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Richard Branson: Bilder seines Lebens

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Buchauszug "Finding my Virginity" Wie Richard Branson über Donald Trump denkt

Von Richard Branson

Ich begegnete Ivana Trump in den frühen 1990er-Jahren, ein Jahr bevor ich Donald Trump traf. Sie überreichte die Auszeichnungen bei den Business Traveller Awards in London. Nachdem ich von ihr die Auszeichnung für die beste Fluglinie entgegengenommen hatte, hob ich sie im Überschwang der Gefühle hoch und wirbelte sie kopfüber herum - ein etwas ungewöhnliches Fotomotiv, das meine Freude voll ausdrückte. Sie nahm es ganz gelassen, aß später mit uns zu Abend, stornierte ihr British-Airways-Ticket und kehrte mit Virgin Atlantic in die Staaten zurück. Am folgenden Tag hieß es in Anspielung auf die Trumps in den Zeitungen: "Virgin spielt bei den Business Traveller Awards wieder alle Trümpfe aus". Eine Weile später lud mich Donald zum Mittagessen in seine Wohnung in Manhattan ein.

Ich war neugierig. Die Einladung kam für mich völlig unerwartet. Die Wohnung, die ich dann betrat, war zweifellos opulent eingerichtet, aber nicht so prahlerisch, wie ich es erwartet hatte. Das war nicht der einzige Teil des Mittagessens, der nicht so ausfiel, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Noch bevor die Vorspeisen angekommen waren, erwärmte sich Donald für das, worüber er mit mir sprechen wollte: die verschiedenen Menschen, an denen er sich rächen wollte, weil sie es abgelehnt hatten, ihm zu helfen, als er sie darum gebeten hatte.

"Ich habe zehn Leute angerufen und um finanzielle Unterstützung gebeten, als ich in Schwierigkeiten steckte", sagte er. "Fünf von diesen Leuten sagten mir, dass sie mir nicht helfen würden." Diese Ablehnung war nicht gut angekommen: Donald verbrachte den Rest dieses bizarren Mittagessens damit, mir zu erzählen, wie er sein Leben der Zerstörung dieser fünf Menschen widmen würde.

"Ich glaube nicht, dass das der beste Weg ist, seine Zeit zu verbringen", sagte ich zu ihm, als sich die Gelegenheit ergab, auch mal etwas zu sagen.

"Das wird Sie auffressen und Ihnen mehr Schaden zufügen als denen. Ist das nicht reine Zeit- und Arbeitsverschwendung? Sie sollten ihnen besser verzeihen." Donald schüttelte nur den Kopf und erklärte in aller Ausführlichkeit, wie und warum er jeden von ihnen der Reihe nach zerstören würde. "Diese Leute haben mir nicht geholfen, als ich sie brauchte. Sie haben mir einfach den Rücken gekehrt", ließ er weiter Dampf ab.

"Das ist eine Schande", räumte ich ein. "Aber ist das Leben nicht zu kurz, um es mit kleinlichen Streitereien zu vergeuden?" Während ich versuchte, meine Hühnersuppe zu essen, konnte ich nicht umhin, mich zu fragen, warum er mir das erzählte. Als er weiter seine Liste der Haupttäter im Detail durchlief, wunderte ich mich, ob er vorhatte, mich ebenfalls um Hilfe zu bitten. Wenn er es getan hätte, wäre ich die sechste Person auf seiner Liste geworden.

"Ich glaube wirklich, dass diese Leute nichts getan haben, dass sie solche Rache verdienen", sagte ich. "Gibt es keinen besseren Weg, sich mit etwas in seinem Leben zu beschäftigen?" Ich sollte diese Worte später noch bereuen, als er verkündete, dass er für das Amt des Präsidenten kandidieren wolle! Als ich mit dem Aufzug hinunterfuhr, hatte ich die Idee, einen Film über einen Geschäftsmann zu drehen, der fünf Menschen zerstören will, und über die Methoden, die er anwendet. Aber ich sah ein, dass dies zu weit hergeholt und völlig unglaubwürdig klingen würde - niemand würde akzeptieren, dass irgendjemand so krass sein könnte.

