Montag, 19. August 2019

LVMH-Uhrenboss Jean-Claude Biver tritt kürzer Er sieht sich als Hippie, die anderen ihn als Workaholic

Uhrenguru, Hippie, Workaholic: Jean-Claude Biver
Fred Merz / lundi13
Uhrenguru, Hippie, Workaholic: Jean-Claude Biver

Jean-Claude Biver beschenkt sich zum Geburtstag selber: Am Donnerstag seinem 69. Geburtstag, gibt er bekannt, aus dem operativem Geschäft der LVMH-Uhrensparte zurückzutreten: "Ich gebe meine operative Verantwortung ab. Aber ich bleibe als nicht-exekutiver Präsident des Uhrenbereichs von LVMH und der drei Uhrenmarken TAG Heuer, Zenith und Hublot".

In einem Telefongespräch mit manager-magazin.de nannte Biver den Hauptgrund: "Ich bin schon länger gesundheitlich angeschlagen. Aber leider ein sehr ungeduldiger Mensch." Auslöser, wie er einräumt, "waren zwei Rückenoperationen, die ich seit Mai hatte. Ich wurde also gezwungen mich zurückzunehmen."

"Mit Ricardo Guadalupe haben wir seit Jahren einen sehr erfolgreichen CEO bei Hublot," meint der Uhrenchef. Ähnlich bei der Traditionsmanufaktur Zenith. Biver holte den 45-jährigen Julien Tornare, der zuvor internationaler Verkaufsleiter bei Vacheron Constantin war, und positionierte ihn 2017 als neuen CEO. "Besonders Hublot performt über dem Durchschnitt und auch Zenith wird erfolgreich entstaubt," erklärt Biver. Auch seine interim CEO-Position bei Tag Heuer wird er abgeben.

Stéphane Bianchi soll Biver als Uhrenchef Biver ablösen

Nachfolger Bivers soll Stéphane Bianchi ab 1. November werden. Der 53-jährige ist Absolvent des Institut d'Etudes Politiques in Paris, war langjähriger CEO der Kosmetikmarke Yves Rocher zuletzt Vorstandsmitglied der Maus Group. Er wird nicht nur die LVMH-Uhrendivision leiten, sondern auch als CEO von Tag Heuer antreten.

Die Zahlen belegen die gute Performance aus dem jüngsten Geschäftsbericht des weltweit größten Luxusgüterkonzerns LVMH. Im ersten Halbjahr 2018 verdiente man 28 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Der Gewinn stieg auf 4,65 Milliarden Euro und der Umsatz legte satte zehn Prozent auf 21,8 Milliarden Euro zu. Im Uhren- und Schmucksegment, darunter mit Bivers Marken Hublot, Tag Heuer und Zenith, kletterte der Umsatz um acht Prozent auf zwei Milliarden Euro - ein Gewinnsprung um fast die Hälfte. Die Nobelmanufaktur war der offizielle Zeitmesser der diesjährigen Fußball-WM und stattete die Schiedsrichter mit einer Smartwatch aus. Eine limitierte Serie der Uhren erschien für Fußballfans und war sofort ausverkauft.

Im Video: Biver präsentiert Hublots Schiedsrichter-Uhr zur WM 2018

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Bild: Hublot

Guru der Schweizer Uhrenbranche

Biver, der seit 2014 bei LVMH die Uhrensparte übernahm, bezeichnet sich selbst als Hippie. Bei Insidern gilt der Selfmade-Millionär und Branchen-Guru als Workaholic, der schon morgens um fünf Uhr Emails beantwortet. Zusammen mit einem Partner erwarb der gebürtige Luxemburger 1982 für 22.000 Franken die Marke Blancpain und schuf daraus einen florierenden Luxusuhren-Hersteller. Nur zehn Jahre danach verkaufte er Blancpain für 60 Millionen Franken an die heutige Swatch Group. Dort polierte Biver fortan die Marke Omega wieder erfolgreich auf.

2004 stieg Biver bei der Marke Hublot ein, die vier Jahre später von Bernard Arnault bei LVMH gekauft wurde. Seither verbindet die beiden Luxus-Alphamänner eine enge Freundschaft. Arnault ließ Biver freie Hand. "Wenn noch Zenith floriert, habe ich fünf Uhrenmarken saniert," so Biver. Und worauf freut sich der neue Non-Executive President des LVMH-Uhrenbereichs am meisten? "Auf das Musikhören, meine Kühe und ihren Käse und vielleicht steige ich wieder in den Sattel," so Biver. Der leidenschaftliche Rennradfahrer gibt gern Vollgas.

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