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Michael Frenzel in seinem Garten in Hannover-Burgdorf
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Rafael Heygster für manager magazin

Ex-Tui-Chef Michael Frenzel Der Manager und die SPD

Nach dem Ausstieg als Konzernchef wollte er mehr als Golf und Rotwein. Wie Michael Frenzel den Sozialdemokraten Wirtschaftskompetenz einimpft – ob sie wollen oder nicht.
Von Michael Machatschke aus manager magazin 7/2021

Seinen rastlosen Ruhestand verdankt Michael Frenzel (74) nicht zuletzt VW-Legende Ferdinand Piëch. Als der langjährige Tui-Chef Anfang 2013 seinen Ausstand feierte, nahm ihn Tischnachbar Piëch ins Gebet: "Lieber Herr Frenzel", mahnte er mit ernster Miene, "verbringen Sie Ihre Zeit jetzt nicht nur mit Rotwein und Golf – da sind sie bald tot!"

Der Rat kam an. Der Altmanager hat ein ganzes Arsenal von Aufgaben übernommen, "alles ehrenamtlich", wie er betont. Die Wahl fiel – naheliegend – einerseits auf die Touristik. Er ist Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Botschafter des Weltverbands WTTC und Ehren-Chairman beim chinesischen Reiseforum GTEF, um nur die auffälligsten Posten zu nennen.

Überraschender wirkt sein zweites Metier – die Politik. Frenzel, der als junger Mann für die SPD im Duisburger Stadtrat saß, ist seiner Partei wieder eng verbunden. Mit dem Wirtschaftsforum der SPD hat er einen der quirligeren Politzirkel des Landes aufgebaut. Gerade erst hielt das Forum eine große Wirtschaftskonferenz ab und legte ein Grundsatzpapier vor. Das begleitende Buch ("Postcoronomics") vereint prominente Autoren, von Vizekanzler Olaf Scholz (63; SPD) bis FDP-Chef Christian Lindner (42).

Mit der Akzeptanz der Plattform jenseits der Sozialdemokratie ist Forums-Präsident Frenzel zufrieden; viele Unternehmen unterstützten den Verein als Mitglied, "wir haben alle großen Namen dabei". Ob es aber auch gelingt, die eher liberalen Ideen in die inzwischen wieder ziemlich linke SPD zu tragen? Er scheint da selbst Zweifel zu haben, spricht vorsichtig von einem "vernünftigen Kontakt".

Politbarometer: Frenzel (2. v. r.) 2004, damals noch als Tui-Chef, auf der Geburtstagsparty eines Freundes des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (l.). Sigmar Gabriel (r.) drängte Frenzel 2014 zur Gründung des Wirtschaftsforums der SPD.

Politbarometer: Frenzel (2. v. r.) 2004, damals noch als Tui-Chef, auf der Geburtstagsparty eines Freundes des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (l.). Sigmar Gabriel (r.) drängte Frenzel 2014 zur Gründung des Wirtschaftsforums der SPD.

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Ohnehin ist das politische Geschäft reich an Rückschlägen, wie Frenzel bei einer Initiative des BTW erlebte. Der forderte, dass wegen Corona ausgefallene Reisen und Flüge mit staatlich abgesicherten Gutscheinen erstattet werden können. Die Bundesregierung war erst dafür, dann doch dagegen, aus Angst vor Brüsseler Sanktionen. "In Frankreich, Spanien oder den Niederlanden hat man einfach die Gutscheinlösung umgesetzt, und Brüssel hat stillgehalten", grollt Frenzel.

Generell sorgt er sich über eine "bei allen Parteien entrückte Politik", fern der Lebenswirklichkeit. Und freut sich trotzdem, wie frisch die Arbeit im Berliner Zirkus ihn hält. Piëch hatte recht.

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