Das Treffen stand in großem Kontrast zu einem späteren Mittagessen mit Hillary Clinton, bei dem wir über Bildungsreform, Drogenpolitik, Frauenrechte, Konflikte auf der ganzen Welt und Strafrechtsreform sprachen. Sie war eine großartige Zuhörerin und eine sehr eloquente Rednerin. Was Donald Trump betraf, war das Treffen eine vollkommene Zeitverschwendung.

Als ich seine Wohnung verließ, tat er mir sogar leid.

The Rebel Billionaire: Abenteuer als Geschäftsprinzip

Ich hörte nach diesem Essen mehr als ein Jahrzehnt lang nichts mehr von Donald Trump. Dann ging im Jahr 2004 meine Fernsehshow The Rebel Billionaire auf Sendung.

Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Abenteuer, sei es als Kind auf Bäume zu klettern oder als Erwachsener auf Berge. Das hat sich auch in meinem Berufsleben niedergeschlagen: Abenteuer waren immer schon ein gewichtiger Teil der Marke Virgin und einer der Hauptgründe, warum wir so lange so massiv und kontinuierlich expandieren konnten. Als mir Fox die Möglichkeit anbot, eine Fernsehshow zu leiten, bei der das Abenteuer-Gen anderer Unternehmer geweckt werden sollte, war es für mich eine leichte Entscheidung, dieses Angebot anzunehmen.

The Rebel Billionaire war eine für Unternehmer gedachte Realityshow mit überraschenden Wendungen. Während ich Shows wie The Apprentice einerseits schätzte, weil sie die Idee des Unternehmertums einem breiteren Publikum näher gebracht hatten, wollte ich persönlich nie Teil davon werden.

Shows wie diese neigten dazu, sich einzig und allein auf die schlechtesten, die negativen Eigenschaften der Leute zu konzentrieren. The Rebel Billionaire versprach hingegen, anders zu sein. Statt die Kandidaten vor unternehmerische Aufgaben zu stellen, würde ich stattdessen extreme Abenteuer nutzen, um meine Erfahrungen zu teilen.

Videos fluteten herein, in denen Teilnehmer uns zu überzeugen versuchten, warum sie in die Show gehörten. Eine der Bewerbungen stach sofort heraus, sie war von einer Frau namens Sara Blakely, die in ihrem Keller eine neue Firma namens Spanx gegründet hatte. Sie war prägnant, hatte eine klare Vision für ihr Geschäft und schien offen für Spaß zu sein. Ein weiteres ausgezeichnetes Video kam von einem Mann namens Shawn Nelson, der ein vielseitiges, modernes Möbelunternehmen namens Lovesac leitete. Beide schafften es auf die Liste der 16 Finalisten.

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Wir begannen im November 2004 mit den Filmaufnahmen zu den zwölf Shows. Zuerst versammelten wir alle Kandidaten am Flughafen Heathrow in London, wo sie von einem etwas gebrechlichen Taxifahrer abgeholt wurden, der sie zu meinem damaligen Zuhause nach Oxford brachte. Der Taxifahrer, der sehr stark humpelte und einen Gehstock benutzte, beobachtete die Kandidaten ganz genau. Als die Kandidaten in Oxfordshire ankamen, machte er sich heimlich Notizen, wer von ihnen das Gepäck selbst aus dem Wagen hob und wer es dem alten Taxifahrer überließ. Waren sie freundlich oder unhöflich? Hatten sie sich mit ihm unterhalten oder ihn ignoriert?

Am selben Abend kam dann während des Abendessens der Taxifahrer hereinmarschiert, um alle persönlich kennenzulernen. Er zog seine Maske ab und dahinter steckte … kein anderer als ich selbst! Die Kandidaten wurden nervös, besonders die beiden, die zu dem Mann, den sie für einen Taxifahrer gehalten hatten, am unhöflichsten gewesen waren. Aus den 16 Kandidaten wurden somit schlagartig 14, und die beiden anderen befanden sich unversehens schon wieder im Taxi zurück zum Flughafen (diesmal aber ohne mich am Steuer).

Die Serie führte mich und die Kandidaten rund um die Welt, wobei überall, von Marokko bis Südafrika, neue Herausforderungen auf sie warteten. Die ganze Zeit über klopfte ich die Kandidaten auf Entscheidungsfindung, Tapferkeit und Führungseigenschaften ab. Besonders der letztgenannte Charakterzug war wichtig, da er mit dem großen Preis zu tun hatte, den ich noch geheim hielt. Neben dem Gewinn von einer Million Dollar bekäme der Gewinner die Schlüsselgewalt über die gesamte Virgin Group und wäre für drei Monate deren Präsident. Das setzte auch für mich die Messlatte hoch - ich musste jemanden finden, der uns dabei helfen konnte, Hunderte von Firmen zu leiten.

Eine besonders aufschlussreiche Episode ereignete sich an den Victoria- Falls, am Sambesi-Fluss, an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe. Der Sinn der Übung bestand darin, zu sehen, ob die Teilnehmer den Mut und den gesunden Menschenverstand hatten, Nein zu sagen. Es ist sehr wichtig, Risiken im Leben und im Geschäft einzugehen, aber sie müssen kalkuliert sein - es hat keinen Sinn, den Hals für etwas zu riskieren, das wenig Aussicht auf Erfolg hat (wie ich in Vegas auf die harte Tour gelernt hatte!).

Ich forderte einen unserer Kandidaten, Sam Heshmati, auf, mich in einem speziell von der NASA entworfenen Fass zu begleiten und den über 50 Meter tiefen Wasserfall hinunterzustürzen. Sam zuckte kaum mit der Wimper, als uns ein Kran in die reißende Strömung des Flusses absenkte. Wir zählten von zehn herunter, bis das Fass gelöst werden sollte, unsere Gesichter waren schweißgebadet. Als wir bei fünf angekommen waren, atmete er tief durch, die Angst stand in seine Augen geschrieben. Mir wurde klar, dass er bereit war, die Sache durchzuziehen. Einen Bruchteil einer Sekunde, bevor wir fallen gelassen werden sollten, schrie ich: "Stopp!" Ich erinnerte Sam daran, dass unter uns jede Menge Felsen waren, die unsere Körper trotz Hightech-NASA-Fass in Stücke gerissen hätten.

"Du warst drei Sekunden vom Tod entfernt", sagte ich ihm, bevor ich ihn nach Hause schickte. "Du musst die Dinge mehr infrage stellen. Du solltest nicht blind den Ratschlägen eines Anführers folgen."

Eine Million Dollar sicher - oder lieber noch mehr Risiko?

Das war nicht einmal die gefährlichste Aufgabe: Diese Ehre gebührt dem Balanceakt, eine Planke zwischen zwei Heißluftballons in über 3000 Metern Höhe zu überqueren. Nachdem die meisten Kandidaten es auf die andere Seite geschafft hatten, zögerten Tim Hudson und Sara. Um ihnen die Chance zu bieten, ihren Ruf wiederherzustellen, forderte ich sie auf, über eine Leiter zur Spitze des Ballons hinaufzuklettern, wo ich sie erwarten würde.

Das bedeutete, dass auch ich über eine schaukelnde, gut 30 Meter lange Seilleiter hochklettern musste. Unter meinen Füßen war nichts, der sichere Boden lag weit entfernt unter mir, das Seil schlackerte im Wind - mir rutschte das Herz in die Hose. Die Leiter wirkte wie eine auseinandergezogene Ziehharmonika mit Hunderten von Sprossen und sie erschien mir viel beschwerlicher hochzuklettern als jeder Berg, den ich jemals bestiegen hatte. Ich schaffte es gleichwohl zur Spitze, wo ich mich wie ein englischer Gentleman alter Schule an einem Tisch niederließ und drei Tassen Tee einschenkte. Tim kletterte ohne viel Aufhebens als Nächster hoch, aber Sara hatte Höhenangst und schwer mit sich zu kämpfen. Kurz bevor sie den Gipfel erreichte, rutschte sie aus und fiel fast in einen Lüftungsschlitz.

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Mit einiger Erleichterung konnten wir uns schließlich alle hinsetzen, schnell den mittlerweile lauwarmen Tee hinunterspülen und uns schleunigst daran machen, nach unten zu kommen, bevor dem Ballon der Treibstoff ausging.

Sara hatte mich mit ihrer Einstellung ebenso beeindruckt wie mit ihren Businessplänen, und es war keine Überraschung, dass sie es bis ins Finale schaffte. Aber am Ende entschied ich, dass Shawn am meisten vom Sieg profitieren würde, da sein Talent so unverbraucht war. Als wir jedoch auf dem Balkon des Great House auf Necker Island standen, hatte ich für ihn noch eine letzte überraschende Wendung in petto. Ich nahm den Scheck über eine Million Dollar und hielt ihn außerhalb seiner Reichweite.

"Du hast die Wahl", sagte ich ihm. "Du kannst das Geld nehmen oder eine Münze werfen und einen noch größeren Preis gewinnen." Shawns abschließendes Dilemma brachte die Show auf den Punkt. In der Sendung ging es um Abenteuer, aber auch darum, Risiken zu verstehen und zu lernen, wann man Nein sagen sollte. Es ist eine Sache, mutig zu sein, es ist eine ganz andere, seine Zukunft dem puren Zufall zu überlassen.

Shawn war, wie ich sehen konnte, ob dieser Entscheidung hin- und hergerissen.

"Was würdest du tun, Richard?", fragte er.

"Es liegt ganz an dir", antwortete ich.

Für mich lag die Antwort auf der Hand, aber Shawn musste das für sich selbst herausfinden. Als er auf der Terrasse auf und ab tigerte, konnte ich sehen, dass er darüber nachdachte, mit kaltblütigem Risiko die Zuschauer zu beeindrucken (und besseres Fernsehen zu machen). Aber war dieser kurze Adrenalinkick es wert, die Chance wegzuwerfen, die sein Unternehmen und das Leben seiner Mitarbeiter verändern würde? Endlich war er so weit.

"Ich nehme den Scheck", sagte er zu mir.

Froh überreichte ich ihm den Scheck. "Wenn du dich für den Münzwurf entschieden hättest", sagte ich zu ihm, "hätte ich jeglichen Respekt vor dir verloren." Shawn hatte viel bei der Show gelernt und brachte seine Erfahrungen in sein Unternehmen Lovesac ein, das sich zu einem der weltweit führenden Möbelhersteller entwickelt hat. Und obwohl Sara nicht den Wettbewerb gewonnen hatte, gab ich ihr zusätzlich 750.000 Dollar, um ihre eigene Stiftung zu gründen, die Frauen bei ihren unternehmerischen Ambitionen und der Weiterbildung unterstützen sollte. Sara baute nicht nur ihre Wohltätigkeitsorganisation aus, sondern auch ihr Unternehmen Spanx, das sich auf den Entwurf sogenannter "Shapewear" spezialisiert hatte. Innerhalb des ersten Jahres verkaufte sie Waren im Wert von vier Millionen Dollar, ohne eine eigene Website zu haben, und Sara avancierte zur jüngsten Frau der Welt, die aus eigener Kraft ein Milliarden-Dollar-Geschäft gegründet hatte.

