Samstag, 14. Dezember 2019

Die härteste Modekritikerin der Welt Die tolle Mrs Menkes

Suzy Menkes: Die härteste Modekritikerin der Welt
REUTERS

Mit 71 Jahren dreht die härteste und einflussreichste Modekritikerin der Welt noch einmal auf: Die Britin postet für die "Vogue". Warum eigentlich?

Überall mischt sie mit, die Frau mit der Tolle. In Salzburg trifft sie Karl Lagerfeld, in Florenz diniert sie mit der Schauspielerin Tilda Swinton, in Paris lässt sie sich von Miuccia Prada drücken. Sie kuschelt mit Tom Ford, plaudert mit David Beckham und stößt mit Marianne Faithfull darauf an, dass deren gebrochene Hüfte rasch heilen möge. Sie macht Selfies mit Catherine Deneuve und Mick Jagger, aber nicht immer sieht sie so aus, als wüsste sie genau, wo sie gerade ist, aber egal. "Wandel ist immer gut", sagt sie, "genau darum geht es doch in der Mode."

Die Dame, die ein derart wildes Leben in den Modemetropolen und auf Instagram führt, ist an Heiligabend 71 Jahre alt geworden. Ihr Name: Suzy Menkes. Ihr Job: wichtigste Modekritikerin der Welt. Menkes' Urteil hat Designer in den Olymp gehoben oder auf Normalmaß gestutzt. Andere, und das gilt in der Szene als Höchststrafe, hat sie schlicht missachtet.

Fast 26 Jahre lang war Menkes für die "International Herald Tribune", die heutige "International New York Times", unterwegs, hat rund 15.000 Modeschauen besucht und mit ihren Artikeln unzähligen Leuten das Frühstück verdorben oder den Tag versüßt: Designern in London, CEOs in Mailand, Schneiderinnen bei Dior, Einkäufern im KaDeWe.

Gefunden in
Splendid
April 2015

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Seit Neuestem erledigt die Britin ihren Scharfrichterjob beim Condé Nast Verlag. Als International Vogue Editor berichtet sie für die 19 internationalen Websites der Zeitschrift mit deren fast 50 Millionen Usern. Die seit Jahren kursierenden Gerüchte, sie werde bald aufhören, kann Menkes nicht mehr hören. Sie sei doch erst 71, sagt sie. Und schüttelt den Kopf, bis die Haartolle vibriert.

Es ist nicht irgendeine Tolle, die sich da über dem runden Gesicht auftürmt. "French roll" nennen Kollegen das Ding liebevoll, andere müssen an Madame Pompadour denken oder an einen Saurierbuckel.

"Mir flogen früher beim Tippen die Haare ins Auge, also toupierte ich sie hoch", sagt sie über ihr Markenzeichen. "Meine Friseurin in London zeigte mir, wie ich dieses Büschel nach oben rolle. Dabei ist es geblieben." Seither gehört Suzy Menkes' Frisur zu den wenigen Konstanten in der wechselhaften Welt der Mode.

Auch ihr Kleidungsstil sticht hervor unter den geklonten Ladys der First Row mit ihren gelangweilten Gesichtern und Musthaves der Saison. Das "leicht verrückte Tantchen" (Kate Moss) ist höchst farbenfroh und musterreich gewandet. In Jeans geht Menkes nie, ohne Schal nur bei Hitze, am liebsten in Seide.

"Das Interessante an Modejournalisten ist nicht, was sie tragen, sondern, was sie schreiben", sagt sie. Ach ja, auffällig sind auch noch die meist flachen Sohlen, auf denen sie erdnah unter ihren stöckelnden Kolleginnen wandelt.

Während die sich gerne von Luxuslabels ausstatten lassen oder Urlaubsreisen annehmen, weist Menkes Einladungen strikt ab und sendet Zuwendungen rigoros zurück: "Ich wurde in dem Glauben erzogen, dass ein Mädchen niemals Geschenke annehmen sollte, außer Blumen oder Schokolade."

Menkes lässt sich nicht bestechen. Allenfalls gerät sie hin und wieder unter Verdacht, ein allzu patriotisches Faible für britische Designer zu hegen. Ihr Ruf als Kritikerin war dennoch stets untadelig, weil sie ohne Angst vor Anzeigenrepressalien durch die Modehäuser agiert und mit einer klaren Sicht auf die Dinge: "Etwas ist nicht deshalb gut, weil es dir gefällt, sondern weil etwas gut ist, gefällt es dir."

Menkes wählt klare Worte. Unter Kollegen hat sie den Spitznamen "Samurai Suzy" weg. So schrieb sie über Karl Lagerfeld einmal, ihm fehle "eine Mutter, die ihm sagt, wann er zu weit geht". Den niederländischen Designern Viktor & Rolf attestierte sie "mehr Geschäftssinn als Talent". Marc Jacobs schalt sie 2007 in New York, er habe eine "Kostümshow für Freaks" gezeigt. Die Rache des Geschmähten folgte wenig später in Paris, wo Jacobs ihr am Ende seines Defilees für Louis Vuitton die Zunge herausstreckte.

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