Donnerstag, 23. Mai 2019

Buchauszug "Finding my Virginity" Wie Richard Branson über Donald Trump denkt

Richard Branson: Bilder seines Lebens
privat

4. Teil: Trumps Brief an Branson

Sara und ich sind heute gute Freunde; sie schloss sich mir an und stieg in die Jury von VOOM ein, einem Wettbewerb für Start-up-Geschäftsideen, der von Virgin Media Business ausgerichtet wird. Es war wirklich befriedigend zu sehen, wie sie ihr Fachwissen weitergab, das sie sich über all ihre Jahre im Geschäft angeeignet hatte.

"Es ist wie in alten Zeiten", sagte ich zu ihr. "Mit der Ausnahme, dass wir festen Boden unter den Füßen haben, nicht nur die Spitze eines Ballons." Es war ein Wahnsinnsspaß, The Rebel Billionaire zu machen, und es war für alle Beteiligten eine lehrreiche Erfahrung. Zudem hatte diese Sendung, so hoffe ich, auch einen hohen Unterhaltungswert. Doch nicht jedermann war beeindruckt. Donald Trump, der inzwischen der Showmaster von The Apprentice war, nahm es nicht gut auf, einen Rivalen zu haben, so freundlich und wohlmeinend der auch war.

Als ich die Pressereisen machte, um für die Show zu werben, wurde ich unweigerlich gefragt, wie sich meine Sendung von The Apprentice unterscheide. "Es geht hier mehr um Abenteuer und Unternehmertum als um Konfrontation und Verhandlungen in Vorstandsetagen", lautete meine Erklärung.

Regelmäßig wurde ich gefragt, wie sich mein Führungsstil von dem Donald Trumps unterscheide. Jedes Mal war meine Antwort dieselbe: Wir hatten einfach sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Ich habe nichts Falsches oder Gemeines über ihn gesagt, sondern lediglich auf unsere gegensätzlichen Persönlichkeiten hingewiesen. Donald sah das jedoch ganz anders.

Er fing an, in der Presse gemeine persönliche Kommentare über mich abzugeben. Als ich diese ignorierte, schrieb er direkt an mich und feuerte am 12. November 2004 den folgenden Brief ab:

Lieber Richard, … jetzt, wo ich Ihre Sendung gesehen habe, wünschte ich, Sie wären zu mir gekommen und hätten mich um Rat gebeten - ich hätte Ihnen geraten, sich erst gar nicht die Mühe zu machen. Sie sind keine Fernsehpersönlichkeit, und, wie ich schon vor langer Zeit bezüglich anderer Personen festgestellt habe, wenn diese nicht da ist, gibt es nichts auf der Welt, was man dagegen tun kann. Zumindest erlauben es Ihnen Ihre schlechten Einschaltquoten, sich wieder ganz auf Ihre Fluggesellschaft zu konzentrieren, die, wie ich mir sicher bin, jeden Funken Ihrer Aufmerksamkeit benötigt. Es ist offensichtlich ein schreckliches Geschäft und ich kann mir bei den Treibstoffpreisen etc. nicht vorstellen, dass Sie in der Branche besser zurechtkommen als jeder andere. Wie beim Fernsehen sollten Sie versuchen, auch aus dem Airline-Geschäft auszusteigen, und zwar so schnell wie möglich! Ich habe wirklich schon laut darüber nachgedacht, wie Sie überhaupt auch nur in die Nähe der Milliardengrenze herangekommen sein wollen und dabei in diesem Geschäftsbereich tätig sind. Vielleicht ist der Titel Ihrer Show, The Rebel Billionaire, irreführend? Was auch immer Sie tun, verwenden Sie nicht meinen Namen, um für Ihre rapide untergehende Show zu werben - Sie sind ein großer Junge, versuchen Sie es aus eigener Kraft! Mit freundlichen Grüßen Donald J. Trump

Ich konnte nicht anders, als darauf zu reagieren. So freundlich wie möglich antwortete ich fünf Tage später: Lieber Donald, vielen Dank für Ihre Mitteilung. Ich denke, wenn Sie sich die Presseausschnitte sorgfältig anschauen, wird Ihnen auffallen, dass ich jegliche abschätzigen Kommentare vermieden habe. Ich habe die Zeit, die wir zusammen verbracht haben, genossen und würde Sie nie persönlich schlechtmachen.

Nichtsdestotrotz hat mich jeder Interviewer gefragt, was uns unterscheidet.

Da ich mit einigen Ihrer zehn Erfolgsregeln nicht einverstanden bin, habe ich zwei davon zitiert. Den Rat, anderen nicht die Hand zu geben, und den Rat, sich bei jedem zu rächen, der einen verärgert hat. Ich glaube, dass meine Gedanken ehrlich und fair sind. Ich habe Ihnen das Gleiche gesagt, als wir zusammen Mittag aßen, und Sie mir erzählten, dass Sie alles in Bewegung setzen würden, um es jemandem zurückzuzahlen, der Ihre Anrufe nicht beantwortet und Ihnen nicht geholfen hat, als Sie kurz vor dem Bankrott standen. Ich war der Überzeugung, dass es eine Verschwendung Ihres Talents und Ihrer Energie sei, und es nicht der beste Ratschlag für angehende Unternehmer ist.

Ich habe in den vergangenen Wochen Äußerungen Ihrerseits über mich in der Presse gelesen, die man als durchaus abschätzig und übel verstehen kann, und hatte mich, obwohl die Versuchung groß war, bis jetzt entschieden, nicht darauf zu reagieren, sondern darüberzustehen.

Ich darf Sie nur kurz darauf hinweisen, dass ich sechs Milliarden-Dollar- Imperien in sechs völlig unterschiedlichen Bereichen gegründet habe, und dass dies Fox qualifiziert, die Show The Rebel Billionaire zu nennen (allein im Airline-Business - das Sie speziell genannt haben - habe ich persönliche Anteile an Virgin Atlantic und Virgin Blue im Wert von 2 Milliarden Dollar verkauft, und ich halte nach wie vor 51, respektive 25 Prozent der Anteile). Vielleicht sollten Sie meine bisherigen Äußerungen noch einmal lesen - dann können Sie entscheiden, ob es sich lohnt, dass wir Freunde bleiben, oder ob Sie mich lieber zu der Liste Ihrer Feinde hinzufügen. Es ist Ihre Entscheidung.

Mit freundlichen Grüßen Richard

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