Sie ist die erste Frau, die sich Bill Gates' und Warren Buffetts Kampagne Giving Pledge anschloss (meine Familie und ich haben uns ebenfalls angeschlossen und versprochen, die Hälfte aller Erlöse, die wir aus der Virgin Group erzielen, für gute Zwecke zu spenden). Nicht schlecht für eine junge Frau, die ihre Firma gegründet hatte, weil sie "ihren Hintern noch besser aussehen lassen wollte".

Trumps Brief an Branson

Sara und ich sind heute gute Freunde; sie schloss sich mir an und stieg in die Jury von VOOM ein, einem Wettbewerb für Start-up-Geschäftsideen, der von Virgin Media Business ausgerichtet wird. Es war wirklich befriedigend zu sehen, wie sie ihr Fachwissen weitergab, das sie sich über all ihre Jahre im Geschäft angeeignet hatte.

"Es ist wie in alten Zeiten", sagte ich zu ihr. "Mit der Ausnahme, dass wir festen Boden unter den Füßen haben, nicht nur die Spitze eines Ballons." Es war ein Wahnsinnsspaß, The Rebel Billionaire zu machen, und es war für alle Beteiligten eine lehrreiche Erfahrung. Zudem hatte diese Sendung, so hoffe ich, auch einen hohen Unterhaltungswert. Doch nicht jedermann war beeindruckt. Donald Trump, der inzwischen der Showmaster von The Apprentice war, nahm es nicht gut auf, einen Rivalen zu haben, so freundlich und wohlmeinend der auch war.

Als ich die Pressereisen machte, um für die Show zu werben, wurde ich unweigerlich gefragt, wie sich meine Sendung von The Apprentice unterscheide. "Es geht hier mehr um Abenteuer und Unternehmertum als um Konfrontation und Verhandlungen in Vorstandsetagen", lautete meine Erklärung.

Regelmäßig wurde ich gefragt, wie sich mein Führungsstil von dem Donald Trumps unterscheide. Jedes Mal war meine Antwort dieselbe: Wir hatten einfach sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Ich habe nichts Falsches oder Gemeines über ihn gesagt, sondern lediglich auf unsere gegensätzlichen Persönlichkeiten hingewiesen. Donald sah das jedoch ganz anders.

Er fing an, in der Presse gemeine persönliche Kommentare über mich abzugeben. Als ich diese ignorierte, schrieb er direkt an mich und feuerte am 12. November 2004 den folgenden Brief ab:

Lieber Richard, … jetzt, wo ich Ihre Sendung gesehen habe, wünschte ich, Sie wären zu mir gekommen und hätten mich um Rat gebeten - ich hätte Ihnen geraten, sich erst gar nicht die Mühe zu machen. Sie sind keine Fernsehpersönlichkeit, und, wie ich schon vor langer Zeit bezüglich anderer Personen festgestellt habe, wenn diese nicht da ist, gibt es nichts auf der Welt, was man dagegen tun kann. Zumindest erlauben es Ihnen Ihre schlechten Einschaltquoten, sich wieder ganz auf Ihre Fluggesellschaft zu konzentrieren, die, wie ich mir sicher bin, jeden Funken Ihrer Aufmerksamkeit benötigt. Es ist offensichtlich ein schreckliches Geschäft und ich kann mir bei den Treibstoffpreisen etc. nicht vorstellen, dass Sie in der Branche besser zurechtkommen als jeder andere. Wie beim Fernsehen sollten Sie versuchen, auch aus dem Airline-Geschäft auszusteigen, und zwar so schnell wie möglich! Ich habe wirklich schon laut darüber nachgedacht, wie Sie überhaupt auch nur in die Nähe der Milliardengrenze herangekommen sein wollen und dabei in diesem Geschäftsbereich tätig sind. Vielleicht ist der Titel Ihrer Show, The Rebel Billionaire, irreführend? Was auch immer Sie tun, verwenden Sie nicht meinen Namen, um für Ihre rapide untergehende Show zu werben - Sie sind ein großer Junge, versuchen Sie es aus eigener Kraft! Mit freundlichen Grüßen Donald J. Trump

