Dienstag, 25. Februar 2020

Influencer selbst gemacht Wie ein Oldenburger Familienbetrieb die Miss-Germany-Wahlen retten will

Nummerngirls: Miss-Germany-Kandidatinnen 2017

Die Wahl zur "Miss Germany" ist eine deutsche Institution - allerdings eine mit ziemlich angestaubtem Charme. Um gegen Wettbewerbe wie "Germany's next Topmodel" oder "Deutschland sucht den Superstar" zu bestehen und auch für Werbeträger interessanter zu werden, will sich der in den 20er Jahren gegründete Wettbewerb neu erfinden. Und hat sich dabei radikal entstaubt - mit Hilfe eines Familienbetriebs aus Oldenburg.

Statt Fleischbeschau mit Krönchen und Schärpe will die Oldenburger Miss Germany Corporation (MGC) künftig "authentische Frauen" premieren. Und der Werbewirtschaft künftig ganzjährig bespielbare Vermarktungspakete anbieten, bei denen für die Unternehmen auch noch hausgemachte Werbeträger herausspringen.

Verantwortlich für die geplante Rettung der deutschen Institution zeichnet Max Klemmer. Der 24-jährige Enkel des Unternehmensgründers Horst Klemmer hat in dem von seinem Großvater in den 60er Jahren gegründeten Oldenburger Familienbetrieb Veranstaltungskaufmann gelernt. 2017 - als klar wurde, dass das Geschäft in seiner traditionellen Form keine Zukunft hatte - schmiss er im ersten Semester das gerade begonnene Wirtschaftsstudium, stieg ins Familienbusiness ein und schrumpfte das Miss-Germany-Team erst einmal um mehr als 50 Prozent auf nun 15 Köpfe.

Gleichzeitig entwickelte er mit Hilfe externer Experten ein Konzept, dass die Misswahlen in die Zukunft retten soll.

Bikini-Auftritte wie hier 2015 soll es künftig nicht mehr geben

Statt ausschließlich unverheiratete, kinderlose jungen Frauen zu Miss Germanys zu krönen, will der Wettbewerb nun "authentische Frauen" als Influencerinnen also Werbeträgerinnen für Werbepartner rekrutieren. Dazu hat er sich mit Bauer einen neuen Medienpartner ins Boot geholt.

Die Altersgrenze wurde von 18 bis 39 Jahren hochgesetzt. Und statt guter Kurven müssen sie heute "vor allem eine gute Story haben", betont Klemmer - und unbedingt Social-Media-Potenzial.

Allerdings hat die Authentizität bislang noch beträchtlich Grenzen: Frauen, die nicht ins gängige Schönheitsideal passen, findet man unter den Finalistinnen noch immer nicht. Das Durchschnittsalter liegt bei 24 Jahren.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung