Überflieger-Unternehmer Dieser Minderjährige führt eine eigene Unternehmensgruppe

Mit 13 der erste Job, mit 15 das erste Unternehmen und mit 17 gleich mehrere GmbHs gegründet: Patrick Scherzinger mischt von seinem Zimmer aus im Business mit. Was treibt ihn an?
Früh dabei: Der Unternehmer Patrick Scherzinger

Früh dabei: Der Unternehmer Patrick Scherzinger

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Julian Prause

Früher kam er um 15 Uhr aus der Schule. Ein kurzes "Hallo" an die Eltern – dann die Treppe rauf in sein Zimmer. Computer hochfahren, einloggen – und online mit den Freunden zocken. Das hat ihm Spaß gemacht, Tag für Tag. Doch irgendwan langweilte er sich. "Mir reichte die virtuelle Welt nicht mehr – ich wollte im richtigen Leben gewinnen, etwas Neues lernen", erzählt Patrick Scherzinger (17) heute.

Damals, mit 13, fühlte er sich unterfordert. Der Unterrichtsstoff in der Schule genügte ihm nicht, sehr gute Noten hatte er ohnehin. Er beschloss, seinem Leben eine 180-Grad-Wendung zu verpassen. Zwar verbrachte er weiterhin seine Nachmittage vor dem Computer. Aber nicht mehr, um Computerspiele zu spielen – sondern um sich weiterzubilden. Er lernte mithilfe von YouTube-Videos, wie man Webseiten baut und gestaltet.

Damit war der Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere gelegt. Es ist die Geschichte eines jugendlichen Überfliegers, der statt mit Freunden zu spielen, lieber Unternehmer geworden ist. Heute gehören ihm mehrere GmbHs, obwohl er noch immer nicht volljährig ist. Was treibt so jemanden an? Und was bedeutet es, täglich das Leben eines Erwachsenen zu führen?

Vier Jahre ist es her, als Patrick Scherzinger seinen ersten Auftrag bekam, mit 13. Bekannte seiner Eltern hatten ein Weingut gekauft und wollten die Flaschen über einen Onlineshop vermarkten. Kurz darauf begann er, für eine inzwischen nicht mehr existierende Medienagentur Minijobs zu übernehmen, machte Instagram-Werbung und entwarf die Webseite für die Firma.

"Das hat mich motiviert – ich wollte selbst Unternehmer werden", erzählt der Teenager. Seine Eltern waren zunächst skeptisch. Sie wissen nur allzu gut, welche Herausforderungen die Selbstständigkeit mit sich bringt: Mutter Marion Scherzinger ist selbstständige Kreditanalystin, Vater Frank Scherzinger (58) Unternehmensberater. Unter der Bedingung, dass sich die Schulnoten nicht verschlechtern, haben sie ihm dann doch die Einverständniserklärung gegeben, die ihr Sohn vor dem Familiengericht brauchte. Denn nur mit einer Sondergenehmigung darf ein Minderjähriger in Deutschland ein Unternehmen gründen. Nach einem dreimonatigen Gerichtsverfahren durfte der damals 15-Jährige loslegen.

Ein Unternehmen nach dem anderen

Ende 2020 gründete Patrick Scherzinger die Medienagentur Media42, um das weiterzuführen, was er zuvor gelernt hatte: Webseiten programmieren. Doch auch das war ihm nicht genug. Also baute er ein Jahr später die Scherzinger Holding GmbH auf. Sie soll Beteiligungen an anderen Gesellschaften halten sowie in Aktien investieren. "Wie ein kleines Sparschwein", sagt er. Die 25.000 Euro, die er für die Gründung der GmbH brauchte, nahm er nach eigenen Angaben von den Gewinnen aus dem Einzelunternehmen.

Erstrittener Akt: Mit 15 Jahren gründete Patrick Scherzinger sein erstes Unternehmen, hier bei Unterzeichnung der Papiere

Erstrittener Akt: Mit 15 Jahren gründete Patrick Scherzinger sein erstes Unternehmen, hier bei Unterzeichnung der Papiere

Foto: Fabio Canthal

Für die Gründung der GmbH zog er erneut vor Gericht. Um Gesellschafter sein zu können, ist eine weitere Genehmigung bei Minderjährigen erforderlich. Nur Geschäftsführer darf Patrick Scherzinger offiziell nicht sein. Die Position übernimmt sein Vater – ohne Geld dafür zu bekommen. "Operativ hat er aber wenig mit der GmbH zu tun", sagt Scherzinger junior. Mehr als Steuern, Buchführung und Co. übernehme der Vater nicht. Er selbst habe "vollkommen freie Hand". Und profitiert allein von den Einnahmen.