Ich konnte nicht anders, als darauf zu reagieren. So freundlich wie möglich antwortete ich fünf Tage später: Lieber Donald, vielen Dank für Ihre Mitteilung. Ich denke, wenn Sie sich die Presseausschnitte sorgfältig anschauen, wird Ihnen auffallen, dass ich jegliche abschätzigen Kommentare vermieden habe. Ich habe die Zeit, die wir zusammen verbracht haben, genossen und würde Sie nie persönlich schlechtmachen.

Nichtsdestotrotz hat mich jeder Interviewer gefragt, was uns unterscheidet.

Da ich mit einigen Ihrer zehn Erfolgsregeln nicht einverstanden bin, habe ich zwei davon zitiert. Den Rat, anderen nicht die Hand zu geben, und den Rat, sich bei jedem zu rächen, der einen verärgert hat. Ich glaube, dass meine Gedanken ehrlich und fair sind. Ich habe Ihnen das Gleiche gesagt, als wir zusammen Mittag aßen, und Sie mir erzählten, dass Sie alles in Bewegung setzen würden, um es jemandem zurückzuzahlen, der Ihre Anrufe nicht beantwortet und Ihnen nicht geholfen hat, als Sie kurz vor dem Bankrott standen. Ich war der Überzeugung, dass es eine Verschwendung Ihres Talents und Ihrer Energie sei, und es nicht der beste Ratschlag für angehende Unternehmer ist.

Ich habe in den vergangenen Wochen Äußerungen Ihrerseits über mich in der Presse gelesen, die man als durchaus abschätzig und übel verstehen kann, und hatte mich, obwohl die Versuchung groß war, bis jetzt entschieden, nicht darauf zu reagieren, sondern darüberzustehen.

Ich darf Sie nur kurz darauf hinweisen, dass ich sechs Milliarden-Dollar- Imperien in sechs völlig unterschiedlichen Bereichen gegründet habe, und dass dies Fox qualifiziert, die Show The Rebel Billionaire zu nennen (allein im Airline-Business - das Sie speziell genannt haben - habe ich persönliche Anteile an Virgin Atlantic und Virgin Blue im Wert von 2 Milliarden Dollar verkauft, und ich halte nach wie vor 51, respektive 25 Prozent der Anteile). Vielleicht sollten Sie meine bisherigen Äußerungen noch einmal lesen - dann können Sie entscheiden, ob es sich lohnt, dass wir Freunde bleiben, oder ob Sie mich lieber zu der Liste Ihrer Feinde hinzufügen. Es ist Ihre Entscheidung.

Mit freundlichen Grüßen Richard

Hetzerische Reden und Schmeicheleien per E-Mail

Ich bekam ein ganzes Jahrzehnt lang keine Antwort und ging also davon aus, dass mein Name auf der Liste gelandet war! Erst im Jahr 2015 hörte ich wieder von Donald. Jetzt machte er Schlagzeilen aus einem anderen Grund: als Kandidat der Republikaner für die Nominierung zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wann immer ich Donald Trumps hetzerische Reden im Fernsehen sah, oder hörte, dass seine Umfragezahlen in die Höhe schnellten, dachte ich an unser bizarres Treffen zurück. Dann erinnerte ich mich an unsere spätere Korrespondenz. Könnte dieser Mann wirklich ein ernsthafter Anwärter für das Weiße Haus sein? Es schien so.

