Donnerstag, 23. Mai 2019

"Enquirer" weist Erpressungsvorwurf zurück Bruder von Bezos' Geliebter soll Nacktfotos weitergegeben haben

Jeff Bezos, Freundin Lauren Sanchez
Getty Images
Jeff Bezos, Freundin Lauren Sanchez

Das US-Boulevardblatt "National Enquirer" hat Vorwürfe einer Erpressung von Amazon-Chef Jeff Bezos zurückgewiesen. "Es ist absolut keine Erpressung", sagte Anwalt Elkan Abramowitz am Sonntag dem US-Sender ABC. Es habe sich vielmehr um eine "legitime Verhandlung" gehandelt. Bezos und der "National Enquirer"-Herausgeber American Media Inc (AMI), den Abramowitz vertritt, hätten ein Interesse daran gehabt, ihre "Differenzen" beizulegen.

Bezos hatte AMI am Donnerstag vorgeworfen, ihm mit einer Veröffentlichung intimer Fotos gedroht zu haben. Demnach forderte das Medienunternehmen von ihm, Ermittlungen über eine bereits publizierte Enthüllungsgeschichte über sein Privatleben zu stoppen und zu erklären, hinter der Veröffentlichung gebe es keine politischen Motive.

Der "National Enquirer" hatte im Januar über eine außereheliche Affäre des reichsten Mannes der Welt berichtet. Bezos vermutet dahinter politische Motive: AMI-Chef David Pecker ist ein langjähriger Freund von US-Präsident Donald Trump. Bezos wiederum ist Eigentümer der "Washington Post", die kritisch über Trump berichtet.

Die "Washington Post" hat außerdem sehr kritisch über Saudi-Arabien berichtet. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman wird verdächtigt, die Ermordung des Journalisten und "Washington Post"-Kolumnisten Jamal Khashoggi angeordnet zu haben. Am vergangenen Donnerstag verwies Bezos auf die Nähe zwischen AMI zu Trump und zu Saudi-Arabien - und machte deutlich, dass er politische Motive hinter der "National Enquirer"-Geschichte zu seiner Geliebten Lauren Sanchez vermutet.

Jeff Bezos und seine Frau MacKenzie Bezos haben ihre Scheidung angekündigt

"Ich denke, Bezos und AMI hatten Interesse daran, ihre Differenzen beizulegen", sagte AMI-Anwalt Abramowitz am Sonntag auf ABC. "Bezos wollte nicht, dass eine andere Geschichte über ihn geschrieben wird oder diese Fotos veröffentlicht werden. AMI wollte nicht die Verleumdung gegen sich, vom Weißen Haus, von Saudi-Arabien oder von der 'Washington Post' inspiriert worden zu sein."

Wer dem "National Enquirer" die privaten Textnachrichten und Fotos von Bezos zugespielt hat, wollte Abramowitz nicht sagen. Die Quelle sei aber "verlässlich" und sowohl Bezos als auch dessen Geliebter bekannt. "Ich kann Ihnen sagen dass es weder Saudi-Arabien, noch Präsident Trump, noch (der Trump-Vertraute) Roger Stone war."

Bruder von Sanchez soll angeblich Fotos weitergegeben haben

Medienberichten zufolge wird Sanchez' Bruder verdächtigt, dem "National Enquirer" die Informationen zugesteckt zu haben. Dieser ist Trump-Anhänger. Bezos hatte Privatermittler beauftragt, um denjenigen ausfindig zu machen, wer die Nacktfotos und Textnachrichten an den "National Enquirer" weitergegeben hat. Hintergrund ist die Trennung des "Washington Post"-Besitzers von seiner Ehefrau MacKenzie - und sein Verhältnis mit der früheren TV-Moderatorin Sanchez. Das Paar hatte am 9. Januar bekanntgegeben, sich nach 25 Ehejahren scheiden zu lassen - und dabei außereheliche "Erkundungen in Liebesdingen" angedeutet.

Laut der "Washington Post" hatte der "Enquirer" Bezos kurz zuvor informiert, dass er eine Geschichte über dessen Seitensprung mit Sanchez veröffentlichen werde. Kurz nach Ankündigung der Scheidung machte das Blatt dann die Affäre öffentlich und publizierte "schlüpfrige Textnachrichten und schwärmerische Liebesnotizen" der beiden.

Der Anwalt von AMI-Chef Pecker, Elkan Abramowitz, wies Bezos' Erpressungsvorwurf am Sonntag in einem Interview des Nachrichtensenders ABC News zurück. Die Fotos und Textnachrichten seien dem "Enquirer" von einer "verlässlichen Quelle" zugespielt worden, mit der das Blatt schon seit sieben Jahren zusammenarbeite. Sowohl Bezos als auch Lauren Sanchez würden die betreffende Person "gut kennen".

Die "Washington Post" hatte den Verdacht bereits vor Tagen auf den Bruder gelenkt, allerdings wies der auf Anfrage der Zeitung jegliche Verantwortung zurück. Vom "Daily Beast" auf Michael Sanchez' Rolle angesprochen, verweigerten nun sowohl der Verlag als auch der Beschuldigte selbst die Auskunft.

Trump nennt Bezos "Depp"

Laut Bezos' Sicherheitsberater Gavin de Becker sind die privaten Ermittlungen dazu, wer der "Enquirer"-Informant ist, inzwischen abgeschlossen. Die Erkenntnisse würden an die Behörden weitergegeben, sagte er "Daily Beast". Name oder Motiv des Schuldigen nannte de Becker nicht.

Zu welcher Gemütsregung die jüngsten Schlagzeilen über Bezos beim Präsidenten geführt haben ist nicht bekannt. Der Amazon-Chef geht jedenfalls davon aus, dass ihn Trump "fälschlicherweise" als seinen Feind betrachtet. Nach Bekanntwerden der Affäre mit Lauren Sanchez im Januar hatte ihn der Präsident als "Depp" (Bozo) und Bezos' "Lobbyisten-Zeitung" als "Amazon Washington Post" verspottet, die "hoffentlich bald in besseren Händen" landen werde

la/AFP/dpa

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