Im März dieses Jahres kam die Scherzinger Consulting GmbH dazu, in der die Geschäfte seiner Medienagentur Media42 aufgingen. Mit dieser Firma erstellt der Teenager weiterhin Webseiten und berät andere Unternehmen. Natürlich hätte er alles über eine Firma abwickeln können, wollte er aber nicht. "Indem ich verschiedene GmbHs gründe, kann ich die Haftungsrisiken verteilen – außerdem brauche ich immer neue Herausforderungen", sagt er.

Gesagt, getan. Im April gründete er die All Electric GmbH, die E-Scooter, E-Bikes und Zubehör verkauft. Er hatte bereits bei der Vermarktung von Zubehörteilen für ein Unternehmen namens CzokIndustries UG mitgeholfen, erste Erfahrungen gesammelt und Provision verdient. Warum also nicht selbst einsteigen?

Eine Idee in Geschäft umwandeln – Scherzinger fühlt sich mitten im Unternehmertum angekommen. Er habe bewiesen, dass auch Minderjährige dazu fähig sind, zu gründen. "Ich kann schon ein wenig stolz auf mich sein", sagt er. Doch am Ziel ist er noch nicht: Er will weiter expandieren, mehr Kunden haben, mehr Produkte verkaufen – und mehr Unternehmen.

Seine jüngste Gründung folgte im Mai zusammen mit seinem früheren Mitschüler Max Kutschera (20). Sie vermarkten mit der Better GmbH physische Bilderrahmen für NFTs, also für digitale Kryptokunst auf Blockchain-Basis. In einer ersten Funding-Runde wurde ihr Geschäft gleich mit 500.000 Euro bewertet und hat ein Investment in Höhe von 50.000 Euro erhalten.

Ein Minderjähriger, fünf Gründungen. Geht das gut? Nun, das Versprechen mit den konstant guten Schulnoten an die Eltern konnte er nicht lange halten. Sein Notenschnitt sackte deutlich ab. "Ich hätte mir klare Arbeitszeiten setzen sollen", sagt er heute. Vor der Schule hat er nach eigenen Angaben bereits die E-Mails gecheckt, in der Schule war er mit den Gedanken bei seinen Unternehmen und nach der Schule blieb auch keine Zeit mehr zum Lernen. Er kümmerte sich nur noch um sein Business.

Mehrfach haben die Eltern ihm den Computer weggenommen, damit er wieder lernt. "Das war wichtig", gibt der Minderjährige zu. Und es hat geholfen: Die Noten wurden besser. Im Alter von 16 Jahren schloss er sein Abitur mit einem sehr gutem Ergebnis ab.

Über den Dächern: Geschäftspartner Patrick Scherzinger (r.) und Max Kutschera

Über den Dächern: Geschäftspartner Patrick Scherzinger (r.) und Max Kutschera

Foto: Julian Prause

Auch sonst musste Scherzinger viele Abstriche machen. Im Gegensatz zu anderen Jugendlichen hat er kaum Freizeit. "Insbesondere in der Gründungsphase müssen die sozialen Kontakte heruntergefahren werden", sagt er. Zwar habe er mit vielen anderen Unternehmern Kontakt, doch abgesehen von seinem 20-jährigen Geschäftspartner Kutschera seien die meisten doppelt so alt und älter.

Manchmal fühle er sich durchaus überfordert, erzählt Scherzinger. Mitten in der Nacht wache er teilweise auf, weil ihm dann Aufgaben einfallen, um die er sich noch kümmern muss. Und: Häufig fehle ihm die Geduld. "Manchmal gehen mir die Dinge nicht schnell genug", sagt er. Dann ziehen die Eltern die Handbremse.

Seine größte Sorge ist, dass er in der Wirtschaftswelt wegen seines Alters belächelt wird. Obwohl die Sondergenehmigung für seine GmbH vor Gericht erstritten hat, darf er etwa seine Produkte nicht einmal auf Ebay vermarkten. Zwar hat er dem Verkaufsportal die richterliche Genehmigung zugesendet, wurde aber dennoch gesperrt. "Das war mein verzweifeltster Moment – ich wurde einfach nicht ernst genommen."

Ein anderes Leben möchte Patrick Scherzinger trotzdem nicht führen. Es mache ihn stolz, etwas zu erreichen. Gegen alle Widerstände. Und bislang seien alle Unternehmen profitabel. Im November wird er 18 – dann hat er endlich alle Freiheiten, um noch mehr zu machen. Außerdem studiert er ja inzwischen nebenbei Business Administration – natürlich als jüngster Student an der Frankfurt School of Finance and Management.

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