Am 22. September 2015 erhielt ich weitere Post aus dem Büro von Donald Trump. Ich saß in The Temple auf Necker Island, als ich sie mit einiger Skepsis öffnete: "Guten Tag, Herr Branson. Herr Trump bittet Sie um Kenntnisnahme der beigefügten Notiz. Vielen Dank!" Ich betrachtete den Namen des Absenders, nahm einen Schluck Tee, öffnete den beigefügten Umschlag und fragte mich, was es wohl sein könnte. Im Inneren fand ich einen Artikel aus der Ausgabe vom 15. September der Los Angeles Times über die boomende kommerzielle Raumfahrtindustrie. Unter der Überschrift "Astronomische Unternehmen" wurden Jeff Bezos, Elon Musk und ich porträtiert. Donald Trump hatte einen großen schwarzen Pfeil gezeichnet, der auf mein Foto zeigte, und die Worte geschrieben: "RICHARD - GROSSARTIG!"

Mein unmittelbarer Verdacht war, dass Jeff und Elon identische Mitteilungen erhalten hatten. Lachend wandte ich mich an meine Assistentin Helen Clarke und sagte: "Man muss den Hut vor Donald Trump ziehen, dass er die Zeit findet, sich um solche Dinge zu kümmern!" Weitere Mitteilungen ähnlicher Art folgten, darunter Einladungen in seine Loge für die US Open in Flushing Meadows. Normalerweise bin ich ein großer Anhänger von Menschen, die sich wieder mit denen anfreunden, mit denen sie sich zerstritten haben, aber bei dieser Gelegenheit muss ich zugeben, dass das Timing mich misstrauisch machte. Wenn er seine Einladung irgendwann während des Jahrzehnts vor seiner Präsidentschaftskandidatur geschickt hätte, wäre ich vielleicht dabei gewesen. Trump schien seine bösen Briefe von damals vergessen zu haben. Stattdessen schien er so sehr darauf bedacht zu sein, hochkarätige Leute um sich zu versammeln, um seinen Präsidentschaftswahlkampf zu unterstützen, dass er sogar auf Schmeicheleien per E-Mail zurückgriff.

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Virgin Voyage nur für Ü18: Richard Branson will mit Kreuzfahrtschiffen punkten

Foto: Virgin Voyages

Wenn er einen kurzen Blick in meine Lobbyarbeit geworfen hätte, die Bereiche umfasst wie Flüchtlinge und Drogenreform, Waffenkontrolle und Klimawandel, dann hätte er gemerkt, dass ich ein Geschäftsmann bin, der sich von seiner spaltenden Rhetorik und seinem an Mobbing grenzenden Verhalten nicht beeindrucken lassen würde. Ich vermute, er hätte nie erwartet, dass seine Präsidentschaftskampagne so weit gehen würde, wie sie es tat, und er war wohl so überrascht wie jeder andere auch, als seine Kandidatur für die Präsidentschaft immer ernster und wahrscheinlicher wurde.

Im Laufe der Geschichte hat es immer wieder Zeiten gegeben, in denen die Ängste vor Einwanderung und instabilen Volkswirtschaften von Demagogen ausgebeutet wurden, indem sie Lüge und Hass benutzten, um Unruhen zu schüren. Das war hier nicht anders. "Ich fände es schön, wenn ein Unternehmer eines Tages Präsident würde", schrieb ich. "Ich glaube, dass unternehmerisches Denken in Führungskräften unglaublich wertvoll ist, und es gibt viele Unternehmer, die ich gerne an der Macht sehen würde - nur nicht diesen."

Würde ich Trump jemals unterstützen? Nein. Aber würde ich versuchen, mit ihm über Themen zu sprechen, die mir wichtig sind, vom Klimawandel bis zur Strafrechtsreform, und ihn ermutigen, einen besseren Ansatz zu wählen? Natürlich. Wie ich ihm all die Jahre zuvor bereits gesagt hatte, ist das Leben zu kurz für Feindschaften, und der Geist der Vergebung ist viel stärker als der Geist der Rache.

Würde Donald Trump dem zustimmen? Traurigerweise bezweifle ich das.

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