Mittwoch, 11. Dezember 2019

Vom Banker zum Gastronomen "Mein Wechsel in die Hochrisikobranche"

Das war es dann: Philipp Wanke in der Empfangshalle seines ehemaligen Arbeitgebers, der Deutschen Bank

Philipp Wanke war Produktmanager bei der Deutschen Bank. Die Großkonzernkultur stieß ihn am Ende ab; ihm fehlte echte Verantwortung. Jetzt macht der 38-Jährige sich als Gastronom selbstständig - und berichtet davon auf manager magazin online.

Das nennt man wohl einen ganz anständigen Berufsweg: Neun Jahre lang arbeitete ich in der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, der so genannten Deutsche Bank Asset Wealth Management - zuletzt als Produktmanager mit Verantwortung für Aktienfonds und Publikumsfondslösungen für institutionelle Kunden. Das hört sich erst einmal gut an, wurde aber zunehmend zu einer Enttäuschung. Doch dazu später mehr.

Nach einem weiteren Managementwechsel in der Deutschen Bank und im Bereich Asset Management deutete sich 2012 ein Restrukturierungsprogramm mit entsprechendem Stellenabbau an. Auf dem Flurfunk hieß es, dass man sich auch als Freiwilliger für ein solches Programm melden könne und man eine Kompensation erhalte. Ich hatte schon vorher mit der Idee gespielt, mich in der Gastronomie selbstständig zu machen. Das hier hörte sich jetzt nach einer sehr guten Chance an.

Nach Ostern 2013 stand dann mein Entschluss, den Versuch zu starten. Ich führte zahlreiche vertrauensvolle und auch wirklich konstruktive Gespräche mit Vorgesetzten, die mich im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützten, auch wenn die Verwunderung über meinen Plan recht groß war. Auch sickerten Informationen aus vertraulichen Gesprächen durch und Gerüchte kursierten. Das allerdings nervte mich gewaltig und machte mir den Entschluss noch leichter, das Haus zu verlassen.

Der firmeninterne Entscheidungsprozess zog sich über drei Monate hin. In dieser Zeit war es schwierig, mögliche Vorbereitungen für den Schritt in die Gastronomie zu treffen. Ich wusste nicht, ob, wann und zu welchen Konditionen ich die Firma verlassen kann, konkrete Verhandlungen über Mietobjekte waren sinnlos. Es lief auf eine Kündigung ins Blaue hinaus. Ich konnte mir lediglich einen Marktüberblick verschaffen.

Deutlich wurde mir aber schnell: Nicht nur die Wohnungsmieten sind in Frankfurt mittlerweile gesalzen. Auch die Kaltmieten von Gastronomieobjekten: Sie liegen zumeist mindestens doppelt so hoch wie Wohnungsmieten, aber auch das sechs- bis siebenfache ist nicht unüblich. Hinzu kommen Abstandszahlungen für Einrichtung, Küche und "Lage/Umsatz" die selten unter 20.000 Euro liegen, auch 150.000 Euro und mehr ist nicht aus der Fabelwelt.

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