Geld ausgeben mit Iris von Arnim "Shoppen gehe ich selten, aber wenn, dann schlage ich richtig zu"

Mit bunten Strickpullis wurde sie bekannt. Heute ist ihr Name eine Luxusmarke. Die 70-jährige Kaschmirdesignerin über alles, was sie reich macht.
Von "Splendid"
Kaschmirdesignerin Iris von Arnim: "Früher saß ich auf dem Flokati, strickte und hörte die Rolling Stones."

Kaschmirdesignerin Iris von Arnim: "Früher saß ich auf dem Flokati, strickte und hörte die Rolling Stones."

Foto: Sven Hoffmann Journal

"Ein weiter Blick in die Ferne ist für mich sehr wichtig. Deshalb wohne ich in Hamburg in einem Loft auf Baumwipfelhöhe mit einem Glasscherendach. Aber nicht nur mein Zuhause ist ein Cabrio, auch mein Auto. Mit dem Porsche düse ich donnerstags nach der Arbeit immer nach Sylt, fürs Wochenende. In Kampen habe ich ein Reihenhäuschen, von dem aus ich hinaus auf die Heide schauen kann.

Neulich stand sogar ein Reh im Garten. Auf Sylt schalte ich gern die Matthäus-Passion ein und tue mal gar nichts. Für eine Alt-68erin wie mich ist Musik seit jeher die Kunst, die mich am meisten tröstet, glücklich macht und zum Nachdenken anregt. Schon mit 25 saß ich auf dem Flokati, hörte die Stones, strickte dabei und war wahrscheinlich selbst stoned. Ich hatte mal einen Freund in Paris, der mich für Wagner begeistert hat. Es gibt kaum etwas Schöneres, als zu "Tristan und Isolde" verliebt zu sein.

Mit meiner Sonos-Anlage komme ich heute ja an Hunderte von Sendern ran. Ich höre mal Latin, mal Rock 'n' Roll, Acid Jazz turnt mich an. Leider beherrsche ich die Technik der Anlage nicht richtig. Wenn es mir zu viel wird, dann hole ich einfach die alten Platten wieder raus: Genesis oder Van Morrison.

Meine Mitarbeiter sind deutlich jünger als ich. Von denen wünsche ich mir oft selbst gebrannte CDs mit ihren Lieblingssongs. Da macht man tolle Entdeckungen. Die Band Milky Chance habe ich so aufgespürt.

Wenn ich nicht Musik höre, setze ich mich gern auf mein E-Bike und fahre am Watt der Sonne entgegen. Mit dem Elektroantrieb muss ich mich nicht so quälen - ich rauche ja und habe nicht mehr so viel Kraft.

In der Sansibar lasse ich mich dann gern verwöhnen, sonst gehe ich nicht viel aus. Wenn es mich abends doch mal rauszieht, dann selbstverständlich mit Stil. Schlicht, aber extravagant muss die Garderobe dann sein - und zum Alter passen. Ich kaufe nicht nach Laune und will nicht wie ein Zirkuspferd aussehen. Früher habe ich Gaultier getragen, heute sind es zumeist Kleider von Lanvin. Und sonst Kaschmirteile und Jeans. Ich habe bestimmt 50 Pullis im Haus plus ein Lager mit aktuellen Modellen.

Shoppen gehe ich selten, aber wenn, dann schlage ich richtig zu. Bei Eder in Kitzbühel oder zu Hause bei Unger. Dass ich mir leisten kann, worauf ich Lust habe, ist ein großer Luxus, ich bin ja nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden. In den 70ern habe ich in meinem ersten Laden noch gewohnt: im Hinterzimmer. Ich hatte sechs Kunden im Monat - das reichte für die 180 Mark Miete."

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