Rita Forst 2010 mit dem damaligen Opel-Chef Nick Reilly (71) bei einer Pressekonferenz am Firmensitz Rüsselsheim

Foto: Ralph Orlowski / Reuters

Entsprechend prompt folgte die Ruhestörung. "Es kamen relativ schnell viele Anrufer, die alle um meine Expertise baten." Etwa ein Jahr habe sie widerstanden, "dann konnte ich meine Füße nicht mehr stillhalten". Zu aufregend waren für die Motorenspezialistin die neuen Themen wie E-Mobilität oder autonomes Fahren. Heute sitzt sie in Aufsichts- und Verwaltungsräten im In- und Ausland, etwa beim Automobilzulieferer Elringklinger oder der Norma Group. Bei der Auswahl ihrer Mandate sei ihr besonders wichtig gewesen, dass die Unternehmen "nach vorn denken" und sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Elringklinger etwa versucht sich an der Brennstoffzellentechnologie.

Bis September unterstützte Forst zudem das Team um VW-Monitor Larry Thompson (75) bei der Aufklärung des Dieselskandals; ihren Schreibtisch hatte sie in Wolfsburg, inklusive "Einfahrtsgenehmigung für meinen Opel Insignia", sagt sie. Alte Liebe rostet nicht, nicht bei Rita Forst.

Ihre erste Liebe allerdings war die Fliegerei. "Mein Traum war es, Bordingenieurin zu werden", erzählt sie. Schon während des Maschinenbaustudiums an der FH Darmstadt fragte sie bei der Lufthansa an – und wurde abgelehnt: "Brillenträgerin." Nun ist sie doch in der Fliegerei angekommen: Der Chef der niederländischen Flugzeugleasinggröße Aercap, Aengus Kelly, wollte sie unbedingt für den Verwaltungsrat. Als sie fragte, warum, antwortete Kelly: "Rita, du hast Mobilität in deinen Genen."

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